Erste „Critical Mass“-Tour in Werne

Radler zeigen Präsenz: „Die Straßen sind nicht nur für Autos“

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Immer nach Vorschrift: In einer Zweierreihe ging's durch die Stadt. Im Kreisverkehr Bahnhofstraße/Fürstenhof legten die Teilnehmer die ein oder andere Extrarunde ein. Die meisten Autofahrer blieben gelassen.

Werne – Rund 30 Fahrradfahrer folgten der Einladung der „Initiative Radverkehr“ zur „Critical Mass“-Tour. Sie bewegten sich gemäß Straßenverkehrsordnung als „geschlossener Verband“ durch die Stadt – wohl wissend, dass sie dadurch den motorisierten Verkehr teils ausbremsen.

„Warum machen die das nicht im Mai?“ Das werden sich am Freitagabend vermutlich viele Autofahrer gefragt haben, die die Radfahr-Kolonne durch Werne haben fahren sahen. Das Wetter zeigte sich ziemlich unbeständig, hielt die Teilnehmer der ersten „Critical Mass“-Tour in Werne aber nicht von ihrem Vorhaben ab. Formal unorganisiert, aber nicht ohne Intention radelten sie auf Einladung der „Initiative Radverkehr“ eine Stunde lang durch die Stadt und machten mit der besonderen Aktionsform auf sich und das umweltfreundliche Verkehrsmittel Fahrrad aufmerksam.

30 Teilnehmer eine Stunde unterwegs

Um 18 Uhr startete die erste „Critical Mass“ in Werne. Rund 30 Fahrradfahrer trafen sich dazu auf dem Marktplatz. Es war nass und grau, nicht gerade die besten Bedingungen für eine gemütliche Radtour. Warm und winddicht eingepackt traten die Teilnehmer trotz des Regens in die Pedale.

Manch einer hatte seine Kinder im Fahrradanhänger dabei, andere untermalten die Tour mit Musik aus portablen Boxen. So machte sich die Kolonne zunächst auf den Weg Richtung Südmauer, drehte eine Ehrenrunde um den dortigen Parkplatz und fuhr dann zur Stockumer Straße – zu Beginn noch unter Beobachtung der Polizei, die aber wohl schnell merkte, dass es sich wirklich nur um eine Radtour und keine Demonstration handelte, die einer behördlichen Genehmigung bedurft hätte.

Formal keine Demo, aber ein „Statement“

„Der Spaß steht im Vordergrund“, unterstrich ein Teilnehmer. „Aber wir zeigen damit auch, dass wir ebenso Teil des Straßenverkehrs sind.“ In Zweierreihen fuhren die Radfahrer kreuz und quer durch die Stadt, wie es in einem sogenannten „geschlossenen Verband“ nach Paragraf 27 der Straßenverkehrsordnung möglich ist. Dabei überquerten sie auch gemeinsam Ampeln, wenn für die Letzten die Grünphase schon vorbei war: auch dies gesetzeskonform. Die meisten Autofahrer reagierten entspannt, ließen die Kolonne die Straße queren oder fuhren brav hinter ihr her, um niemanden zu gefährden.

Auch wenn es sich bei der „Critical Mass“ formal nicht um eine Demo handelt, setzen die Radfahrer ein kleines „Statement“ in Richtung des motorisierten Verkehrs – ganz nach dem Motto: Seht her, wir sind auch noch da, fordern Platz ein und lassen ihn uns nicht streitig machen. So wurde etwa im Kreisverkehr Bahnhofstraße/Fürstenhof die ein oder andere Extrarunde gedreht, was erlaubt ist – aber dann doch nicht jedem Autofahrer gefiel, wie auch lautstark mitgeteilt wurde.

Am 22. März erste richtige Fahrrad-Demo

Einen Zwang, bis zum Ende mitzuradeln, gab’s natürlich nicht. Nachdem die ersten Teilnehmer nach einer halben Stunde über kalte Füße klagten, verkleinerte sich die Gruppe nach und nach. Rund 16 Personen kamen am Ende wieder am Marktplatz an: nass, aber definitiv zufrieden. „Wir sehen uns im April – dann hoffentlich bei besserem Wetter“, verabschiedete sich ein Teilnehmer. Jeden ersten Freitag im Monat soll nun diese unpolitische „Demonstration der Freude am Fahrradfahren“ in Werne stattfinden.

Nach demselben Prinzip, aber als erklärtermaßen politischer Beitrag zum Diskurs über den Straßenverkehr der Zukunft, soll die für Sonntag, 22. März, angemeldete „Kidical Mass“ ablaufen. Das wird dann wirklich Wernes erste Fahrrad-Demo. Start ist um 15 Uhr auf dem Marktplatz. Kinder, die schon mit dem Laufrad zurechtkommen, können dabei sein, Jungen und Mädchen bis elf oder zwölf Jahre sind die Obergrenze der ins Auge gefassten Zielgruppe, die mehr Beachtung vom Autoverkehr erfahren sollte, heißt es.

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