Herausforderung für Spargelbauern

Saisonarbeit in Corona-Zeiten: Hiesige Landwirte zeigen sich zuversichtlich

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Auf dem Spargelhof Schulze Elberg in Rünthe packen jedes Jahr polnische Erntehelfer beim Spargelstechen mit an. Saisonarbeit ist in Zeiten von Corona schwierig, durch Sonderlizenzen aber möglich.

Werne/Bergkamen – Die Landwirte der Region schwanken in diesen Tagen zwischen Angst und Sorge, aber auch Zuversicht, die Situation irgendwie meistern zu können. Das Coronavirus trifft sie an vielen Stellen – vom Ernteeinsatz ausländischer Kräfte bis zu Sicherheitsbestimmungen für den Kundenverkehr im Hofladen oder auf den Feldern für Selbstpflücker.

Auf den Höfen Schulze Blasum in Stockum und Schulze Elberg in Rünthe geht es um die Spargelernte, bei Bauer Henter in Bergkamen warten vor allem die Erdbeerfelder auf Pflücker. Erfreut registrieren alle drei Landwirte, dass in der Bevölkerung eine große Bereitschaft herrscht, in der Erntezeit auf den Feldern mit anzupacken. Doch leicht umzusetzen ist dieses Angebot nicht.

„Wir müssen sehen, dass wir aufgrund der Infektionsgefahr möglichst wenig Menschen auf einem Feld im Einsatz haben – das heißt, die geringe Zahl an Mitarbeitern muss möglichst effizient arbeiten“, erklärt Judith Reher vom Management des Spargelhofs Schulze Blasum in Stockum. Unerfahrene Kräfte seien dann längst nicht so belastbar.

Erdbeerbauer kann Bedarf mit inländischen Kräften decken

Thies Henter hingegen beobachtet, dass auch die hilfswilligen einheimischen Kräfte meist einen Migrationshintergrund haben. „Gerade die türkischen Frauen sind Landarbeit gewohnt und packen gerne mit an“, sagt er. Er selbst kann seinen geringen Bedarf an Erntehelfern daher mit inländischen Kräften decken. „Ich sehe mich da grad gar nicht so betroffen“, sagt Henter. Zumal sich wirklich viele meldeten, die derzeit in der Kurzarbeit sind und Alternativen suchen. Doch gepflückt werden die Erdbeeren im Folientunnel erst ab dem 20. April, und dazu braucht es auch erstmal nur drei bis vier Leute. „Aber je mehr wir in die Saison kommen, je mehr Bedarf ist auch da“, sagt Thies Henter. „Aber ein kleiner Erzeuger wie ich braucht auch nur 15 Leute.“

Die den Einzelhandel beliefern, hätten es deutlich schwerer. Henter selbst sieht sein Problem eher im Bereich der Selbstpflückerfelder. „Das sind bei mir 50 bis 60 Prozent. Die werden aufgrund der Ausgangsbeschränkungen wegbrechen“, sagt Henter. Und auch wenn er die Früchte gepflückt bekommt: „Der Verkauf wird schwierig.“

Ausnahmeregelungen erleichtern Saisonarbeit

Sowohl Judith Reher als auch Antje Schulze Elberg können jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Kräfte zurückgreifen, mit denen sie seit Jahren zusammenarbeiten. Sonderlizenzen des Landwirtschaftsministeriums gewähren Einlass. Der Hof Schulze Blasum hat für Freitag 19 Flüge für Erntehelfer aus Rumänien gebucht, Antje Schulze Elberg geht davon aus, dass ihre sieben polnischen Kräfte mit Privatwagen kommen werden. „Wir haben am Sonntag telefoniert und sie haben uns gesagt, dass sie keine Angst vor Corona haben“, erklärte Schulze Elberg. Und durch die Zusagen der Regierung, dass die Erntehelfer kommen dürfen, seien viele Probleme aus der Welt geschafft.

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„Das hilft ungemein“, sagt Judith Reher mit Blick auf die weitere Ausnahmeregelung, dass die Aufenthaltsgenehmigung länger als drei Monate gilt. Was vor allem greift, wenn Erkrankungen die Erntezeit in die Länge zieht. „Danach wären die Arbeiter sonst sozialversicherungspflichtig und das triebe für uns die Kosten um 30 Prozent in die Höhe, während bei den Erntehelfern der Nettoverdienst deutlich geringer ausfallen würde. Wenn dann am Ende nur 62 Prozent übrig bleiben, ist das kein Anreiz mehr“, weiß Judith Reher und fragt zudem: „Was müsste dann auch der Spargel kosten, um das gegen zu finanzieren?“

Produktpalette wird erstmal klein gehalten

Reher macht sich nun vor allem um den Hofladen Gedanken, denn auch dort gilt es, den Hygienevorschriften und Zugangsbeschränkungen gerecht zu werden. „Wir haben noch Termine mit dem Gesundheitsamt“, erklärt Reher. Doch als gelernte Krankenschwester weiß sie um die Gefahren, die da drohen. „Wir werden die Produktpalette erstmal klein halten, die Grundversorgung bleibt gesichert, aber die Nebenprodukte werden mit Blick auf hygienische Aspekte klein gehalten. Wir können ja nicht ständig alle Packungen desinfizieren“, sagt Reher.

Ein Online-Shop mit Lieferservice ist daher in Planung, hierfür müssen aber noch Rahmenbedingungen abgesteckt werden. Gibt es eine bestimmte Zahl von Spargelstangen und Schinkenscheiben zum Festpreis, um nicht nachwiegen zu müssen? Können glatte Geldbeträge eingeführt werden, um Wechselgeld zu vermeiden? Wie ist bargeldlose Bezahlung möglich? Auch im Hofladen werden zwei Leute arbeiten müssen – einer für den Kontakt mit den Lebensmitteln, der andere für Bezahlung und Geldverkehr. 

„Am Ende muss der Preis aber fair bleiben – für beide Seiten“, schildert Judith Reher, worüber man sich bei Schulze Blasum gerade die Köpfe zerbricht. „Das ist spannend und herausfordernd, aber wir stecken die Köpfe nicht in den Sand.“

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