"Ambulant vor stationär“ funktioniert (noch)

Pflegebedarfsplan: Bis 2030 werden 2200 Pflegekräfte im Kreis Unna gebraucht

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Symbolbild

Kreis Unna - "Ambulant vor stationär“ bleibt im Kreis ein sozialpolitisches Erfolgsmodell. Inzwischen leben fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen in ihrer vertrauten Umgebung, werden dort versorgt und betreut. Doch wenn sich der Pflegepersonalnotstand ausweite, könnte dieses Lebensabend-Modell ins Wanken geraten, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises Unna.

Die beim Kreis angedockte Sozialplanung schob deshalb eine konzertierte Aktion an und nennt in dem vom Kreistag am Dienstag verabschiedeten „Pflegebedarfsplan Kreis Unna 2019“ auch wichtige Akteure. 

Vor allem Anbieter von Pflegedienstleistungen, Wohlfahrtsverbände, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Berufskollegs und Fachseminare für Altenpflege sollen - unterstützt von der Wirtschaftsförderung – zusammenarbeiten, um junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, Aussteiger zurückzuholen, ausländische Fachkräfte zu begeistern oder durch Umschulungsangebote neues Personal zu akquirieren. 

Die Herausforderung ist ebenso groß wie das arbeitsmarktpolitische Potenzial. Mindestens 2 200 zusätzliche Fachkräfte werden nach der im Pflegebedarfsplan nachzulesenden Hochrechnung bis 2030 gebraucht, wenn die als Messlatte definierte Betreuungsquote von 1:2,45 aus dem Jahr 2015 wieder erreicht werden soll. 

Damit würden dann den rund 21.050 prognostizierten Pflegebedürftigen knapp 8590 Beschäftigte gegenüberstehen. Hier die Eckdaten des Pflegebedarfsplans 2019: 

  • Bei der letzten Erhebung (2017) erhielten rund 18.670 Menschen im Kreis Leistungen aus der Pflegeversicherung. 
  • In den Pflegebetrieben wurden zum selben Zeitpunkt knapp 6780 Personen beschäftigt, davon über 50 Prozent in Teilzeit. 
  • Die Auslastung der Pflegeheime liegt bei 96 Prozent. Die Quote der für über 80-Jährige bereitzustellenden Pflegeheimplätze kann deshalb von 16 auf 14,5 Prozent gesenkt werden. 
  • Aktuell gibt es über 4030 Pflegeheimplätze, fast 330 weitere sind im Bau oder konkret geplant. 
  • Für Service-Wohnen gibt es ein Angebot von 64 Anlagen und etwas über 2060 Wohnungen, der Bedarf ist allerdings deutlich höher. 
  • Mehr als 440 Personen leben in speziellen Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige, Demenzkranke oder Beatmungspatienten. Das entspricht fast fünfeinhalb großen Pflegeheimen. 
  • Es gibt gut 380 Tagespflegeplätze. Das ist gegenüber 2017 ein Plus von über 35 Prozent. 
  • Es besteht weiter akuter Bedarf an langfristig buchbaren Kurzzeitpflegeplätzen. Allerdings fehlt noch immer eine bundeseinheitliche Finanzierungsregelung. 
  • Fast 1690 Personen mit Pflegegrad 1 erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung. Bei der früher geltenden Einstufung nach Pflegestufen hätten sie keine Leistungen erhalten.

Weitere detaillierte Informationen zur Situation im Pflegebereich finden Interessierte im Pflegebedarfsplan Kreis Unna 2019.

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