Rückenwind für neue Windräder in Werne

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Das Windrad der Familie Hülsmann am Knappweg ist das älteste in der Stadt Werne.

WERNE - Dreht sich bald ein Bürgerwindrad in Ehringhausen? Wenn es nach Werner Schulz-Gahmen geht auf jeden Fall. Auf den landwirtschaftlichen Flächen an den Grenzen zu Selm und Nordkirchen will er einen Windpark mit bis zu drei großen Energieanlagen errichten, eine auch für Bürgeranleger.

Jede der Windmühlen soll mindestens eine Nabenhöhe von 105 Metern haben, insgesamt geeignet, um rein rechnerisch rund 10 000 Haushalte komplett mit Windstrom zu versorgen. Das Millionenprojekt ist nur eines von vielen, mit denen sich jetzt die Stadtplanung der „Energiestadt Werne“ beschäftigt. „Die Energiewende, die neuen Ziele für den Klimaschutz und die aktuelle Energiepolitik des Landes NRW mit einem Vorrang für Windenergie sind für uns Anlass, die bisherigen Beschränkungen intensiv zu diskutieren“, erklärt Bürgermeister Lothar Christ.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung liegt das Thema schon vor. Denn eigentlich hatte die Stadt Werne vor sieben Jahren den Windmüllern klare Baugebiete zugewiesen: In Ehringhausen und Wessel sollten sich die Windenergieanlagen konzentrieren. Das restliche Stadtgebiet war tabu.

 Doch in den Konzentrationszonen wurde auf Grund der Höhenbegrenzung auf 100 Meter keine neue Anlage errichtet. Die vier vorhandenen Windräder stammen aus der Zeit vor Ausweisung der Konzentrationszonen und drehen sich deshalb außerhalb.

 Pionier für die Windkraftnutzung war Ludger Hülsmann, der schon 1990 eine 28 Meter hohe Windmühle auf sein Gelände am Knappweg setzte. Die kleine Anlage erreichte den erhofften Ertrag von 80 000 Kilowattstunden jährlich nicht ganz. Zu klein für die Werner Windverhältnisse sei das Windrad gewesen, sagt Hülsmann.

2006 entschloss er sich zum Ersatz: Im so genannten „Repowering“ wurde die erste Windkraftanlage durch eine 800 Kilowatt starke und 75 Meter hohe Mühle ersetzt. „In den ersten beiden Jahren leistete sie mit 1,3 Mio. Kilowattstunden mehr als die prognostizierte Leistung von 1,2 Mio.“, freut sich Hülsmann. Genug Energie, um rechnerisch 450 Haushalte zu versorgen, genau 1,2 Mio. kWh, erntet das Windrad mit seinem 48 Meter-Rotor auch in den windschwächeren Jahren 2009 und 2010.

Auf einen Ertrag von rund einer Mio. Kilowattstunden hofft auch Andreas Möer, der mit Geschäftspartnern am Höltingweg die zweitgrößte Windmühle betreibt: 78 Meter hoch, 600 Kilowatt Leistung und ein Rotor von 44 Meter Durchmesser. Die gleiche Leistung hat eine dritte Anlage an der Horster Straße. Die vierte an der Wesseler Straße ist mit einer Nabenhöhe von 28,5 Metern und 88 Kilowatt aus heutiger Sicht ein Windkraft-Zwerg.

Schon die Anlagen, die Werner Schulz-Gahmen bauen will, haben Rotoren von bis zu 90 Metern und leisten 2000 kW. Und neue Modelle kommen schon mal mit Nabenhöhen bis zu 120 Metern daher, um die sich Flügel mit 126 Metern Durchmesser drehen. Sie leisten 5000 kW und mehr. Wo und wie solche Windräder in Werne sinnvoll wären, ob die bisherige Höhenbegrenzung von 100 Metern noch gehalten werden soll, ob eventuell auch Flächen der ehemaligen Zeche für Windenergie genutzt werden könnten?

Diese Fragen werden intensiv diskutiert. Auch vor dem neuen Ziel der „Energiestadt Werne“. Die will ihren Anteil dazu beitragen, den Anteil an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. - red

Fragen beantwortet die Technische Beigeordnete Monika Schlüter, Tel. 71 690.

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