Zweites Gleis muss auf den Prüfstand

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Ein Gleis – für mehr hat es seit Eröffnung der Bahnlinie 1928 nicht gereicht. Ob sich Lokführern, hier der Eurobahn, und Passagieren je eine andere Perspektive bietet, ist ungewiss.

WERNE/BERLIN - Der Bau des zweiten Gleises auf der hiesigen Bahnstrecke Lünen-Münster wird vom Bundesverkehrsministerium noch einmal auf den Prüfstand gestellt.

Bevor sich das Haus von Minister Alexander Dobrindt (CSU) an die Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 2015 macht, wird es für dieses Vorhaben, wie für alle noch nicht begonnenen Streckenausbauten, ein neukonzipiertes Bewertungsverfahren geben. Es soll in diesem Frühjahr anlaufen – und bezieht als Alternative eine Stärkung des Verkehrskorridors Münster-Hamm-Dortmund ein.

Das hat eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Berlin auf Anfrage des WA mitgeteilt. Ausgangspunkt ist, dass der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Schmeltzer, noch ohne offizielle Bestätigung, in einer Pressemitteilung Alarm geschlagen hatte: Die vom Land vorgeschossenen fünf Millionen Euro für die Planung des zweiten Gleises drohten verloren zu gehen, falls der Bund auf die von der Bahn ins Gespräch gebrachte Streckenalternative umschwenke. Zuletzt maß eine Studie des Umweltbundesamtes zur Entwicklung des Schienengüterverkehrs der Verbindung via Werne keine Bedeutung bei.

Was lokal gern übersehen wird: Wesentlich in der Bewertung ist der Nutzen für den Fernverkehr. Die Verbesserungen im Nahverkehr, der Werne und die anderen Streckenanrainer vorrangig interessiert, stellt in der Betrachtung des Bundes nur einen Aspekt dar. Erst recht in der vor einem Jahr plötzlich ins Gespräch gebrachten EU-Förderung. Darin spielt die hiesige Strecke offenbar schon keine Rolle mehr – ein Verkehrskorridor von den Benelux-Staaten zum Baltikum via Hamm aber schon.

Diese Alternative Hamm ist auch Bestandteil der Verkehrsprognose 2030, wie das Bundesministerium nun bestätigt. Das Papier der Bahn bilde die Grundlage für ein neukonzipiertes Bewertungsverfahren, das der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplanes ‘15 vorrausgehe. Neben dem Nutzen-Kosten-Verhältnis seien dabei „maßgeblich auch netzkonzeptionelle, raumordnerische, städtebauliche und ökologische Aspekte einzubeziehen“.

In einer früheren Überprüfung des Bundes hat sich die Wirtschaftlichkeit des mit gut 400 Millionen Euro veranschlagten Vorhabens knapp bestätigt. Das zweite Gleis wird seit Jahren mit vordringlichem Bedarf in der Planung der Bundesschienenwege geführt, ohne das je die Finanzierung konkretisiert wurde. Die Vorentwurfsplanung ist indes mit den Geldern des Landes NRW abgeschlossen.

Dass nun alternativ ein Untersuchungsraum Dortmund-Hamm-Münster betrachtet werde, bedeute noch keine Vorfestlegung für den Bau neuer Trassen, heißt es aus dem Bundesministerium weiter. Und: Der Vorgang „verdeutlicht die Korridorbetrachtung im Schienennetz, die grundsätzlich Streckenalternativen ermöglicht.“

Über Zwischenergebnisse würden die Länder regelmäßig informiert, so die Sprecherin. Der Abgeordnete und SPD-Fraktionsvize im Landtag, Rainer Schmeltzer beklagt, wie berichtet, das Gegenteil und verweist auf eine wohl noch unbeantwortete Anfrage von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek beim Kollegen Dobrindt von Mitte Dezember. - bkr/jf

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