Nach Großeinsatz für die Feuerwehr: Brandermittler benennen die Ursache

Verkettung unglücklicher Umstände: Ursache des Saunabrands jetzt bekannt

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[UPDATE] Werne - Am Dienstagabend rückten die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Werne zu einem Kellerbrand in die Körnerstraße aus. Die Heimsauna eines Einfamilienhauses brannte in voller Ausdehnung. Ein anstrengender und zeitaufwendiger Einsatz für die Wehrleute. Die Kriminalpolizei hat ihre Ermittlungen jetzt abgeschlossen. Die Brandursache: eine Pyrolyse.

Sprich: ein thermo-chemischer Prozess zur Zersetzung verschiedener Ausgangsstoffe. Die Bewohner in der Körnerstraße berichteten von einem Brandloch im Holz der aufheizenden Sauna, das sie nicht löschen konnten, woraufhin sich das Feuer schnell weiter ausgebreitet habe. 

„Es hat sich um eine etwa 30 Jahre alte Sauna gehandelt. Da ist das Holz sehr ausgetrocknet und kann sich schneller entzünden“, sagt Vera Howanietz, Pressesprecherin der Kreis-Polizei. Persönlich in Augenschein nehmen konnten die Experten den Keller nicht, denn da die Decke einsturzgefährdet ist, darf der Keller nicht betreten werden. 

„Dank der Fotos und Zeugenaussagen von Feuerwehr und Familie sind wir dennoch sicher, die Ursache benennen zu können“, so Howanietz weiter. Daher kann die Polizei Fremdeinwirkung, Brandstiftung und einen technischen Defekt am Ofen ausschließen. Dass es zu dem Brand kam, bezeichnete die Sprecherin als „Verkettung unglücklicher Umstände“. 

Kommen solche Vorfälle bei alten Saunen öfter vor? 

Nein. Auch Dr. Bodo Bernsdorf von der Feuerwehr Werne hat in seiner Zeit bei der Feuerwehr und beim THW noch keinen vergleichbaren Einsatz gehabt. „Mein Kenntnisstand ist, dass Holz eine Zündtemperatur von 300 Grad benötigt, bis der Pyrolyse-Effekt auftritt und die brennbaren Gase austreten“, sagt Bernsdorf. 

In diesem Fall deute alles darauf hin, dass das Holz durch häufiges Erhitzen einen hohen Trocknungsgrad erreicht habe. Dadurch habe sich sich wohl die Zündtemperatur deutlich auf 100 bis 110 Grad verringert.

 Müssen sich Sauna-Besitzer jetzt Sorgen machen? Nein, denn solche Einsätze sind nicht alltäglich. Feuerwehr-Pressesprecher Bernsdorf vermutet, dass an der Stelle, wo das Feuer entstanden ist, die Wärme vielleicht nicht so abgeführt worden ist, wie sonst üblich. Vorgeschriebene Wartungsintervalle für Saunen gibt es nicht. 

„Dennoch kann es nicht schaden, das Thermometer und die Steuereinheit zu überprüfen. Auch bei einem Kabel, das 35 Jahre lang regelmäßig heiß und kalt gemacht wird, kann die Ummantelung brüchig werden und einen technischen Defekt auslösen“, so Bernsdorf. Dennoch sei der Brand kein Anlass, um in Panik zu verfallen, nur weil im Keller eine alte Sauna untergebracht sei.

Lesen Sie hier unsere Ursprungsmeldung zum Brand

Mit dem Stichwort "Feuer_3: Brennt Sauna im Keller" wurde der Löschzug Stadtmitte gegen 18.48 Uhr alarmiert. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Bodo Bernsdorf hatte sich aus bislang ungeklärter Ursache in einer Sauna im hintersten Raum des Kellers ein Brand entwickelt. Zügig wurde der Löschzug Stockum und später auch die Löschgruppen Langern und Holthausen nachalarmiert.

Die Familie konnte sich laut Bernsdorf selbstständig aus dem Haus retten. Zwei Hunde befanden sich allerdings noch im Erdgeschoss. "Sofort wurden drei Trupps mit schwerem Atemschutz ausgerüstet, ein vierter bereitete sich als Sicherheitstrupp vor" schilderte Bernsdorf. Die Rettung der Hunde hatte Priorität; die Vierbeiner wurden durch ein Fenster in Sicherheit gebracht. 

"Die Rettung der Hunde ging sehr schnell vonstatten. Nur wenige Minuten nach dem gewaltsamen Öffnen eines Fensters waren die Tiere befreit und konnten den Besitzern unverletzt übergeben werden", so Bernsdorf.

Extreme Hitze und starke Rauchentwicklung

Wie Bernsdorf mitteilte, hatten die extreme Hitze und Rauchentwicklung, die im Keller und im Flur des Hauses entstanden waren, die Brandbekämpfung erschwert. "Im Flur bröckelte schon der Putz von der Wand", berichtete Bernsdorf. Auch der Garten sei "völlig verraucht" gewesen. 

12 Trupps unter Atemschutz (24 Einsatzkräfte) bekämpften die Flammen. "Die Arbeiten im Keller gestalteten sich aufgrund der großen Hitze als sehr anstrengend und zeitaufwendig", berichtete Bernsdorf.

Erst nach 30 Minuten sei der Brand unter Kontrolle gewesen, rund 45 Minuten später meldeten die Wehrleute "Feuer aus". Gegen 22.30 Uhr waren die Nachlöscharbeiten abgeschlossen. "Das Haus ist nicht mehr bewohnbar. Die Familie kommt bei Bekannten oder Freunden unter", schilderte Bernsdorf das Ausmaß des Brandes. Mit Hilfe der Versorger Gelsenwasser und Westnetz wurde das Gebäude von den Versorgungsnetzen getrennt.

Die Polizei beschlagnahmte das Haus, um die Brandursache zu ermitteln. Laut Bernsdorf würden erste Angaben der Bewohner darauf hinweisen, dass das Feuer im Bereich des Ofens der Sauna ausgebrochen sein muss. 

Insgesamt 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr Werne waren mit 13 Fahrzeugen vor Ort. Die Löschgruppe Bergkamen-Rünthe übernahm die Grundsicherung im Stadtgebiet während des Einsatzes, um im Falle eines parallelen Einsatzes ausrücken zu können. Aus Unna hatten die Einsatzkräfte den Abrollbehälter für Atemschutzgeräte angefordert, um sich für die Nacht mit neuen Geräten ausrüsten zu können.

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