Werne rockt gegen Rechts und Rassismus

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Rockmusik und Informationsstände machten beim Open-Air-Festival auf dem THW-Gelände auf die Gefahren des Rassismus aufmerksam. - Fotos: Malaschewski

WERNE - Das Open-Air Konzert „Rock gegen Rassismus“ auf dem THW-Gelände machte am Samstag lautstark darauf aufmerksam, dass Rassismus immer noch ein Bestandteil unserer Gesellschaft ist und viele Gesichter hat.

Veranstaltet wurde das Festival vom Jugend- und Kulturamt der Stadt Werne sowie der Stadtschülervertretung, dem Stadtjugendring und den Jugendzentren in Kooperation mit dem THW. Unter anderem war die deutsche Punkrock-Band „Montreal“ aus Hamburg, gekommen, die 2010 eine „Schule ohne Rassismus“-Patenschaft für das Frankenwald-Gymnasium in Kronach übernommen hat. Newcomer wie „Stereobeat“, „Shit in Your Face“, und „Lucid Acid“ brachten mit sattem Gitarrensound und rauem Gesang die Besucher zum tanzen, machten immer wieder auf das Thema „Rassismus“ aufmerksam und wiesen auf die umliegenden Informationsstände hin. Auch lokale Bands aus Werne, Kamen und Bergkamen, die in der Vergangenheit im Jugendzentrum aufgetreten sind, waren dabei. Dazu gehören „Mucky Feet“, „Shirker“ und „Awesome Scampis“, die als einzige Band Ska-Punk mit Ohrwurmfaktor spielte.

Rassismus fängt im Sprachgebrauch an

Wolfgang Kayser, Lehrer am Freiherr-vom-Stein Berufskolleg, das seit einem Jahr Schule ohne Rassismus ist, erläuterte am Infostand, dass sich Rassismus unter Jugendlichen bereits im Sprachgebrauch wiederspiegele. Begriffe wie „Du Jude“ würden verwendet, um eine andere Person zu diskriminieren. „Wir wollen ein vernünftiges, gemeinsames Lernklima ohne Ressentiments schaffen, sodass Schüler ihren Abschluss in einer angenehmen Atmosphäre erreichen“, sagte Kayser. Am Stand nebenan stand Stefan Grotefels, Mitglied der Stadtschülervertretung und Schüler des St. Christophorus-Gymnasiums.

Bei einer Bilderaktion wurden die Besucher gebeten, sich selbst zu zeichnen und das Bild auf eine Pappwand zu kleben. „Wir sagen NEIN zum Rassismus“ war das Motto. Die Fotowand soll nach dem Konzert ausgestellt werden. Auch Grotefels sieht das Problem des Rassismus bereits im Sprachgebrauch. Vorurteile gegenüber Menschen und Menschengruppen würden, ohne darüber nachzudenken, übernommen. Er sieht auch ein Problem in der Formulierung des Grundgesetzes, in dem steht, dass niemand aufgrund seiner Rasse diskriminiert werden darf. „Besser wäre es zu sagen, dass niemand rassistisch diskriminiert werden darf“, meint Grotefels.

Schulsozialarbeiter Andreas Burczyk steht hinter der frühen Aufklärung, was Rassismus eigentlich ist. „Rassismus ist simpel. Wenn ich mich selbst nicht gut finde, muss ich einen finden, der Schuld ist“, so Burczyk. Die Botschaft des „Rock gegen Rassismus“ sei, genauer hinzuschauen und den Mund aufzumachen, wenn man etwas nicht in Ordnung findet. So haben sich es die Mitglieder des „Noborderbündnisses“, einer eigenständigen Jugendorganisation, die mit Lünen und Werne vernetzt ist, zur Aufgabe gemacht, Rassismus in der Gesellschaft zu identifizieren und an die Öffentlichkeit zu bringen. Am 20. Juli wollen sie sich um 11.30 Uhr am Hauptbahnhof in Hamm zu einer Demonstration gegen „Die Rechte“ aufstellen.

„Unser Ziel ist es, dass alle Schulen in Werne eine Schule ohne Rassismus werden“, sagte Dagmar Reuter vom Jugendamt. Für dieses Zertifikat müssten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, wie beispielsweise die Durchführung regelmäßiger Projekttage zum Thema, sowie ein bis zwei Mal im Jahr Veranstaltungen über die Problematik Rassismus und Mobbing. Reuter freute sich über die gute Zusammenarbeit und die zahlreichen Spenden, die eingegangen waren, um die Veranstaltung umzusetzen. Sie wies darauf hin, dass die drei Euro Eintritt für die Organisation des Konzertes im nächsten Jahr verwendet werden. - bm

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