Sieben neue Stolpersteine

Politisch verfolgt und getötet: Für diese Werner kommen neue Stolpersteine

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Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sind in Werne bereits 40 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt worden. Mit der neuerlichen Aktion am 23. Mai ab 9 Uhr wird an weitere Werner Juden und erstmals auch an politisch Verfolgte erinnert. Die Gedenksteine sind mit Messingtafeln versehen, auf denen unter anderem der Name des Opfers steht, sein Geburtsjahr und sein Todestag.

Werne - In Werne erinnern 40 Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus. Am Donnerstag, 23. Mai, kommen sieben weitere hinzu. Erstmals wird auch politisch Verfolgten gedacht, die in Haft gestorben sind oder getötet wurden.

An der Aktion „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig beteiligt sich die Stadt seit 2006. Ein Dauer-Aushang im Museumsschaukasten zwischen Horne-Center und Christophorus-Kirche zeigt, wo die Gedenksteine in den Boden eingelassen wurden und welchen jüdischen Mitbürgern sie gewidmet sind. 

Anstoß zur neuerlichen Verlegung gaben Nachforschungen des Grünen-Ratsherrn und Historikers Josef Börste. Über seine Fraktion hatte er bereits im Frühjahr 2017 den Vorschlag unterbreitet, an weitere Opfer zu erinnern. 

Für vier Werner Juden und drei politisch Verfolgte

Erst jetzt kam ein Termin mit dem Künstler Demnig zustande, der eigens für die Verlegung anreist. Auf den sieben neuen Stolpersteinen stehen die Namen von vier Werner Juden und drei politisch Verfolgten: 

  • Ludwig Bode: Der 1879 geborene Ratsherr der SPD engagierte sich im Widerstand. Seine Spur verliert sich 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Der letzte frei gewählte Wohnsitz war Bonenstraße 25; dort wird der Stolperstein platziert. 
  • Herz Simons: 1864 geboren, starb er am 15. April 1933. „Gedemütigt / entrechtet“, heißt es auf dem Stolperstein (Roggenmarkt 17). 
  • Anton Beckmann: Er kam im Juli 1944 wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ ins Gefängnis nach Arnsberg und erlitt dort am 7. März 1945 den Hungertod. Geboren wurde er 1880 (Burgstraße 6). 
  • Siegmund Salomon/Philipp Salomon: Die beiden Männer waren Geschwister. Siegmund Salomon, geboren 1855, starb am 14. Mai 1938, sein jüngerer Bruder (Jahrgang 1861) bereits am 28. Februar 1933 (Burgstraße 15, frühere Metzgerei). 
  • Isaak Simons: Er musste Werne in Richtung Ahlen verlassen, wo er am 27. Dezember 1938 starb. Geboren wurde er 1857 (Steinstraße 40). 
  • August Klosterschulte: 1870 geboren, wurde er wegen seiner antifaschistischen Haltung im KZ Sachsenhausen zu Tode gequält. Sein Todesdatum ist der 14. Januar 1940 (Varnhöveler Straße 41). 

Die Verlegung der Stolpersteine beginnt um 9 Uhr an der Bonenstraße 25. In der Folge werden Roggenmarkt sowie Burg- und Steinstraße aufgesucht. In Privat-Pkw geht es am Ende zur Varnhöveler Straße.

Eingebunden in die Stolperstein-Aktion am 23. Mai sind Mitglieder der Schüler-AG „Schule ohne Rassismus“ am Anne-Frank-Gymnasium. Sie werden über die sieben NS-Opfer und ihre Schicksale berichten. 

Nachfahren der Opfer nehmen teil

In Verbindung mit der Werner Ortsgruppe von Amnesty International werden darüber hinaus Menschen vorgestellt, die auch heute noch aus politischen Gründen in Haft sitzen. 

Laut der Museumsleiterin nehmen auch Nachfahren von Anton Beckmann sowie Enkel von Ludwig Bode an der Verlegung der Stolpersteine teil. 

Für die Kosten zur Verlegung der Stolpersteine (120 Euro pro Stück) kommt nach Auskunft Döhrers Michael Zurhorst auf, Ratsherr der CDU. Er habe sich als Erster gemeldet, später seien aber noch etliche weitere Anfragen eingegangen. 

Im Schaukasten des Stadtmuseums ist genau aufgeführt, wo bislang welche Gedenksteine verlegt wurden und wem sie gewidmet sind.


Die Museumsleiterin, die ihren Job vor drei Jahren antrat, zeigt sich von der Kultur des Erinnerns in Werne beeindruckt. „Das gibt es nicht in allen Städten.“ Die Stolpersteine würden zwar vielfach kritisiert, weil man mit Füßen auf sie trete. Sie lenkten aber den Blick in die Vergangenheit. Die Aufarbeitung der NS-Zeit lehre unter anderem, dass Frieden alles andere als selbstverständlich sei.

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