Nicht öffentliche Gottesdienste werden im Internet gezeigt

Offene Kirchen, Gottesdienste im Internet: Neue Wege für das Gemeindeleben

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Die Kirchengemeinde St. Christophorus öffnet ihre Gebetshäuser täglich fürs stille, private Gebet.

Bergkamen/Werne – Das Coronavirus ändert auch das Leben in den Gemeinden. Egal ob evangelisch oder katholisch – die Kirchengemeinden wollen weiterhin Gemeinschaft ermöglichen und ein Ort für Glauben und Hilfe sein. Dafür sind neue Wege erforderlich, denn Gottesdienste in der gewohnten Form dürfen nicht mehr durchgeführt werden.

„Wir sind alle zu einer großen Solidarität herausgefordert, die bedeutet, dass wir einander Nähe zeigen, indem wir Distanz halten“, beschreibt Felix Genn, Bischof von Münster, die aktuelle Situation in einem offenen Brief an die Gläubigen im Bistum Münster, zu dem auch Werne gehört.

Die Katholische Kirchengemeinde St. Christophorus bietet ab sofort einen besonderen Service an. „Vielen Menschen ist es wichtig, an der Liturgie ihrer Pfarrgemeinde teilzunehmen. Daher wird jetzt jeden Morgen um 8.45 Uhr eine private Messe aus der Sakramentskapelle übertragen“, erklärt Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Die erste Live-Übertragung, die mit Unterstützung der zum Jugendrat gehörenden Gruppe Momentum realisiert wird, ist am Donnerstag gesendet worden. Den Link dazu und zu den neuen Übertragungen finden Interessenten auf der Homepage der Kirchengemeinde www.christophorus-werne.de.

Meditative Musik und Möglichkeit für ein stilles Gebet

Die Kirchengemeinde öffnet des Weiteren ihre drei Gotteshäuser (St. Christophorus, St. Johannes und St. Sophia) täglich von 8 bis 18 Uhr (Sonntags ab 10 Uhr) durchgehend als Möglichkeit für ein stilles Gebet. Die Marienkapelle Horst ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. In St. Christophorus wird meditative Musik gespielt; hier ist zudem die Marienstatue „Mutter in der Kümmernis“ aufgestellt worden, die sonst in der Steele außerhalb der Kirche steht. 

In der Kirche St. Christophorus ist die Maria-Figur „Mutter in der Kümmernis“ aufgestellt worden. Die Kirchengemeinde überträgt jetzt täglich Messen im Internet.

„In den letzten Tagen hat die Zahl der Menschen zugenommen, die in die Kirche kommen und sich die Zeit für ein Gebet nehmen“, hat Schäfer festgestellt. Keine Eucharistiefeiern und Veranstaltungen finden in Werne auch im Kapuzinerkloster an der Südmauer statt. Für stille Gebete ist die Kirche jedoch geöffnet.

Kontakt zu Gemeindemitgliedern nicht verlieren

Die Evangelische Friedenskirchengemeinde in Bergkamen hält Auferstehungskirche, Friedenskirche und Thomaskirche täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Gemeinde ist überdies dabei, eine Telefonliste von Menschen zu erstellen, die gerne telefonieren oder angerufen werden. Ziel ist es, die Gemeinde dadurch in Kontakt zu halten. Namen und Telefonnummern nimmt Pfarrer Frank Hielscher (Telefon 02307/984196) an, der Liste pflegt und dann Kontakte vermittelt. „Bisher ist die Anzahl der Menschen, die andere anrufen möchten, noch deutlich größer“, sagte Hielscher am Donnerstag auf Anfrage.

Diese ungewöhnlichen Wege werden vom Evangelischen Kirchenkreis Unna gern gesehen. Andreas Müller, stellvertretender Superintendent, ermutigt in einem Rundschreiben an die Pfarrer genau dazu: „Wir sind gefragt, was unser Auftrag in dieser Situation ist. Wo werden wir gebraucht und wozu sind wir jetzt berufen? Als Seelsorgende, die hören, trösten und Mut machen. Als helfende Hände, die da sind, wo sie gebraucht werden. Ich bin überzeugt, Gottes Geist lässt vielerorts Ideen und Initiativen entstehen.“

Impulstexte und Gebete im Internet

Dem Bedürfnis nach Gebet und Zuspruch kommt auch die Evangelische Kirchengemeinde Werne nach. Gemeindemitglieder sind eingeladen, mit immer wieder wechselnden Impulstexten und Gebeten, die im Internet unter www.evangelisch-in-werne.de abrufbar sind und in der Martin-Luther-Kirche von 9 bis 11 Uhr sowie im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum von 18 bis 20 Uhr ausliegen, eine kleine persönliche Andacht zu feiern. Interessenten, die keinen Zugang zum Internet haben und nicht persönlich in den Kirchen vorbeischauen können, können sich mit dem Gemeindebüro, Telefon 02389/3333, in Verbindung setzen, um eine Zusendung zu ermöglichen.

