Premiere am 22. September

Schauspieler proben Rundgang durchs "mittelalterliche" Werne

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Ein Mob beschimpft zwei Frauen in der Schandgeige: Die dem Mittelalter nachempfundene Szene ist Teil der neuen Stadtführung.

Werne – Über den Kirchplatz schallen wüste Beschimpfungen. „Miststücke“ und „Schandmäuler“, skandiert eine Menschengruppe. Vor ihr hocken zwei Frauen, deren Köpfe und Hände in eine Schandgeige geklemmt wurden. Auch diese beiden hauen sich Beleidigung um die Ohren.

Die Proben für eine neue Stadtführung des Verkehrsvereins sind im vollen Gange – eine Stadtführung, bei der Schauspieler alltägliche Szenen aus der Geschichte Wernes darstellen. Situationen wie jenes Wortgefecht zwischen den Frauen in der Schandgeige haben zwar keine exakte historische Vorlage. „Aber so könnte es gewesen sein“, sagt Gottfried Forstmann. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins hat das Stück für die Stadtführung geschrieben. Geboren wurde die Idee innerhalb des Vereins „Theater für alle“. 

Über die Vorstandsspitze des Verkehrsvereins sind beide Vereine eng verbunden: Gottfried Forstmann und die Geschäftsführerin Marita Gräve riefen „Theater für alle“ vor einigen Jahren ins Leben, um im Luther-Jahr 2017 ein Stadtspiel mit Werner Bürgerinnen und Bürgern auf die Beine zu stellen. Ein weiteres Stadtspiel ist angedacht. 

"Einige heiß aufs Theaterspielen" 

„Aber wir müssen den Interessierten auch zwischendurch etwas anbieten“, sagt Forstmann. Marita Gräve ergänzt: „Einige sind seit dem Lutherstück ziemlich heiß aufs Theaterspielen.“ Das zeigte sich bei der Probe am Montagabend, als die Amateur-Darsteller den Regieanweisungen von Gräve und Forstmann folgten, während Böen und Schauer über den Kirchplatz fegten. 

Gottfried Forstmann erklärt zwei Darstellern, wie sie ihre Rollen am wirkungsvollsten anlegen können.

„Mach an der Stelle eine Pause und zieh das nächste Wort in die Länge“, erklärte Forstmann einem „Ratsherrn“ und demonstrierte mit rollender Stimme und drohendem Crescendo, was er hören wollte. Er und Gräve wissen, wie sie Amateure anleiten: Fast 30 Jahre lang haben die beiden die Stücke der Werner Freilichtbühne inszeniert. „Unsere Darsteller machen das alle sehr gut und lassen sich darauf ein, in der Öffentlichkeit zu proben“, sagt Forstmann. 

Geprobt wird einmal die Woche

An die 30 Leute spielen bei der szenischen Stadtführung mit; fast alle haben bereits beim Luther-Stadtspiel 2017 Erfahrungen gesammelt. Geprobt wird derzeit einmal die Woche. Doch im Vorfeld der Aufführung am Sonntag, 22. September, werden die Proben intensiviert. Einen festen Spielort wird es nicht geben. Die historischen Szenen sind eingebunden in einen Rundgang mit dem Stadtsekretarius. In dessen Kostüm steckt wie gewohnt die ehemalige Museumsleiterin und stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsvereins, Heidelore Fertig-Möller. 

Während sie mit ihrer Gruppe durch Werne geht, werden ihnen unterschiedliche Figuren der Stadtgeschichte begegnen. „Am Steinhaus zum Beispiel treffen wir auf den Gründer der Firma Moormann“, erklärt Forstmann. Außerdem werden die Teilnehmer den Weg von zwei Einwohnerinnen kreuzen, die mit Körben zu den Waschplätzen an der Horne gehen. Da diese außerhalb der Stadtmauern liegen, ermahnt sie der Sekretarius, rechtzeitig vor Schließung der Tore heimzukehren. 

Diebstahl am Roggenmarkt nachgestellt

Längere Szenen gibt es auf dem Marktplatz, vor dem Kapuzinerkloster und auf dem Roggenmarkt. „Auf dem Markt werden die beiden Schandweiber beschimpft“, kündigt Forstmann an. „Die Schandgeige war eine Ehrenstrafe, die Frauen stecken darin, weil sie über andere gelästert haben“, erklärt Gräve. Am Kloster laden Darsteller in Ordenstracht die Teilnehmer zum Singen und Beten ein. Und auf dem Roggenmarkt wird eine Marktszene nachgestellt. „Verkäufer werden ihre Waren anpreisen und es wird eine Geschichte um einen Jungen geben, der beim Klauen erwischt wird“, sagt Forstmann. 

Da diese Art der Stadtführung mit sehr viel Aufwand verbunden ist, gibt es in diesem Jahr nur den einen Termin am 22. September. „2020 machen wir eventuell zwei Termine, je nachdem, wie es anläuft“, so Forstmann. Fest steht, wie die diesjährige Tour endet: Ein Bote der Firma Moormann wird auf dem Roggenmarkt erscheinen und allen Teilnehmern einen Korn kredenzen.

Kartenverkauf ab 2.9.

Die erste szenische Stadtführung des Verkehrsvereins findet statt am Sonntag, 22. September. Treffpunkt ist um 18 Uhr auf dem Marktplatz. Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 begrenzt. Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro gibt es ab 2. September in den Räumen des Verkehrsvereins Werne, Roggenmarkt 13 (montags und donnerstags 15 bis 17 Uhr; dienstags und freitags 10 bis 12 Uhr, mittwochs geschlossen).

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