Anklage wegen Mordes

Prozessauftakt wegen Bombenanschlag: Angeklagter aus Werne widerruft eigene Aussage

Der Angeklagte aus Werne (27) hält sich im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts einen Aktenordner vor sein Gesicht. Er ist wegen Mordes angeklagt und soll als 15-Jähriger in Sri Lanka vor einem Konvoi der sri-lankischen Armee eine Bombe ferngezündet haben. Bei dem Anschlag sollen vor gut zwölf Jahren sechs Menschen getötet und viele weitere verletzt worden sein.
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Der Angeklagte aus Werne (27) hält sich im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts einen Aktenordner vor sein Gesicht. Er ist wegen Mordes angeklagt und soll als 15-Jähriger in Sri Lanka vor einem Konvoi der sri-lankischen Armee eine Bombe ferngezündet haben. Bei dem Anschlag sollen vor gut zwölf Jahren sechs Menschen getötet und viele weitere verletzt worden sein.

Mit einer Bombe soll er sechs Menschen in Sri Lanka getötet haben. Nun steht der 27-jährige Werner als mutmaßlicher Terrorist vor Gericht. Zum Prozessauftakt sorgt er für eine überraschende Aussage.

Werne - Ein mutmaßlicher Kämpfer der als Terrorgruppe eingestuften tamilischen Terrorgruppe „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) muss sich seit Mittwoch (20. Januar) wegen sechsfachen Mordes in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht verantworten. Der Mann aus Werne soll 2008 als 15-Jähriger in Sri Lanka vor einem Konvoi der sri-lankischen Armee eine Bombe ferngezündet haben, wie ihm die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft vorwirft.

Das hatte der inzwischen 27-Jährige beim Bundesamt für Flüchtlinge selbst berichtet, als er seinen Asylantrag begründete. Auf dieser Aussage fußt die Anklage. Doch am Mittwoch widerrief der 27-Jährige beim Prozessauftakt seine Selbstbezichtigung. Seine Angaben beim Bundesamt seien falsch gewesen.

Botengänge für die Terrororganisation

Damals hatte er berichtet, bereits als Elfjähriger Botengänge für die LTTE erledigt zu haben. Belohnung: Süßigkeiten. Schließlich habe er den Auftrag bekommen, eine Bombe zu zünden, wenn ein Konvoi mit Regierungstruppen seinen Heimatort passiert. Dafür habe er die große Pause genutzt, auf den Fernzünder gedrückt und kurze Zeit später wieder in seiner Schuluniform im Unterricht gesessen.

Bei dem Anschlag sollen im September 2008 sechs Menschen getötet und viele weitere verletzt worden sein. Dem Angeklagten droht damit die Jugend-Höchststrafe von zehn Jahren Haft. Erst drei Jahre später habe man nach ihm gesucht und er habe Hals über Kopf das Land verlassen. Zweieinhalb Jahre habe er an der afrikanischen Elfenbeinküste festgehangen, dann einen Asylantrag in Frankreich gestellt und schließlich in Deutschland.

Selbstbezichtigung stellt sich als falsch heraus

Die tamilischen „Befreiungstiger“ LTTE kämpften jahrzehntelang für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit auf Sri Lanka und gegen die Unterdrückung durch die singhalesische Mehrheit. Inzwischen ist der Bürgerkrieg beendet und die LTTE gilt seit 2009 als besiegt und zerschlagen.

Ihre Einstufung als Terrorgruppe ist umstritten. Einst waren die tamilischen „Befreiungstiger“ Gesprächspartner für EU und Bundesregierung, während der singhalesischen Regierung Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung der tamilischen Minderheit vorgeworfen wurden. In früheren Prozessen hatte das Düsseldorfer Oberlandesgericht deshalb durchaus „Bauchschmerzen“ erkennen lassen an der Etikettierung als terroristische Vereinigung.

Staatsanwälte in NRW hatten es in den vergangenen Jahren zudem mit Dutzenden Asylbewerbern zu tun, die sich schwerste Verbrechen anlasteten, um Gründe für ihre Anerkennung als politisch Verfolgte zu liefern und sich dann zu ihrem Entsetzen in Strafverfahren wiederfanden. Oft stellt sich die Selbstbezichtigung noch im Ermittlungsverfahren als falsch heraus. Diesmal war dies nicht der Fall, denn der junge Mann schwieg - bis Mittwoch.

Sein Asylantrag war vom Bundesamt dennoch abgelehnt worden. Eilanträge wurden abgewiesen. Inzwischen ruhe das Verfahren, berichtet sein Verteidiger Christoph Wingerter. Das Gericht hat für den Fall acht Verhandlungstage vorgesehen.

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