Diskussion über Nahversorgungszentrum am Bahnhof

Neubau des Aldi-Marktes gefährdet den Baumbestand

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Der Baumbestand könnte durch den Neubau des Aldi-Marktes in Mitleidenschaft gezogen werden.

Werne - Wer den Aldi-Neubau und die Ansiedlung von Edeka am Bahnhof will, muss Schäden am alten Baumbestand hinnehmen. Diese bittere Pille musste der Stadtentwicklungsausschuss in seiner Sitzung am Dienstag schlucken. Projektentwickler Martin Kehle von der BFI Immobilienverwaltung GmbH machte den Politikern deutlich, dass es keine Möglichkeit gibt, das Vorhaben umzusetzen und gleichzeitig die prägenden Bäume zu schonen. „Es wird nicht ohne Beeinträchtigungen gehen“, sagte Kehle.

Der Investor hatte in der vorangegangenen Sitzung des Ausschusses den Auftrag erhalten, die Planung für den Neubau so anzupassen, dass genügend Abstand zu den Bäumen an der Böschung bleibt. Kehle stellte am Dienstag verschiedene Varianten vor, die aber aus seiner Sicht nicht realisierbar seien: Bei den Alternativen blieben zu wenig Parkplätze übrig und der Festplatz für die Lütkeheider Schützen falle weg, außerdem fänden sie keine Akzeptanz bei Aldi und Edeka. Deshalb komme nur die zuerst vorgestellte Planung infrage, nämlich den neuen Aldi-Markt möglichst nah an die Böschung zum Bahnhof zu rücken. „Wir können nur versuchen, die Bäume beim Bauen so wenig wie möglich zu schädigen“, sagte Kehle. 

Viele Bäume sind nicht gesund 

Dass es um die mächtigen Roteichen im Bereich des Bahnhofs ohnehin nicht so gut bestellt ist, haben die Gutachter Dieter Grunewald und Thomas Ludwig festgestellt. Sie sind bereits seit Jahren im Zuge der Verkehrssicherung von der Stadt Werne mit der ständigen Kontrolle dieser Bäume beauftragt. „Wir kennen den Bestand sehr gut“, sagte Grunewald. Insgesamt stehen im Bereich des Bahnhofs 45 Roteichen, elf davon sind von der Baumaßnahme betroffen. Und diese elf wurden einer genaueren Betrachtung unterzogen, die für die Ausschussmitglieder ernüchternd ausfiel. Denn nur drei der Bäume seien in einem guten Zustand, alle anderen wiesen deutliche Vitalitätsschäden und teilweise Pilzbefall auf, sagte Ludwig. In fünf bis zehn Jahren müssten sie nach den derzeitigen Berechnungen ohnehin ersetzt werden. 

Ursache für die Schäden seien nicht zuletzt Baumaßnahmen der Vergangenheit. So seien Kantensteine gesetzt worden, die die Wurzelbildung behindern, außerdem seien Böschungen an den Stämmen angeschüttet worden. Sollte das Gebäude nah herangerückt werden, würden die Wurzeln weiter beschädigt, sagte Ludwig. Außerdem müssten Kronen erheblich beschnitten werden, um Platz für die Maschinen zu schaffen, die die Spundwände in den Boden treiben. Thomas Ludwig regte in Anbetracht der ohnehin begrenzten Lebenserwartung des Bestandes an, über Neuanpflanzungen nachzudenken. „Es ist sinnvoll, Bäume für die Zukunft zu pflanzen“, so der Gutachter. Dabei müsse man auch über eine Alternative zu den Roteichen nachdenken. 

Gutachter regt Neubepflanzung an

Am Bahnhofsvorplatz seien bereits in der Vergangenheit neun Bäume ersetzt worden. „Und viele weitere Bäume hängen an der Nadel“, so der Gutachter. In der Diskussion kamen bei den Grünen auch Zweifel an der Unabhängigkeit des vom Investor beauftragten vereidigten Gutachters auf, die Martin Kleve aber zurückwies: „Ich kann Ihnen versichern, ich kannte Herrn Ludwig vor vier Wochen noch nicht“. Grundsätzlich wolle man die Bäume erhalten, aber eine Bebauung ohne Schäden lasse sich nicht realisieren. 

Ausschussvorsitzender Michael Zurhorst brachte das Ergebnis der Debatte am Ende auf den Punkt: „Der neue Aldi ist ohne Beeinträchtigung der Bäume nicht zu haben. Für uns gibt es nun zwei Varianten: 1. Das kommt nicht in Frage, oder 2. Wir sehen mal, was bei der Baumaßnahme passiert und legen den Ausgleich für Schäden vertraglich fest.“ Projektentwickler Kleve hatte auch eine gute Nachricht für die Politiker: Der Piepenbach werde mit deutlich mehr Grün aufgewertet als in den ersten Plänen. Am Ende der Debatte folgte der Stadtentwicklungsausschuss bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme des Grünen-Vertreters Klaus Schlüter dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, den Bebauungsplan für das Nahversorgungszentrum aufzustellen. 

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Kommentare

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Kommentare

postman1738
(0)(0)

Leider gibt es keinen Wohnungsbau auf den Läden !!
Keine Sonnenenergie !!

Grey Hound
(0)(0)

Das ist ja unglaublich.
Ich kenne die Bäume mittlerweile seit 30 Jahre.
Das kann man doch nicht machen, also hier muss dringend eine Bürgerinitiative gestartet werden.