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Schnelles Internet in Werne: Stadt will „graue Flecken“ mit Millionenbetrag beseitigen

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Von: Felix Püschner

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Ausschuss für Digitalisierung Werne
Im Ausschuss für Digitalisierung wurde klar, wie viele „graue Flecken“ es in Werne noch gibt. © Felix Püschner

Der Breitband-Ausbau stockt auch in Werne. Damit sich das schnell ändert, will die Stadt einen Millionenbetrag investieren. Die Politik findet das zwar gut, hat allerdings auch Zweifel.

Schon seit Jahren fordert die Lokalpolitik, der Glasfaser-Ausbau in der Lippestadt müsse zügiger vorangehen. Denn Werne hinkt in Sachen schnelles Internet hinterher – wobei es mit diesem Problem freilich nicht alleine dasteht. Anderen Kommunen geht es ähnlich. Zwar hat sich die Breitband-Versorgung in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen beiden Jahren deutlich verbessert, doch ist man von einem flächendeckenden Top-Zustand noch weit entfernt. Das zeigt schon ein erster Blick in den Gigabit-Atlas des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.

Um das zu ändern, stellt der Bund Fördergelder im Zuge des „Graue-Flecken-Programms“ bereit. Davon soll auch Werne profitieren. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Digitalisierung und Bürgerservice gab Jannik Thiele von der MICUS Strategieberatung GmbH einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge.

Ein Viertel der Haushalte in Werne ist unterversorgt

Die Stadt hatte im vergangenen Jahr ein Markterkundungsverfahren durchgeführt – das heißt, die Internetdienstanbieter (Provider) aufgefordert, verbindliche Angaben zur vorhandenen Breitbandversorgung in Werne zu machen. Daraus konnten besagte „hellgraue Flecken“ ermittelt werden, also Adressen beziehungsweise Haushalte, die unterversorgt sind.

Unterversorgt bedeutet eine Bandbreite von weniger als 100 Mbit/s. Unternehmen in Gewerbegebieten sowie Krankenhäusern und Schulen gelten bei einer Bandbreite von weniger als 500 Mbit/s als unterversorgt.

Das Ergebnis: Von 9764 Adressen liegen 2361 innerhalb von hellgrauen Flecken. Um die zu beseitigen bedarf es einer erheblichen Summe. Die Wirtschaftlichkeitslücke liegt bei gut 27,5 Millionen Euro. Gemeint ist damit der Betrag, der gedeckt werden müsste, um die Erschließung und Anbindung von Betrieben und Haushalten in normalerweise für Netzbetreiber unwirtschaftlichen Gebieten wirtschaftlich zu machen.

Die gute Nachricht: Bund und Land schließen diese Lücke in Form einer 90-prozentigen Fördersumme. Die Stadt Werne müsste allerdings in Vorleistung gehen – und zudem die restlichen 10 Prozent aus der eigenen Tasche finanzieren.

Ausbau auf 140 Kilometern Strecke innerhalb von drei Jahren

Außerdem müsste sie die umfangreichen Tiefbauarbeiten auf einer Länge von gut 140 Kilometern personell begleiten. Die Arbeiten würden sich voraussichtlich über drei Jahre ziehen. Das sorgte bei den Ausschussmitgliedern für Skepsis. Artur Reichert (FDP) wollte von Adrian Kersting aus der Abteilung Straßen und Verkehr wissen: „Schaffen wir das?“

Kerstings Antwort: Die Planungen seien optimistisch, man habe ein Projekt in einer solchen Größenordnung noch nicht gestemmt. Vor allem mit Blick auf die personellen Ressourcen aus den Bereichen Straßen und Verkehr, Stadtentwässerung und Kommunalbetrieb sei dies eine echte Herausforderung.

Das hielt die Ausschussmitglieder allerdings nicht davon ab, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen. Der lautet, einen Förderantrag für die hellgrauen Flecken zu stellen. Findet sich dann ein passender Netzanbieter, könnte es tatsächlich ganz schnell gehen: Der Startschuss für den Ausbau könnte bereits 2023 erfolgen.

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