Jüdisch-christlicher Psalmabend zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

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Nach jüdischer Tradition legten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Werne Steine auf die Grabmäler.

Werne - Es war der größte Massenmord in der Geschichte, der Mord an sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten. Angesichts dieser Tatsache zeigten sie Größe, jene jüdischen Mitbürger aus Unna, die gestern den Holocaust-Gedenktag gemeinsam mit Werner Bürgerinnen und Bürgern begingen.

Die Veranstaltung wurde zum Zeichen für den Willen zur Versöhnung. Irina Teplytska von der liberalen jüdischen Gemeinde „haKochaw“ in Unna fasste das während eines Psalmabends in St. Christophorus in Worte: „Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen Menschen und Religionen.“ In diesem Sinne richteten die Veranstalter – Vertreter der Stadt Werne, der Gemeinde St. Christophorus und der jüdischen Gemeinde – den Blick nicht nur auf die Untaten der Deutschen, sondern betonten, was Juden und Christen verbindet. „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, zitierte der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Höltmann aus einer Rede des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog. Er freue sich, so Höltmann weiter, dass heute so viele hier seien und damit ein Fundament für weitere Begegnungen zu legen. An eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde übergab er eine Spende für die Renovierung der Synagoge in Unna.

"Großteil der heiligen Schrift gemeinsam"

Irina Teplytska stellte ihre Gemeinde kurz vor, erinnerte daran, dass es bereits im 11. Jahrhundert jüdisches Leben in Unna gab. „1944 galt die Stadt als judenfrei“, sagte Teplytska. Erst 70 Jahre nach Kriegsende gründete sich wieder eine jüdische Gemeinde in der Kreisstadt. Pfarrdechant Jürgen Schäfer verwies darauf, dass Juden und Christen den „Großteil der heiligen Schrift gemeinsam haben“. In der Lesung trug er einen Text aus dem Deuteronomium, dem 5. Buch Mose vor: „Höre, Israel“. Der Text, so erläuterte Schäfer, sei Teil des kirchlichen Abendgebets an der Schwelle zum Sonntag. Gleichzeitig ist er eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Ein Chor der jüdischen Gemeinde und ein Chor der Christophorus-Gemeinde, Vocapella, sangen hebräische Lieder, darunter einen Text einer 1944 von den Nazis ermordeten jüdischen Widerstandskämpferin. 

Schweigemarsch zum jüdischen Friedhof

Die Veranstaltung endete mit einem Schweigemarsch zum jüdischen Friedhof, wo ein hebräisches Gebet vorgetragen wurde und alle Teilnehmenden nach jüdischer Tradition kleine Steine auf die Grabsteine legten. Begonnen hatte sie auf dem russischen Friedhof, wo Ulrich Höltmann bei einer Kranzniederlegung deutlich machte, dass am 27. Januar aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werde – also auch der russischen Zwangsarbeiter.

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