Stadtprozession

Open-Air-Gottesdienst in Freilichtbühne: Werne erfüllt fast 400 Jahre altes Gelübde

Pfarrdechant Jürgen Schäfer zieht mit Monstranz, Messdienerinnen und Messdienern durch das Rund der Freilichtbühne.
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Pfarrdechant Jürgen Schäfer zieht mit Monstranz, Messdienerinnen und Messdienern durch das Rund der Freilichtbühne.

Bei einem Open-Air-Gottesdienst in der Freilichtbühne erfülle Werne ein altes Gelübde in Form der Stadtprozession. Der Bürgermeister stellte in seiner Ansprache Pest und Corona gegenüber.

Mehr als 150 gläubige Wernerinnen und Werner plus 50 Aktive aus den Werner Schützenvereinen nahmen am Open-Air-Gottesdienst in der Freilichtbühne teil. Mit dem Dankgottesdienst erfüllen die Gläubigen aus Werne sowie Vertreter von Kirche und Stadt ein Gelübde aus dem Mittelalter. Da die Stadt Werne im Jahr 1622, zu Beginn des 30-jährigen Krieges, von den Heerscharen des Herzogs von Braunschweigs verschont blieb und vor Plünderung, Zerstörung und Tötung bewahrt wurde, wird jedes Jahr eine Stadtprozession durchgeführt.

Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie fand die Stadtprozession unter den geltenden Hygiene-und Abstands-Regeln schon zum zweiten Mal in Form eines Open-Air-Gottesdienstes in der Freilichtbühne statt. Ein Hauch von Prozession gab es zu Beginn des Gottesdienstes dann doch, als Vertreter der Kolpingfamilie, zahlreiche Schützen mit Fahnenabordnungen sowie die Geistlichen der Stadt und des Klosters unter musikalischer Begleitung des „Bläsercorps“ Werne in die Freilichtbühne einzogen.

Pfarrdechant hofft, dass das „Corona-Gespenst“ vorbeizieht

Pfarrdechant Jürgen Schäfer, der die Messe hielt, hoffte in seiner Eröffnungsansprache, dass das „Corona-Gespenst“ bald vorbei ziehe und bat: „Hoffentlich können wir bald wieder Stadt sein“. Die sinkenden Fallzahlen in Werne und im ganzen Land ließen jedenfalls hoffen, dass sich das Ereignis, welches sich im kommenden Jahr zum 400. Mal jährt, dann wieder als richtige Stadtprozession durchgeführt werden kann.

Bürgermeister Lothar Christ, der zum Ende des Gottesdienstes das Wort an die Gläubigen richtete, blickte in seiner Ansprache in die Vergangenheit und fragte sich nun schon des Öfteren, was die Menschen damals und heute bewegte. Er beschrieb die „Pest“, die um das Jahr 1637 auch in Werne grassierte, fast ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte und nahezu 400 Todesopfer forderte, als weitaus schlimmeres Übel.

Auswirkungen der Pest waren deutlich schlimmer

„So schlimm die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind, so sind sie nicht gleichzusetzen mit den Auswirkungen der Pest damals. Die Menschen wussten damals nicht, womit sie es bei der Pest genau zu tun hatten. Anders als damals wissen die Menschen heute, was sie tun können, angefangen von Hygiene-Maßnahmen über Abstandsregeln bis hin zu Impfungen“, so das Stadtoberhaupt.

Erstmals durfte bei einem Gottesdienst im Freien auch wieder gesungen werden. Man hatte den Eindruck, die Gottesdienstteilnehmer nahmen diese Möglichkeit, mit einem Mund-Nasenschutz zu singen, lautstark wahr. Zum Abschluss segnete Pfarrdechant Jürgen Schäfer die Gläubigen und zog mit der „Monstranz“, einem goldenen, liturgischen Schaugerät, in dem eine Hostie zur Verehrung und Anbetung feierlich gezeigt wird, durch die Bühne.

Mit dem Abschluss des Gottesdienstes war das Gelübde jedoch noch nicht erfüllt. Zum diesem gehört auch das Mittags-Geläut der Kirchenglocken. Nach dem Gottesdienst gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei hohen Temperaturen im Rund der Bühne ausharrten, Erfrischungsgetränke. Die Kollekte des Gottesdienstes kam der Freilichtbühne zu Gute. - von Bernd Warnecke

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