Neben Gottesdiensten fallen bis mindestens nach den Osterferien auch Taufen aus. Konfirmationen werden vielerorts voraussichtlich verschoben. Dies steht für die Konfirmationen bei der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Oberaden und Rünthe bereits fest. Um den Eltern genügend Zeit für die Neuorganisierung der dazugehörigen Feiern zu geben, finden die Konfirmationen hier erst nach den Sommerferien statt. In unserem NRW-Ticker informieren wir über die aktuelle Ausbreitung des Coronavirus, über Beschlüsse und Entwicklung.

Kurze Gottesdienste online

Um mit den Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben, hat die Gemeinde verschiedene Ideen. Schon ab dem Wochenende soll es über die Homepage www.ev-martin-luther-kirchengemeinde-bergkamen.de die Möglichkeit geben, kleine Andachten zu sehen. Geplant ist, dass jeweils sonntags und zu den für die kommenden Donnerstage ursprünglich geplanten Passionsandachten kurze Gottesdienste online gestellt werden. Erstmals bewegt sich die Gemeinde auch in Richtung des Konzepts „offene Kirchen“. 

Ab sofort öffnen die Martin-Luther-Kirche und die Christuskirche sonntags von 17 bis 19 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr. Unter dem Motto „Wir halten zusammen“ wird dazu ein Service für Senioren vorbereitet, die Hilfe beim Einkaufen benötigen. Koordinatoren sind für Anfragen aus Rünthe Jugendreferent Jürgen Jauer (0151/43157301) und in Oberaden die Jugend-Mitarbeiter Nele Krabs und Tom Reinecke (0151/43157302).

Die Corona-Krise macht vor den Kirchentüren nicht Halt. Gruppentreffen und Veranstaltungen sind abgesagt, mittlerweile gilt dies auch für Gottesdienste. Zum vorerst letzten Mal hat am Sonntag auch in der St. Elisabeth Kirche in Bergkamen ein Gottesdienst stattgefunden.

Auch das Pastoralteam und der Vorstand des Vermögensverwaltungsrates der Kirchengemeinde Heilig Geist Bergkamen hat entschieden, bis auf Weiteres keine öffentlichen Gottesdienste mehr zu feiern. In Kürze soll aber auch hier Gelegenheit bestehen, eine Sonntagsmesse auf der Homepage www.katholische-kirche-in-bergkamen.de mitzufeiern. Trauungen und Taufen können beim Pastoralverbund aktuell nur im kleinsten Kreis durchgeführt werden. Das heißt bei einer Taufe mit den Eltern und den Paten und bei einer Trauung mit dem Brautpaar und zwei Zeugen. Erstkommunionfeiern werden in die zweite Jahreshälfte verschoben.

Aktuell ist nur noch das Pfarrbüro an der Elisabeth-Kirche in der Parkstraße besetzt. Der Kontakt sollte nur per Telefon (02307/87011) oder E-Mail (pfarrbuero@pastoralverbund-bergkamen.de) geschehen.

DITIB in Bergkamen ohne Freitagsgebet

Um den Kampf gegen das Virus zu unterstützen, wird in allen DITIB Gemeinden in Deutschland seit einer Woche das Freitagsgebet ausgesetzt. Gleich vier Ortsgemeinden hat die sunnitisch-islamische Organisation in Bergkamen. Normalerweise kommen zum Freitagsgebet allein in die Moschee in Bergkamen-Mitte rund 200 Personen.

Das ist auf unbestimmte Zeit nicht mehr möglich. Alternativ können Gläubige ein Mittagsgebet durchführen. Die Resonanz darauf ist deutlich geringer. „Es kommen etwa 95 Prozent weniger Menschen als sonst“, sagt der Vorsitzende der Gemeinde, Suleyman Battal.

Abstand beim Gebet

Alle Gemeinden weisen darauf hin, dass Besucher, die die Möglichkeit des Gebets in den Kirchen nutzen wollen, ausreichend Abstand zu anderen Gästen halten sollten. Besucher, die sie sich krank fühlen oder zu einer Risikogruppe gehören, sollten zu Hause bleiben. Überdies sind alle Pfarrer telefonisch zu erreichen.

Von Donnerstagabend bis Gründonnerstag (9. April) laden die evangelischen und katholischen Kirchen mit einem fünfminütigen Glockengeläut um 19.30 Uhr zu einem Moment des Innehaltens ein.

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