Deutsche Meisterschaft im September

Besonderer Wettkampf: Werner (48) fährt mit dem Caravan Turniere

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Bald geht es für Rainer Steinweg los zur Deutschen Meisterschaft im Caravan-Geschicklichkeitsfahren.

Mit einem Caravan verbinden wohl die meisten das Reisen. Für Rainer Steinweg ist der Anhänger mit Wohneinrichtung aber mehr als Fahrzeug, mit dem es in den Urlaub geht: Steinweg fährt Caravan-Geschicklichkeitsturniere. Im September geht es für den 48-Jährigen zur Deutschen Meisterschaft.

Werne – Aus einer Parklücke fahren, auf einer Straße wenden, Rückwärtsfahren – das sind die Disziplinen der Deutschen Meisterschaft im Caravan-Geschicklichkeitsfahren. Was für den durchschnittlichen Autofahrer mitunter zu einer Herausforderung werden kann, ist für den Fahrer eines Caravan-Gespanns weitaus schwieriger. Doch nicht für Rainer Steinweg. 

Seit fünf Jahren ist der 48-Jährige mit seinem Caravan unterwegs, dreht und wendet das Gespann, wo auch immer es möglich ist – und vor allem, wo es unmöglich scheint. Vor einigen Jahren erfuhr der gebürtige Werner dann von der Deutschen Meisterschaft im Caravan-Geschicklichkeitsfahren. 

Ticket zur Meisterschaft "erfahren"

Sein Ehrgeiz war geweckt, er trat in den Landesverband Münsterland des Deutschen Camping-Clubs ein. „Jeder Verband schickt zwei Leute zur Deutschen Meisterschaft“, erklärt Steinweg. Welche Caravan-Fahrer das sind, wird in einem Turnier entschieden. „Der erste und zweite Platz qualifizieren sich.“ 

Das erreichte der 48-Jährige 2017 noch nicht – also ging es gemeinsam mit seiner Frau Karin Riße und Tochter Tina zunächst nur als Zaungäste zur Deutschen Meisterschaft. Ein paar Urlaube und viele Kilometer später, Ostern 2019, gelang es Steinweg dann, den ersten Platz zu belegen – und der begeisterte Caravan-Fahrer hatte sein Ticket zur 53. Deutschen Meisterschaft im Caravan-Geschicklichkeitsfahren am 14. September am Biggesee in Olpe-Sondern. 

Die Prüfungen der Meisterschaften unterliegen einem strikten Regelwerk. Jede Markierung wird bis auf den Millimeter abgemessen und vorgeschrieben.

Dass es sich bei der Meisterschaft nicht um eine Spaß-Veranstaltung handelt, zeigt ein Blick in die Prüfungsaufgaben und Wertungsregeln. Übung 1: Ausfahren aus einer rechten Parklücke. „Der Motor läuft, die Feststellbremse ist angezogen, der Fahrer steht außerhalb der geschlossenen Tür auf der Lenkradseite“ – die Übung wird bis ins kleinste Detail beschrieben. 

Gefahren wird mit einem Turnier-Caravan, „Chancengleichheit“, erklärt Steinweg. Jeder Teilnehmer darf sein eigenes Auto nutzen; bei jeder Übung werden die Barrieren und Abgrenzungen für das Auto ausgerechnet und angepasst. 

Die Barrieren werden mit Feuerwehrschläuchen abgespannt, die Bordsteinkanten werden mit Holzbalken nachgestellt. Und dann geht es los. Fünf Sekunden nach dem Wort „Klar“ folgt das Kommando „Los“, der Fahrer steigt ein. 

Mehrere Schiedsrichter kontrollieren die Fahrer

Das Zeitlimit beträgt acht Minuten und beginnt mit dem Schließen der Fahrertür. Dann geht es ans Ausparken. Der Fahrer soll das Gespann aus der Parklücke fahren, ohne die Markierungen zu berühren. Einmal darf er korrigieren und noch einmal zurücksetzen, jede weitere Richtungskorrektur bedeutet Fehlerpunkte. 

„Blinkt man nicht, bekommt man auch direkt Fehlerpunkte“, sagt Steinweg. Seine beste Disziplin? „Am wenigsten Probleme habe ich beim rückwärts Einparken“, erklärt der 48-Jährige. Bei dieser letzten Disziplin muss der Fahrer mit seinem Gespann in dieselbe rechte Parklücke, in die er in der ersten Übung rausgefahren ist – „ohne Rückfahrkamera und man darf seinen Sitz nicht verlassen oder die Spiegel verstellen“, erklärt Steinweg. 

Mitunter würde eine Schnur gezogen, um zu kontrollieren, ob der Fahrer mit dem Gespann wirklich in der Parklücke steht oder ob der Caravan gegebenenfalls über die Markierung hinaus ragt. „Wenn man den Schlauch, also die Markierung berührt, ertönen von mehreren Schiedsrichtern die Triller-Pfeifen“, erklärt Steinweg. 

Ein Laser misst nach

Deutscher Meister ist am Ende der Fahrer mit den wenigsten Fehlerpunkten. Und das kann mitunter auch mal sehr eng werden: Bei der dritten Übung müssen die Caravan-Fahrer rückwärts fahren. Was einfacher klingt, als es ist. Denn es geht durch eine mit Schläuchen markierte Gasse, die 30 Zentimeter breiter ist als der Caravan selbst. 

Das Ziel: Die Markierungen nicht berühren und das Gespann möglichst nah an eine Querstange heranführen, ohne sie zu berühren. „Das wird mit einem Laser gemessen“, erklärt Steinweg die Genauigkeit der Prüfer. „Durch die Millimeter kann sich der Deutsche Meister ergeben.“ 

Ob sich Steinweg Chancen auf einen Sieg ausmalt? „Gewinnen will jeder, aber es ist schon schwierig. Da treten die besten deutschen Caravan-Fahrer an.“ 

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