Erste Bilanz fällt positiv aus

Radstation am Bahnhof Werne: Schon 50 Dauerparker

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Die Radstation am Bahnhof wird seit Jahresbeginn von der Awo-Tochter „DasDies“ betrieben. Die erste Bilanz fällt positiv aus.

Werne – Der neue Träger der Radstation am Werner Bahnhof zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung der Einrichtung. So gebe es mittlerweile rund 50 Dauerparker, heißt es. Diese Zahl zu verdoppeln, sei das nächste Ziel. Das Potenzial wäre vorhanden, wie der Blick auf die vielen Pendler-Räder zeigt, die dort noch ohne einen sicheren Unterstand sind.

Zu Jahresbeginn hatte die „DasDies Service GmbH“ die Radstation übernommen. Zu diesem Zeitpunkt habe es gerade einmal die Hälfte an Dauerparkern gegeben, erläutert Maciej Kozlowski, Geschäftsführer des Integrationsbetriebs der Arbeiterwohlfahrt im Unterbezirk Unna. Seinen Worten nach hat die Awo nicht lange überlegt und „gleich zugeschlagen“, als sich das Perthes-Werk als Betreiber zurückgezogen hat. 

Was den Standort Werne so einmalig mache: „Die räumlichen Voraussetzungen hier sind optimal.“ 120 Einstellplätze gibt’s, dazu ausreichend Platz für Werkstatt, Beratung und Verkauf sowie Büros und Sozialräume. Zweiradmechaniker Stefan Rose leitet die derzeit sieben Radstationen der „DasDies GmbH“ und damit auch das Haus in Werne. 

Die „wild“ parkenden Fahrräder vor seiner Haustür sind ihm und seinem Team Ansporn, sich weiter ins Zeug zu legen und noch besser zu werden. Einen großen Trumpf haben sie dabei in der Hand: Anders als früher können jetzt rund um die Uhr Räder eingestellt und abgeholt werden. Eine neue Schließanlage mit Chip-Technik macht’s möglich. 

„Radstationen sollen keine Perspektiven schaffen, sondern sind die Perspektive“

Ein Euro kostet das Tages-, zehn das Monats- und 100 Euro das Jahresticket. Schüler und Studenten zahlen die Hälfte. Kozlowski und Rose halten den Preis, gemessen an der Leistung, für moderat. Dass dennoch vergleichsweise viele Räder unbeaufsichtigt und wetterungeschützt draußen stehen, hängt vermutlich auch mit der Polizei zusammen, die ihre Wache im Bahnhofsgebäude hat. Diese Präsenz gibt ein subjektives Gefühl der Sicherheit, und in der Tat ist schlecht beraten, wer einen Diebstahl direkt vor den Augen der Gesetzeshüter begeht. Mit Flyern samt Gutschein für eine Woche kostenloses Parken und einen Sicherheitscheck, befestigt an Gepäckträgern, will die Radstation neue Kunden gewinnen. 

Von links: Stationsleiter Stefan Rose, Geschäftsführer Maciej Kozlowski und Mitarbeiter Waldemar Mai. 

Was die Integration von Menschen mit Handicap auf dem Arbeitsmarkt betrifft, so verfolgt „DasDies“ ein anderes Konzept als damals das Perthes-Werk. Die evangelische Einrichtung hatte ihre Beschäftigten zumeist über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen finanziert und war daher abhängig von immer neuen Förderprogrammen. „Unsere Radstationen sollen keine Perspektiven schaffen, sondern sind die Perspektive“, betont indes Kozlowski. 

In Werne seien 1,5 Dauer-Arbeitsplätze entstanden, überdies lerne seit August ein Auszubildender den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. „Im kommenden Jahr wollen wir, wenn möglich, auch eine Ausbildungsstelle zum Zweitradmechaniker anbieten.“ Zum Service der Radstation zählt nämlich nicht nur das Bewachen von Fahrrädern. Vielmehr werden sie bei Bedarf auch gewartet und repariert. „Wir machen aber nur die kleineren Sachen wie Schläuche wechseln, Schaltung und Bremsen einstellen“, erläutert Rose. 

Integrierter Rad- und Pedelec-Verleih

Die Kunden können an der Radstation gleichwohl auch Ersatzteile wie Sättel und Klingeln erwerben oder Zubehör, etwa Schlösser. Überdies gibt es einen Rad- und sogar einen Pedelec-Verleih, der gut angelaufen sei. „Wir haben jeweils ein halbes Dutzend Exemplare vor Ort, können aber zum Beispiel auch bis zu 30 E-Bikes anbieten, wenn sich Gruppen anmelden“, sagt Rose. Mit den örtlichen Fachhändlern gibt es seinen Worten nach weder in Werne noch in anderen Städten Probleme. 

Im Gegenteil: Viele hätten so viel zu tun, dass sie froh seien, wenn sie Kunden an die Radstationen weiterverweisen könnten. Man selbst sei gewillt, besten Service zu bieten, auch wenn es anfangs vielleicht mal an der ein oder anderen Stelle gehakt habe. Die Radstation wird zum Großteil von Bahnpendlern genutzt, die in Werne wohnen oder arbeiten. Einen Kundenrückgang ab 2020, wenn die Bahnstrecke Dortmund-Münster wegen Bauarbeiten für mehrere Monate gesperrt sein wird, befürchten Kozlowski und Rose nicht. „Dann gibt’s ja einen Ersatzverkehr mit Bussen“, sagen sie. 

Überdies zeige die Erfahrung anderer Radstationen, dass sich auch längere Reparaturzeiten nicht allzu stark auf die Nutzerzahlen auswirkten. Einen positiven Effekt erhofft sich „DasDies“ indes durch den Mitbetrieb der Abstellanlage am Stadthaus. Sie kann kostenlos mit dem Chip genutzt werden, den die Radstation-Kunden erhalten. Laut Kozlowski steht die offizielle Übergabe des Radparkhauses kurz bevor.

Infos Besetzt ist die Radstation montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, zu erreichen unter Tel. 4022690. Internet: www.die-radstationen.de.

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