„Polyptyque“

Jac van Steen und Annemieke Corstens spielen besonderes Passionswerk 

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Violinistin Annemieke Corstens spielt im Leben von Jac van Steen die erste Geige. Das niederländische Künstlerehepaar lebt auf einem historischen Bauernhof in Esbeek und kommt zur Aufführung von Frank Martins Passionswerk nach Werne.

Werne/Esbeek - Zwischen zwei BBC-Produktionen in der walisischen Hauptstadt Cardiff wird der Dirigent Jac van Steen ein Gastspiel in Werne geben. Damit er zusammen mit seiner Frau, der Violinistin Annemieke Corstens, am 25. März in der Christophorus-Kirche auftreten kann, hat die British Broadcasting Corporation sogar eine wichtige Probe verlegt. In ihrem Haus in Esbeek erzählen Jac van Steen und Annemieke Corstens, was ihnen die Aufführung in Werne bedeutet.

Das niederländische Ehepaar lebt mit fünf Islandpferden, zwei Hunden und dem Kater Amadeus in einem Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert. „Wir haben es vor 17 Jahren gekauft, renoviert und umgebaut“, erzählt Annemieke Corstens. Von der großen Wohnküche aus schaut sie direkt auf die Weide und die gemächlich grasenden Pferde. Die Tiere sind ihre zweite Leidenschaft – nach der Musik. Corstens lehrt an der Hochschule für Musik in Tilburg; ihr Mann ist musikinteressierten Wernern noch als Generalmusikdirektor von Dortmund (2008-2013) bekannt. 

Während dieser Zeit lernte Jac van Steen das Werner Musikerpaar Dagmar Borowski-Wensing und Dr. Hans-Joachim Wensing kennen. „Unsere Freundschaft besteht seitdem und jetzt wird daraus ein tolles Konzert entstehen“, sagt der Dirigent. Im Mittelpunkt dieses Konzerts steht ein Werk des Schweizer Komponisten Frank Martin (1890-1974): Polyptyque für Violine und zwei Streichorchester. Ein Polyptychon ist ein aus mehreren Bildtafeln bestehender Altar – so einen, wie ihn Frank Martin in Italien erblickte, als er auf der Suche nach einer Inspiration für eine Auftragsarbeit war. 

Als Jac van Steen (l.) Generalmusikdirektor in Dortmund war, lernte ihn Dagmar Borowski-Wensing (M.), hier bei einer Begegnung des Inner Wheel Clubs mit dem Dirigenten, kennen und schloss mit ihrem Mann Freundschaft mit ihm. Der Kontakt beschert Musikliebhabern in Werne dank der Unterstützung durch die Stiftung Musica Sacra Westfalica ein besonders Konzert.

Es handelt sich um Duccios Hochaltar im Dom von Siena. Auf der Rückseite schildern 26 Tafelmalereien die Passion Christi. Dieses Werk vor Augen setzte der überzeugte Calvinist Martin einen Passionsaltar aus Tönen zusammen. „Daher kann man dieses Werk nur am Palmsonntag aufführen“, erklärt Jac van Steen. Und daher war das BBC National Orchestra of Wales bereit, eine schon für den darauf folgenden Montagmorgen angesetzte Probe auf den Nachmittag zu verlegen. Damit van Steen am Sonntagnachmittag in St. Christophorus dirigieren kann.

Wir wollen Botschafter des Unbekannten sein

Der Grund, Polyptyque aufzuführen, liegt bei Annemieke“, sagt van Steen weiter. Seine Frau befasst sich im Rahmen eines Universitätsprojekts mit dem Künstler. „Polyptyque ist ein wunderschönes Stück“, schwärmt sie. Allerdings kein bekanntes. Und genau das hat es ihr und ihrem Mann angetan: „Wir wollen etwas präsentieren, das keiner kennt, wollen Botschafter des Unbekannten sein.“ Frank Martin, der Zeit seines Lebens auf der Suche nach einer musikalischen Heimat war, nahm sich die farbenreiche Klangwelt von Debussy und Ravel ebenso zum Vorbild wie Bach und Strawinsky. „Er war verrückt nach Bach, daher mischen wir Polyptyque mit Bach-Chorälen“, erzählt Jac van Steen. 

Die Choräle werden von einem Chor aus Werne gesungen, dem Verina-Ensemble. Das Orchester besteht aus jungen niederländischen Musikern, zusammengestellt von der 24-jährigen Jeanine Melis, einer Schülerin von Annemieke Corstens. „Es wird eine gemeinsame Probe mit Chor und Orchester geben, am Sonntagvormittag“, sagt Jac van Steen. Wenn sich beide gut vorbereiten, sei das kein Problem. „Das wird auch zu Bachs Zeiten so gewesen sein: Man trifft sich vor dem Konzert, probt und spielt dann, ganz unkompliziert“, wirft seine Frau ein. Das Orchester musiziert in zwei gegenläufigen Gruppen – als Stimme des Volkes, von dem ein Teil für, ein Teil gegen Jesus ist. „Jesus steht alleine zwischen ihnen, also hat die Solo-Violine, die sein Instrument ist, ihre eigene Harmonie“, erläutert Annemieke Corstens. Die Solo-Violine, das ist ihr Part. 

Persönlicher Hintergrund für die Vorliebe für Frank Martin

Es gibt noch einen persönlichen Hintergrund für die Vorliebe des Ehepaares für Frank Martin. Dieser war mit der Niederländerin Maria Boeke verheiratet. Bis zu seinem Tod lebte er mit ihr in der Gegend von Amsterdam. Vor einigen Jahren lernte Jac van Steen die Witwe kennen, als er ein Stück von Martin mit dem Stadtorchester Winterthur einstudierte. „Maria Martin wollte immer dabei sein, wenn ein Werk ihres Mannes aufgeführt wurde“, erinnert sich der Dirigent. Aus der Begegnung sei eine kurze, aber intensive Freundschaft entstanden. Vor anderthalb Jahren starb Maria Martin mit 103 Jahren. Zu ihrer Tochter hält van Steen noch Kontakt und hat sie zu der Aufführung in Werne eingeladen. „Sie kann nicht kommen, aber sie war stolz und erfreut, dass wir Polyptyque aufführen.“

Konzert-Infos: 

Zu diesem besonderen Passionskonzert mit Jac van Steen, dem ehemaligen Generalmusikdirektor der Stadt Dortmund, lädt die Stiftung Musica Sacra Westfalica amPalmsonntag, 25. März, um 17 Uhr in die Werner St. Christophorus-Kirche ein. Zu Gehör gebracht wird „Polyptyque“, ein Werk des schweizerisch-niederländischen Komponisten Frank Martin. Darin eingebettet erklingen Passionschoräle von Johann Sebastian Bach. Karten zum Preis von 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) können im Vorverkauf bei Bücher Beckmann, Tel. 25 26, erworben oder zur Abholung an der Abendkasse reserviert werden.

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