Amazon fördert Bildung eines Betriebsrates

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WERNE ▪ Die Gewerkschaft Verdi streckt ihre Fühler in Richtung Amazon-Logistikzentrum in Werne aus – mit der Absicht, die dort wahrgenommene Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen aufzugreifen und Bestrebungen zur Bildung eines Betriebsrats aktiv zu unterstützen.

Folgt man dem Unternehmen, so dürfte die Installation einer solchen gesetzlich verbrieften Arbeitnehmervertretung jedoch ein Leichtes sein. Wörtlich teilt Amazon auf WA-Anfrage mit: „Wenn unsere Mitarbeiter die Etablierung eines Betriebsrats möchten, so fördern wir dies ebenso wie jedes andere Gremium, das eine kontinuierliche Kommunikation gewährleistet.“ Aktuell gibt es am Standort Werne ein so genanntes Mitarbeiterforum als Schnittstelle zwischen Belegschaft und Management.

Laut Gewerkschaftssekretärin Alexandra Willms haben – zum Teil anonym – bereits 90 Amazon-Beschäftigte beim Verdi-Bezirk Hamm-Unna ihren Unmut über die Arbeitssituation in Werne geäußert. Demnach würden vielfach keine Schichtpläne geschrieben sowie über die Maßen Überstunden eingefordert, so dass eigene Freizeit nicht mehr planbar sei.

Den Unmut aufgreifend, gibt es laut Willms aktuell intensive Gespräche mit einer Gruppe von Amazon-Beschäftigten, die mehr Mitspracherecht einfordern wollen. Am Montagmorgen zeigte Verdi erstmals unangemeldet und unter Duldung des Versenders am Werktor von Amazon Präsenz – um zu zeigen, dass die Gewerkschaft „mit offenem Visier kämpft“, wie Willms formuliert, und um ein Meinungsbild abzurufen. 300 Mitarbeiter ließen sich dazu bewegen, „bessere Arbeitsbedingungen“, „weniger Leistungsdruck“ und „mehr Menschlichkeit“ von ihrem Arbeitgeber einzufordern.

Willms betont, dass das Mitarbeiterforum bei Amazon zwar ähnliche Funktionen wie ein Betriebsrat habe, aber letztlich ohne Rechte sei. Die Gründung eines Betriebsrats bedürfe intensiver Vorbereitung und erfordere ein hohes Maß an Durchsetzungskraft. Verdi könne hierbei nur begleitend aktiv sein. „Wir sind Instrument, nicht ausführendes Organ. Die Initiative muss von den Beschäftigten ausgehen.“ Mitarbeiter, die sich für die Belange der Belegschaft einsetzten, hätten jedoch zum Teil begründete Angst vor Repressalien.

Laut Willms ist bereits eine nächste Aktion bei Amazon geplant. Es sei nicht das Bestreben Verdis, das Unternehmen an den Pranger zu stellen, sondern in ein vernünftiges Gespräch mit ihm einzutreten. In einer Reaktion auf die Verdi-Vorwürfe unterstrich Amazon, dass man sich bei der Überstundenregelung an gesetzliche Vorgaben halte und auf die persönlichen Verpflichtungen der Mitarbeiter eingehe. „Im Übrigen schätzen viele unserer Mitarbeiter die Möglichkeit, Überstunden zu machen, um damit entweder mehr zu verdienen oder einen Freizeitausgleich zu einem späteren Zeitpunkt nehmen zu können“, heißt es. J am

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