Zum Teil existenzbedrohende Umsatzeinbrüche

Nach bitterem Baustellen-Leiden der Händler: Aufatmen am Moormannplatz

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Der Moormannplatz erstrahlt in neuem Glanz.

Werne - Der vorletzte Abschnitt der umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Innenstadt ist beendet. Einzelhändler und Gastronomen auf dem Moormannplatz atmen auf: Für sie ist weitestgehend wieder Normalität eingekehrt. Die Umsatzeinbrüche zogen sich teilweise über mehrere Wochen hin. Mitunter waren sie existenzbedrohlich.

In den Läden rund um den Moormannplatz ist die Stimmung in diesen Tagen (wieder) gut. Das Geschäft läuft inzwischen so rund wie im Vorfeld der Bauarbeiten. Für einige von ihnen war diese Zeit äußerst schwierig. 

Gisbert Bensch von der Tiefbauabteilung der Stadt kann den Unmut über die Einbußen verstehen, erklärt aber auch, dass die Stadt und die zuständige Baufirma die Arbeiten zeitlich „gepusht“ hätten, wo es nur geht. 

Ein Überblick über die Stimmung bei den Händlern und Gastronomen rund um den Moormannplatz: 

Konrads Bistro 

Für das Bistro waren die Bauzäune vor dem Laden ein großes Problem. Die Sitzflächen vor dem Laden konnten über viele Wochen nicht genutzt werden. „Die Gäste fühlten sich vom Lärm der Baustelle dermaßen belästigt, dass sie manchmal einfach wieder gegangen sind“, sagt die Service-Angestellte Stephanie Heinrich, die Inhaberin Daniela Herte im Laden oft vertritt. 

„Wir können froh sein, dass wir Stammgäste haben, die uns auch in dieser schweren Zeit treu geblieben sind“, erklärt sie weiter. Heinrich schätzt, dass zwischenzeitlich etwa ein Drittel der Gäste weggebrochen sei: „Wir hatten mit herben finanziellen Einbußen zu kämpfen.“ 

Photo-Studio 

Ähnlich stark beeinträchtigt haben die Bauarbeiten den Betrieb des Paparazzi Photo-Studios von Susanne Kästner. Bei ihr war vor allem das Weihnachtsgeschäft betroffen. „Für viele Kunden ist das Schaufenster eine wichtige Inspiration. Stehen da Bauzäune, kommen die Menschen eben nicht mehr“, erklärt sie. 

Auch wenn die Arbeiten ihr Geschäft recht stark behinderte, ist sie aber insgesamt froh über die neue Optik des Moormannplatzes. 

R&S Schuhe 

Besonders hart getroffen haben die Sanierungsarbeiten an dieser Stelle das Schuhgeschäft R&S. Auch dort war über viele Wochen ein erheblicher Teil des Schaufensters nicht sichtbar. Filialleiterin Andrea Bonitz befürchtet gar eine Neuauflage des Problems, sobald in wenigen Monaten die Arbeiten an der Bonenstraße weitergehen

Dort wird dann der letzte Abschnitt bis hin zum Kreisverkehr zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Bült fertiggestellt. Bonitz hofft, dass die Kunden das Schuhgeschäft dann besser finden werden. 

„Wir für Werne“

Einen etwas kritischen Blick auf die Umsetzung der Arbeiten auf dem Moormannplatz hat auch die Aktionsgemeinschaft „Wir für Werne“. Hubertus Waterhues, zuständig für Innenstadt und Marketing, hat am eigenen Leib erfahren, dass es viel mit Glück zu tun haben kann, wie das Geschäft (Waterhues betreibt den Buchhandel Bücher Beckmann am Kirchplatz) mit einer Baustelle vor der Haustür weitergehen kann.

 „Bei uns war eine Firma tätig, die ihre Geräte immer zeitig weggeräumt hat“, sagt Waterhues. Die Absprachen und der Umgang mit den Bauarbeitern laufe nicht immer einwandfrei ab. Am Moormannplatz ist es nach seiner Auffassung nicht problemfrei verlaufen. 

Immerhin könne nach der Fertigstellung des Bauabschnitts die Situation dafür umso günstiger sein. In der Innenstadt sei ein positiver Effekt zu spüren gewesen, den die Öffnung des Solebads nach sich zog. „Einige Geschäftsleute haben seit April Kunden von außerhalb dazugewonnen“, erzählt er. 

Im Zusammenhang mit dem neu gestalteten Moormannplatz könnten Badegäste noch besser in die Innenstadt gelockt werden. 

Die Stadt 

„Am Anfang war alles sehr mühsam. Wir sind unter der Oberfläche auf Dinge gestoßen, die wir vorher so nicht erahnen konnten. Dadurch sind die Arbeiten lange Zeit unbefriedigend verlaufen“, erklärt Gisbert Bensch auf WA-Nachfrage. 

Unterm Strich ist er sich aber sicher, „dass die Innenstadt insgesamt enorm an optischer und technischer Qualität gewonnen hat.“ Ursprünglich sollten die Arbeiten am Bauabschnitt Moormannplatz, die am 26. November 2018 begonnen hatten, bis zum 6. Juli dauern. 

Klettern, tollen und toben: Die Spielgeräte auf dem Moormannplatz werden bisher gut genutzt. Sie prägen das Bild des neu gestalteten Platzes, mit dessen Fertigstellung sich nun die Sanierung der Innenstadt dem Ende zuneigt.

Nach den anfänglichen Hindernissen (unter anderem hatte ein Wasserrohr für Probleme gesorgt) seien die Mitarbeiter der Baufirma bemüht gewesen, dort in der restlichen Bauzeit die Arbeit zu beschleunigen. Laut Bensch mit Erfolg: „Wir sind jetzt knapp zehn Tage später dran. Ich denke, dass wir insgesamt zufrieden sein können.“ 

Am Dienstag traf sich Bensch mit zwei Vertretern der zuständigen Tiefbaufirma Eurovia zur Abnahme der Baustelle. Vorsichtig zieht er ein (vorläufiges) Fazit der umfangreichen Sanierung der Innenstadt, die im Jahr 2002 mit dem ersten Abschnitt in der Steinstraße begonnen hatte: 

„Wir haben im kommenden Frühjahr eine Fußgängerzone, die gestalterisch komplett aufeinander abgestimmt ist. Dazu mussten alle mitziehen. Und das hat in Werne gut funktioniert.“

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