Mordprozess: Verteidigung will acht Jahre für Totschlag

WERNE/DORTMUND ▪ Die mutmaßliche Mörderin von Elsbeth B. (65) soll für maximal acht Jahre ins Gefängnis. Diese Strafe fordern nach Abschluss der eineinhalbjährigen Beweisaufnahme die beiden Kölner Verteidiger Boelsen und Klein.

Sie sind davon überzeugt, dass sich ihre Mandantin „lediglich“ wegen Totschlags schuldig gemacht habe und nicht, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet, habgierig gemordet habe. Die Anklagevertreterin hatte in ihrem Schlussvortrag ausgeführt, dass die junge Frau auf der Anklagebank aus Gewinnsucht die allein lebende Witwe auf ihrem Hof erstochen habe, um sich so in den Besitz ihres Gehöfts und ihrer Tiere zu bringen.

Die Verteidigung stellte in das Zentrum ihres Plädoyers die vielleicht schon „überzogene und übertriebene“ Tierliebe der ehemaligen Jurastudentin. Diese Leidenschaft und das Aufeinandertreffen mit der als harsch und schroff beschriebenen Elsbeth B. auf ihrem zeitweilig herunter gekommenen Hof sei der Kern der späteren Tat gewesen. In dem tödlich geendeten Streit mit der Hofbesitzerin sei es zu einem Gefühlsgemenge aus Wut, Verzweiflung und womöglich Provokation gekommen.

Auch wenn ein erfahrener Psychiater für die Tatzeit eine eingeschränkte Verantwortlichkeit ausschließt, sind die Verteidiger davon überzeugt, dass die junge Frau in einem Zustand der „Enthemmung“ auf ihr Opfer eingestochen hat.

In den Wochen vor der Tat hatte sie sich wiederholt als Kaufinteressentin und später auch als Käuferin des Gehöfts ausgegeben. Dies könne nicht verstanden werden als Hinweis auf ihre Habgier, sondern sei ein Zeichen für ihr Gespinst von Lügen, das sie im Verlaufe der Jahre immer enger aufgebaut habe. „Wir wissen ja auch gar nicht, ob sie das alles überhaupt ernst gemeint hat“ interpretierten die Verteidiger die zahlreichen Lügen und Behauptungen ihrer Mandantin.

Die Richter am Dortmunder Schwurgericht wollen am 14. Februar ein Urteil verkünden. ▪ mw

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