Museum kauft rätselhafte Zinndose

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„Ich aber bin von Art ein Bauer. Mein Arbeit wirt mir sauer. Ich muss Ackern Seen und Egen Schneyden, Heuwen Dareegen“, steht auf der Dose. Sie ist mit detailreichen Gravuren versehen, die Landvolk bei der Arbeit zeigt. - Fotos: Eickmann

WERNE - Heidelore Fertig-Möller muss noch etwas Platz schaffen auf dem Kaminsims der „Westfälischen Stube“. Denn dort soll die neue, neunteilige Zinnsammlung künftig den Besuchern präsentiert werden. „So schöne Stücke, die wahrscheinlich auch aus unserer Region stammen, haben wir noch nicht in unserer Sammlung“, sagt die Leiterin des Stadtmuseums. Abgesehen von den Ratshumpen, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts hergestellt wurden, sei es zudem das älteste Zinn im Museum. Der Antiquitäten-Händler Fred Hanke hat das Set dem Museum verkauft, damit es einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wird.

Die kleine Sammlung umfasst drei Kerzenständer, eine Schale, einen Krug, einen Brotteller, einen Bierhumpen, eine Trinkbecher und eine viereckige Dose mit Deckel. In den Bierhumpen ist die Jahreszahl 1749 eingraviert unter dem Krug befindet sich neben der Zinnmarke das Jahr 1773. Die anderen Stücke sind nicht datiert.

Alle Gegenstände sind aus 92- bis 95-prozentigem Zinn. „Eine solche Qualität konnten sich früher nur wohlhabende Leute leisten“, sagt Fertig-Möller. Sie geht davon aus, dass das Zinn zum Inventar eines Schulzenhofes oder eines Bürgerhauses gehörte. Die Bestimmung der Herkunft anhand der Zinnmarken hat Fertig-Möller noch nicht vorgenommen. Da Hanke die Sammlung in Ascheberg erworben hat, geht sie aber davon aus, dass sie aus dem Münsterland stammen. Auf ein bäuerliches Milieu verweisen auch die Verzierungen auf dem Zinn. Auf dem Brotteller sind Ähren und die Worte „Unser täglich Brot“ eingraviert. Auf dem Deckel der viereckigen Dose findet sich der Spruch: „Ich aber bin von Art ein Bauer. Mein Arbeit wirt mir sauer. Ich muss Ackern Seen und Egen Schneyden, Heuwen Dareegen.“ Die vier Seiten der Dose zeigen detailreich Bauern bei ihrer täglichen Arbeit. Was es mit der Dose auf sich hat, wofür sie einst genutzt wurde, wissen weder Fertig-Möller noch Hanke.

Ähnlich rätselhaft ist das Wappen auf dem Trinkbecher: Es zeigt eine Armbrust und zwei Lilien. Fertig-Möller kann es nicht zuordnen: „Wenn es ein Familienwappen ist, wird das auch sehr schwierig. Davon gab es einfach zu viele.“ Ein Datum findet sich nicht, Hanke geht aber trotzdem davon aus, dass es noch deutlich älter ist, als die beiden Stücke, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen.  - dom

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