Freilichtbühne Werne startet mit „Räuber Hotzenplotz“ erfolgreich in die Saison

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Thorsten Maß gab einen herrlich grimmigen und polternden Hotzenplotz.

Werne - Ideales Wetter herrschte am Sonntagnachmittag beim Saisonauftakt der Freilichtbühne Werne. Milde Temperaturen lockten 1.200 Menschen aus Werne und der Region – vom Ruhrgebiet bis ins Münsterland – zur Premiere des „Räuber Hotzenplotz“.

Eine gut gelaunte Darstellerriege und ein stets zum Mitmachen aufgelegtes Publikum befeuerten sich bei dem temporeichen Stück. Vor allem die Kinder gingen begeistert mit, egal, was auf der Bühne und ringsherum passierte. 

Marius Przybilla und sein Assistent Holger Schulte hatten das Stück so angelegt, dass die jungen Zuschauer fast in jeder Szene einbezogen wurden. Das fing schon beim Geburtstagsständchen für Kasperls Großmutter an. Da sie auf den Gesang von Kasperl und Seppel nicht reagierte, baten die beiden die Jungen und Mädchen um Mithilfe. Die stimmliche Unterstützung aus hunderten kleinen Kehlen konnte selbst die ältliche Großmutter (Melanie Hetmann) nicht überhören. Und als sie Kasperl und Seppel vor dem auflauernden Räuber Hotzenplotz warnen wollten, brüllten sich die Kinder beinahe heiser vor Aufregung. 

Die Vorstellung wartete mit jeder Menge effektvollem Bühnenzauber auf.

Manch einer reagierte auch ohne Aufforderung seitens der Schauspieler. Etwa, als Wachtmeister Dimpfelmoser – Jan Nowak in Sherlock-Holmes-Kluft – sich weigerte, die ohnmächtige Großmutter vom Boden aufzuklauben. „Ich kann mir doch als Beamter nicht die Hände schmutzig machen“, wehrte er Kasperls Bitte ab. „Sind doch schon schmutzig“, trompetete ein Junge ins Bühnenrund. Tatsächlich hatten Kasperl und Seppel den Wachtmeister gegen sein frisch lackiertes Auto gestupst, während sie Großmutter zur Hilfe eilten. Und der weiße Lack hatte – in Form von Schlagsahne – prächtig auf Hände und Gesicht des Wachtmeisters abgefärbt.

Jede Menge Feuerzauber

Neben Gags wie diesen wartete die Inszenierung mit jeder Menge Feuerzauber auf, für den vor allen Dingen der böse Magier Petrosilius Zwackelmann verantwortlich zeichnete. Mit viel Rauchschwaden hexte er den Seppel herbei oder verwandelte Hotzenplotz in einen Gimpel. Die Rolle des Zauberers übernahm bei der Premiere der Regisseur Marius Przybilla höchstpersönlich, bei anderen Vorstellungen wird sie außerdem noch von Holger Schulte gespielt. In der Titelrolle gab Thorsten Maß einen herrlich grimmigen und polternden Hotzenplotz, der raumgreifend durch die Zuschauerränge und über die Bühne stürmte und genau das richtige Maß zwischen Bedrohlichkeit und einer gewissen Einfältigkeit vermittelte.

Den cleveren Kasperl spielte Marvin Müller mit komödiantischem Gespür für das richtige Timing; Pascal Talaga agierte als Seppel so herrlich dämlich, dass sogar die Kinder sich bemüßigt fühlten, Kasperl zu unterstützen, wenn der seinem Freund mal wieder etwas mühsam auseinander buchstabieren musste. An sich bietet Otfried Preußlers Hotzenplotz-Geschichte mehr Männer- als Frauenrollen. Doch die Regie in Werne hatte mit einem Kniff dafür gesorgt, dass auch die weiblichen Akteure der Bühne ihren Platz fanden. Sie hatten eine dörfliche Frauengruppe eingebaut, angeführt von einer höchst energischen Vorsitzenden alias Vivian Zurstraßen. Die Damen machten mit ihrem Eifer nicht nur dem Räuber, sondern auch Wachtmeister Dimpfelmoser das Leben schwer.

Altes Polizeiauto sorgt für Raunen

Ein Auftritt sorgte für ein Raunen in der Menge, der nicht einer Person galt. Dimpfelmoser betrat die Bühne nicht, er befuhr sie – in einem alten Polizeiauto. „Der Wagen ist von 1992, den hatten wir noch in unserem Bestand, aber er fuhr nicht mehr“, erzählt die Geschäftsführerin Karin Zurstraßen. Einer kfz-Firma sei es gelungen, dass Gefährt wieder ans Laufen zu kriegen. 

Neben dieser „Wiederaufnahme“ hatten zwei Mitglieder der Bühne mit dem Hotzenplotz ihre Premiere: Przybillas Assistent Holger Schulz gab sein Regiedebüt, Joost Löchter mischte zum ersten Mal bei einer Vorstellung in der Technik mit. Er hatte sich gemeldet, nachdem die Freilichtbühne Werne zum Ende der vergangenen Saison dafür Verstärkung gesucht hatte. Zurstraßen: „Er ist eine große Bereicherung für uns.“

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