Gemeinde hadert mit Sanierung

Sakristei nicht denkmalwürdig: LWL-Amt sieht keine Basis für Unterschutzstellung

+
Die Sakristei wird nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Werne - Die Sakristei an der St. Christophorus-Kirche ist nicht denkmalwürdig, denn sie ist zu jung. Zu diesem Urteil ist die LWL-Denkmalpflege bei der Prüfung des Antrags gekommen, den Ex-Baudezernent Joachim Kupczik und der frühere CDU-Fraktionschef Heinz Polmann im Herbst gestellt hatten. 

Die Eingabe erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde erwägt, das ab 1999 nach zähem Ringen um die Gestaltung errichtete Gebäude abzureißen, weil es eine Reihe von wiederkehrenden Mängeln aufweise und gar nicht die benötigte Funktionalität biete. Über die Möglichkeiten einer Sanierung ist zudem ein Streit mit dem Büro Peter Böhm Architekten entbrannt, der nach den Worten von Pfarrdechant Jürgen Schäfer keine gedeihliche Entwicklung an dem in Werne bis heute umstrittenen Bauwerk erwarten lässt. 

Die vieldeutig gen Himmel ausgerichtete Architektur der aus Stahlsegmenten und Plexiglaselementen konstruierten Sakristei bietet im Innerern spannendere Anblicke als das Äußere vermuten lässt, hat im Alltag aber viele Nachteile, wie Pfarrdechant Jürgen Schäfer den Lokalpolitikern erläuterte.

Probleme auf Dauer nicht behebbar 

„Wir müssten nach nur 20 Jahren etwa die Hälfte der Bausumme in die Sanierung investieren, ohne dass auch nur ein Problem auf Dauer behoben wäre“, sagte Schäfer bei der Besichtigung des Sakralbaus durch einige Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses. Eine Million D-Mark haben Bistum und Gemeinde damals investiert, die Behebung der Probleme mit Nässe im Bau ließe Kosten bis 250 000 Euro erwarten „und müsste alle 20 Jahre wiederholt werden, weil die Ursachen bleiben.“ Etwa, weil die Abdichtung der Plexiglas-Bänder in der Konstruktion verschleißen. 

Zudem habe der TÜV die offene Stahltreppe zur Empore als Sturzgefahr moniert, die Toilette im Keller sei nicht barrierefrei und nur über die geländerlose Treppe zu erreichen, es fehle ein Arbeitsraum und bei Messen mit mehreren Zelebranten der Platz, die Gewänder vernünftig anzulegen, so Schäfer. 

Nässe lässt Wände schimmeln und Putz bröckeln.

Offener Wettbewerb, wenn neu gebaut wird 

Sollte aus der Tendenz zum Neubau ein Entschluss werden, würden ein Architektenwettbewerb samt Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen, wie es Ausschussvorsitzender Michael Zuhorst und -mitglied Adelheid Hauschopp-Francke es Schäfer ans Herz legten. Die Geheimniskrämerei der 1990er ist keinem in guter Erinnerung geblieben. 

„Ohne Einbindung der Gemeinde könne Sie heute gar nichts mehr machen. Das praktizieren wir ja gerade in St. Konrad“, verwies der Pfarrer auf den Teilabriss dieser Kirche für den Neubau der Zentralrendantur. Während diese Pläne umgesetzt werden, wolle der Kirchenvorstand das nächste Projekt allmählich vorbereiten. 

Die nicht barrierefreie Toilette ist beengt und für Ältere nur mühsam erreichbar.

Schäfer dämpfte zugleich die Vorstellung, dass die Sakristei wieder in die Kirche zurückverlegt werden könne. Die vormaligen Räume sind zur Andachtskapelle umgebaut und werden werkstags für die Gottesdienste und immer häufiger für Trauerfeiern genutzt. Alternativen böten sich in der Kirche nicht an. Zudem laufe im Sakristeikeller sämtliche Infrastruktur vom Wasseranschluss bis zur Heizung zusammen und sei nur mit viel Aufwand zu verlegen. 

Baudezernent Ralf Bülte begrüßte die Aussicht auf einen Wettbewerb und konstruktiven Disput: „Das ist eine ganz besondere Stelle in der Stadt. Da darf man in solchen Sachen auch streiten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare