Hannelore Kraft zu Besuch / mit Video

Bewegende Momente mit 101-jähriger Marga Spiegel

[UPDATE 16.15 Uhr] WERNE - Er ist der bewegendste Moment eines gelungenen Festaktes: Geleitet von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bürgermeister Lothar Christ schreitet Marga Spiegel ins festlich geschmückte Foyer des Schulzentrums.

Der Festakt im Video

250 geladene Gäste applaudieren minutenlang, stehend, als die Holocaust-Überlebende und Namensgeberin von Wernes Sekundarschule zu ihrem Ehrenplatz geführt wird. Auch in den Reden zur Einweihung des Gebäudes am Donnerstagmorgen kommt immer wieder Achtung vor der Person Spiegels und der mit ihr verbundenen Geschichte zum Ausdruck.

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"Sieht aber nett hier aus." Mit diesen Worten hatte Landesmutter Kraft das Schulzentrum schon eine Stunde zuvor betreten und alle paar Meter kräftig Hände geschüttelt, Smalltalk gehalten. Pünktlich um 8.58 Uhr war sie vorgefahren. Der Begrüßung durch Christ und Landrat Michael Makiolla sowie einem Gruppenbild mit Genossen folgten kurze Interviews mit Medienvertretern. Marga Spiegel müsse Vorbild für die junge Generation sein, und sie sei es auch, unterstrich Kraft dabei. Als Zeitzeugin helfe sie, die Erinnerung an den Nationalsozialismus lebendig zu halten, damit eine "gute Zukunft" möglich sei.

In ihrem späteren Grußwort gratulierte Kraft der Stadt Werne zu deren preisgekröntem Schulzentrum, das in seiner Gestaltung beispielgebend fürs Land sei. "Ich wünsche Ihnen, dass das Klima an der Schule immer so ist, wie ich es heute spüren kann." Kraft vergaß nicht, die 234 000 Euro Landesförderung für die Wärmerückgewinnung im 15-Millionen-Euro-Bau zu erwähnen und warb für die Idee des längeren gemeinsamen Lernens. 142 neue Sekundar- und Gesamtschulen in NRW binnen zwei Jahren seien ein deutliches Zeichen, dass dies von den Menschen gewollt werde. Sie sei der CDU dankbar, dass sie diesen Weg im Schulkonsens mitgegangen sei.

Der Festakt hatte begonnen mit einem umgetexteten Tote-Hosen-Lied. "An Schulen wie diesen, ist man stolz dabei zu sein ...", sangen Spiegel-Schüler im Refrain. Bürgermeister Christ griff den Gedanken auf und führte aus, dass Schule heutzutage nicht nur Lern-, sondern auch Lebenswelt sei. Mit einem "innovativen Konzept" sei es gelungen, drei Schulen unter einem Dach zu vereinen, wobei die Verantwortungsträger Weitsicht gezeigt hätten, weil die Entscheidung zum Bau des Schulzentrums schon vor dem Beschluss zur Gründung der Sekundarschule gefallen sei.

Für den Schulausschuss konstatierte Vorsitzender Benedikt Striepens, dass keine ideologischen, sondern "Entscheidungen für Werne" getroffen worden seien.

Nach dem Eintrag der beiden Ehrengäste ins Goldene Buch der Stadt erhielt Marga Spiegel einen dicken Blumenstrauß -- überreicht von Leonie Sickmann, der Enkeltochter jenes Ehepaares aus Werne, bei der die mittlerweile 101-jährige Spiegel in der NS-Zeit Zuflucht gefunden hat. "Hier schließt sich ein Kreis", sagte Schuldezernentin Elke Kappen mit Blick auch darauf, dass Leonie heute Marga-Spiegel-Schülerin ist.

Kappen führte am Donnerstag charmant und humorvoll durchs Programm. Ebenso amüsant geriet ein imaginäres Telefonat mit Berlins Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn, das Realschul-Leiterin Ursula Jahn-Gilles und Sekundarschul-Leiter Hubertus Steiner auf der Bühne führten. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie sprachen sie dabei auch die kleinen und größeren Probleme in der "Schulzentrums-WG" an. Mit Mehdorn tauschen, wie dieser vorschlug, wollte aber niemand -- auch wenn mancher Passagier respektive Schüler einer besonderer Behandlung bedürfe und nicht immer klar sei, wer denn nun die Spülmaschine ausräume.

Von einem gelingenden Miteinander im Schulzentrum war auf Seiten der Klassensprecherinnen zu hören. "Das Warten auf die neue Schule hat sich gelohnt", sagte Louisa Abdinghoff von der Realschule, deren Schüler vor Fertigstellung in Containern unterrichtet worden waren. "Wir verstehen uns besser als erhofft und erwartet", betonte Helena Trillmann von der Hauptschule.

Der Festakt, dem Kraft bis 10.17 Uhr beiwohnte, wurde von der Musik-AG der Real-, vom Blockflötenensemble der Sekundar- und von der Schulband der Hauptschule mitgestaltet. Architekt Michael Schroeder erläuterte am Ende seine Gestaltungsideen fürs Gebäude, die beiden Geistlichen Jürgen Schäfer (St. Christophorus) und Alexander Meese (Ev. Kirchengemeinde) segneten es, nicht ohne auf die Namensgebung der Sekundarschule einzugehen. Das Leben und die Rettung Spiegels zeigten, dass es selbst in Zeiten millionenfacher Tode Lichtblicke gebe, dass Menschen auch noch im Chaos menschlich bleiben könnten.

Marga Spiegel ging beim Festakt nicht ans Mikrofon, ließ in ihren Gesprächen aber wissen, dass es ihr eine große Ehre sei, Namensgeberin für die Sekundarschule zu sein. Am Donnerstag gab es noch für eine weitere Person stehenden Applaus: für Hausmeister Willi Wittkamp. Zudem erhielt er einen neuen Kittel geschenkt -- die Aufschrift: "Boss". - am

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