Erneuter Streik bei Amazon

Zum "Prime Day" fehlen im Werner Logistikzentrum 700 Hände

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Beim Amazon-Streik ging’s gestern nicht nur sprichwörtlich um die Wurst: Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht grillte für die 350 Mitarbeiter im Ausstand am Streiklokal

Werne - Auf zwei Dinge ist beim „Prime Day“ Verlass: Sobald Amazon seine Aktionstage mit Lockangeboten startet, ruft die Gewerkschaft Verdi mit der schon Jahre währenden Forderung nach einem Tarifvertrag die Belegschaft zum Streik auf. Sie will, dass der Online-Versender mit seinem Lieferversprechen beim Kunden möglichst unter Druck gerät.

Und dann dauert es nicht lange, bis der Konzern beteuert, dass weiter pünktlich geliefert werde, weil die Ausstände seiner Logistikmaschinerie nichts anhaben könnten – während die Gewerkschaft für sich reklamiert, die Abläufe empfindlich gestört zu haben. Da macht auch der heute endende „Prime Day“ keine Ausnahme. „Wir haben am Montag mit Start der Aktion um 15 Uhr zum Streik aufgerufen und setzen den Ausstand bis zum Ende am Mittwoch um 15 Uhr fort“, berichtete Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht am Dienstag. 

Er betreut in Werne die auch an fünf weiteren Logistikzentren organisierte Arbeitskampfmaßnahme und hat beim mittäglichen Grillfest am Streiklokal „Cafe Agora“ im Wahrbrink 350 Teilnehmer gezählt. „Die Stimmung ist gut, die Streikbeteiligung ist an allen Standorten gut“, sagte der Gewerkschafter. Da gegenwärtig kaum Saisonkräfte eingesetzt würden stünden von den 1 600 Festangestellten in Werne „gerade 350 Menschen auf der Straße, die seit Jahren dabei sind und nicht einfach ersetzt werden können.“ Die Streikenden stammten überwiegend aus der Früh- und Mittagsschicht. Es liege auf der Hand, dass fehlende Arbeitskräfte in dieser Anzahl die Abläufe zwangsläufig lähmten. „Deshalb herrscht in den Hallen auch Chaos.“ Die Kollegen draußen bekämen mit, dass drinnen die vorgegebenen Mengenquoten an den Bändern nicht zu erfüllen seien.

 „Der weitaus größte Teil der Mitarbeiter in den Logistikzentren arbeitet regulär. Wir erwarten daher keine Auswirkung auf das Kundenversprechen“, teilte indes Amazon in einer Reaktion auf den Streik mit, der auch die Warendrehscheiben in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben, Rheinberg und Koblenz betraf. Unternehmen „erwartet keine Auswirkungen“ Die Pressestelle zeichnet darin ihr Bild vom „verantwortungsbewussten Arbeitgeber“, der in einem „offenen, direkten Dialog mit den Mitarbeitern“ ständig an Verbesserungen arbeite. 

Seit 2010 seien mit acht Milliarden Euro Investition in die Anlagen mehr als 12 000 feste Arbeitsplätze geschaffen worden. Amazon biete wettbewerbsfähige Löhne und umfangreiche Zusatzleistungen, festangestellte Logistikmitarbeiter kämen so auf mindestens 12,22 Euro Stundenlohn brutto, das mache nach zwei Jahren durchschnittlich 2 621 Euro brutto im Monat. Die Verbesserungen bestreitet Rupprecht nicht, „aber dass Amazon Löhne erhöht und ein kleines Weihnachtsgeld zahlt, ist ein Erfolg unseres Streiks. Was den Tarifvertrag anbelangt, haben wir unser Ziel noch nicht erreicht. Aber wir haben es hier mit einer neuen Streikform zu tun, bei der wir ansonsten einiges für die Kollegen erreicht haben. Das ist für die Leute auch die Motivation, weiterzumachen.“ 

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