"Werne up rutt"

Museumsprojekt startet mit erster Aktion zum Thema Mobilität

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Werne - Das mit 133.300 Euro bezuschusste Museumsprojekt zum Thema Mobilität startet am Samstag, 23. September, mit einer ersten Aktion. An ungewöhnlichem Ort, auf einem Parkplatz an der Südmauer, stellen die beiden Leiterinnen Dr. Katharina Hülscher und Christina Steuer von der „Geschichtsmanufaktur“ in Dortmund von 10 bis 16 Uhr der Öffentlichkeit Ideen für die kommenden zwei Jahre vor.

Dr. Katharina Hülscher von der „Geschichtsmanufaktur“ in Dortmund ist eine der beiden Projektleiterinnen.


Zudem hat das Projekt einen Titel bekommen: „Werne up rutt“. Das ist Plattdeutsch und bedeutet so viel wie „Werne unterwegs“. Diese Übersetzung sowie das englische „Werne on the road“ lassen sich demnächst auch auf den Flyern und Plakaten finden. 

Dr. Katharina Hülscher im Gespräch mit Klaus Brüggemann, dem Leiter der WA-Lokalredaktion: 

Wie würden Sie das Projekt beschreiben? 

Hülscher: Es geht um das Thema Mobilität. Wir wollen schauen, wie der Mensch seit Jahrtausenden von hier nach dort kommt, wie sich Mobilität verändert hat und natürlich, wie sich Mobilität in Werne entwickelt hat und immer weiterentwickelt. 

Wer steckt hinter dem Projekt? 

Hülscher: Ins Leben gerufen hat es das Karl-Pollender-Stadtmuseum gemeinsam mit dem ADFC und der Initiative StadtBauKultur NRW. Finanziert wird es von der Kulturstiftung des Bundes, die den Fonds „Stadtgefährten“ für kleine städtische Museen eingerichtet hat. Dort werden Museen unterstützt, die über zwei Jahre neue Wege in der Museumsarbeit ausprobieren wollen und dabei ganz besonders die Bevölkerung beteiligen wollen. 

Was genau ist das Ziel? 

Hülscher: „Werne up rutt“ ist partizipativ ausgerichtet. Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern ihr Stadtmuseum in einem ganz neuen Licht zeigen. Es zu ihrem eigenen Museum, zu einem Ort des Austauschs auch zu aktuellen Themen machen. Die Menschen sollen wieder ins Museum kommen, sich dort wohlfühlen. Nicht nur zu Ausstellungen. Auch zu Festen, Veranstaltungen, Vorträgen etc. Es soll ein Treffpunkt sein, kein Ort, den man ausschließlich mit Vergangenem verbindet. 

Warum Mobilität? 

Hülscher: Erstmal beschäftigt das Thema uns alle. Viele von uns legen täglich weite Wege zur Arbeit zurück, stehen im Stau, ärgern sich über die Bahn. Und wir fahren natürlich regelmäßig in den Urlaub, wollen volle Supermarktregale, deren Produkte ja auch irgendwie zu uns kommen müssen. Der Alltag ist also voller Mobilität. Das Thema ist aber gerade für Werne spannend, weil sich hier so viel tut in der Mobilität: Der Rückbau der B 54 schafft ganz neue Perspektiven für die Stadt. „Werne neu verknüpft“, das Regionaleprojekt, beschäftigt sich mit dem Thema. Werne ist eine Stadt, die vom Verkehrsmittel Fahrrad stark beeinflusst ist. Das alles schreit geradezu danach, sich mal genauer mit der Mobilität zu beschäftigen. Auch das Thema Logistik ist brandaktuell. 

Was ist geplant? Wie werden die Werner beteiligt? 

Hülscher: Geplant sind ganz viele Aktionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Wir starten an dem 23. September mit einem „Parkingday“, das heißt: wir besetzen von 10 bis 16 Uhr eine Parkbucht an der Südmauer. Dort bauen wir eine Installation auf die die Leute zum Nachdenken bringen soll. Und die vielleicht auch etwas kontrovers ist … 

Wie geht’s dann weiter? 

Hülscher: Als nächstes, ab Januar, gibt es eine Ausstellung in vier Schaufenstern der Stadt. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte der Mobilität in und um Werne. Und diese Ausstellung wollen wir nicht alleine machen, sondern gemeinsam mit der Bevölkerung. Wir bitten nämlich die Werner, uns das zu bringen, was sie mit dem Thema Mobilität verbinden. Das kann alles sein. Ein Dreirad, aber auch ein Badeanzug vom ersten Italienurlaub in den 50ern. Wir sind total gespannt, was kommt. Und die Sachen finden natürlich dann ihren Platz in der Ausstellung. Dann soll es im nächsten Sommer ein großes Museumsfest geben, ab diesem Winter sind Vorträge, Workshops etc geplant. Die Werner sollen immer mit einbezogen werden. Man darf auch immer sagen: Das find ich jetzt aber doof. Macht doch mal dieses und jenes. 

Wie soll das Werner Museum am Schluss aussehen? 

Hülscher: Lebendig, voll, bunt. Uns geht es darum, dass das Museum nicht mehr nur als ein Ort der Vergangenheit wahrgenommen wird, sondern als ein Ort des Austausches, als Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger. Ein Ort, an dem man sich gern trifft, kontrovers diskutiert oder einfach eine schöne Zeit miteinander verbringen kann. Die Dauerausstellung wird vielleicht in einigen Aspekten verändert sein, die Hauptarbeit daran kommt aber erst nach Ablauf des Projektes – mit dem das Museum hoffentlich als ein Museum von Bürgern für Bürger wahrgenommen wird.

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