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Modern und barrierefrei: Werner Firmen bauen Wohnungen für ihre Mitarbeiter

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Noch steht ein Wohnhaus an der Tigge 28. Nach dessen Abriss will die Firma Thermo Sensor hier ein Gebäude mit zehn Werkswohnungen errichten. Ende 2020 soll es bezugsfertig sein.

Werne – Die Suche nach einer Wohnung gestaltet sich mitunter schwierig – vor allem, wenn man eine Familie mit gleich mehreren Kindern hat. Da kommt es gelegen, wenn der Chef oder die Chefin einem hilft. Zwei Beispiele aus Werne.

Auf dem Grundstück Tigge 28 will die Firma Thermo Sensor ein Mehrfamilienhaus mit zehn Werkswohnungen errichten. Dazu soll das frühere Wohnhaus der Gärtnerei Brüggemann abgerissen werden. Thermo-Sensor-Geschäftsführer Waldemar Dobslaff hat bei seinen Plänen nicht nur die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt im Blick, sondern grundsätzlich das Wohlergehen seiner Beschäftigten. „Ich will ihnen eine Sorge abnehmen, damit sie entspannt zur Arbeit kommen können“, sagt er.

Laut Dobslaff sind Wohnungen zwischen 75 und 120 Quadratmetern Größe geplant, die höherwertig ausgestattet und barrierefrei sind. Knapp 20 Bewerbungen lägen derzeit vor – von Mitarbeitern in der Produktion ebenso wie von Führungskräften. Zum Zuge und in den Genuss vergleichsweise günstiger Mieten komme, wer sich verlässlich für das Unternehmen engagiere und ihm Loyalität entgegenbringe. „Das ist ein Geben und Nehmen“, erläutert Dobslaff, wobei die aktuell geplanten Werkswohnungen nicht die letzten in Werne sein müssten. Bei Eintritt in die Rente könnten die Betroffenen selbstverständlich im Haus wohnen bleiben.

Tiefgarage und Grillplatz

Die Thermo Sensor GmbH, Hersteller von Temperatur-, Mess- und Regeltechnik, hat Mitte 2017 im Gewerbegebiet Wahrbrink-West neu gebaut und beschäftigt mittlerweile 220 Mitarbeiter. Schon am früheren Standort in Bönen stellte sie Angestellten Wohnungen zur Verfügung – in fünf verschiedenen Immobilien. „Diese haben wir immer noch“, sagt Dobslaff.

Der Bauantrag für das Mehrfamilienhaus in Werne ist bereits gestellt. Die Politik habe Zustimmung signalisiert, so Dobslaff. Unterm Gebäude sei eine Tiefgarage geplant, im Flur ein Aufzug und in einer der Wohnungen eine Kinderbetreuung. Wenn der Nachwuchs adäquat gefördert werde, habe der Mitarbeiter noch eine Sorge weniger, so die Überlegung.

Dobslaff macht gute Erfahrungen mit seinen Wohnobjekten. Sie seien allesamt gut in Schuss, weil sich die Mitarbeiter dort wohlfühlten und weiterhin dort glücklich sein wollten. „Und wenn etwas kaputt ist, wird das sofort gemeldet und repariert.“ Zur Förderung der Gemeinschaft ist am künftigen Mehrfamilienhaus in Werne ein Grillplatz geplant. Im September soll’s mit Abriss und Neubau losgehen, Einzugstermin ist Ende 2020. Die Baukosten beziffert Dobslaff mit mehreren Millionen Euro, öffentliche Zuschüsse gebe es nicht.

Wohnen in Ex-Filiale der Sparkasse

Während im Fall Thermo Sensor die Schaffung von Wohnraum für Beschäftigte erklärtes Ziel ist, war Adelheid Hauschopp-Francke von der RCS Rohstoffverwertung und Container-Service GmbH an der Capeller Straße mit einer akuten Notlage konfrontiert. Ein Mitarbeiter hatte sich an die Geschäftsführerin gewandt, weil er von einer Eigenbedarfskündigung betroffen war. „Er hat Familie, vier Kinder und war regelrecht verzweifelt, weil er keine Ersatzwohnung bekommen konnte“, schildert Hauschopp-Francke.

Um die drohende Obdachlosigkeit abzuwenden, erwarb die Geschäftsfrau als Privatperson ein Mehrfamilienhaus an der Stockumer Straße. Jenes, in dem bis zum Jahreswechsel noch eine Filiale der Sparkasse an der Lippe untergebracht war. Die früheren Geschäftsräume im Erdgeschoss werden nun zu zwei Wohnungen umgebaut – eine ist für die Familie des Mitarbeiters vorgesehen.

An der Horster Straße zieht die Firma „Frederik Holtrup Immobilien und Grundstücke“ ein. 

RCS hat rund 130 Beschäftigte. Laut Hauschopp-Francke sind schon mehrfach Mitarbeiter mit der Bitte auf sie zugekommen, sie bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Derart eng wie im jüngsten Fall sei es noch nie geworden. Auf dem Wohnungsmarkt gebe es aktuell kaum freie Immobilien für größere Familien. Zwar sei Mietwohnungsbau nicht ihr Kerngeschäft, sie sei aber froh, dass sie habe helfen können. Die fünf anderen Mietverhältnisse im Gebäude blieben bestehen. „Ich hoffe, dass die Mieter noch lange dort wohnen bleiben“, so Hauschopp-Francke.

Neues Maklerbüro

Auch in der zweiten von der Sparkasse aufgegebenen Filiale an der Horster Straße tut sich derweil etwas. Immobilienbesitzer Klaus Holtrup baut die Geschäftsräume für seinen Sohn Frederik um. Der 22-jährige Immobilienmakler (IHK) macht sich hier mit der Firma „Frederik Holtrup Immobilien und Grundstücke“ selbstständig.

In der ehemaligen Sparkasse an der Stockumer Straße sollen weitere Wohnungen entstehen.

Mit dabei ist Ulrich Brinkmann. Holtrup hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Zum künftigen Büro gehört ein mit Medientechnik bestückter Tagungsraum, der extern vermietet wird.

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