Ein "feines Näschen" für den guten Tropfen: Frank Bispinghoff ist jetzt Sommelier-Meister

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Wohl bekomm’s, das eigene Tröpfchen: Hier probiert Sommeliermeister Frank Bispinghoff mit Vater Bruno senior, was im Keller des Weinhauses am Wißberg gereift ist. Der Werner hat sich für den eigenen Tropfen ins Weingut eingekauft.

Werne - Den „richtigen Riecher“ für seine Branche braucht man sowieso, um als Unternehmer bestehen zu können. Aber der Diplom-Kaufmann Frank Bispinghoff kann neuerdings sogar von sich behaupten, dass er dank des „feinen Näschens“ ein Meister seines Fachs ist.

Von dieser Gabe des Getränkehändlers zeugen ein Meistertitel und ein Diplom nach internationalen Standards, die der Werner nicht erhalten hätte, wenn er neben dem sprichwörtlichen „Riecher fürs Geschäft“ nicht tatsächlich mit einer guten Nase und einem feinen Gaumen gesegnet wäre. „Sommelier-Meister“ darf sich der 44-Jährige nennen und die Visitenkarten um den Verweis auf sein „WSET“-Diplom Level 4 erweitern. 

Das Kürzel steht für „Wine and Spirit Education Trust“ und öffnet nach der Testierung durch die renommierte WSET-School in London in vielen Ländern der Welt die Türen zu Weingütern und Winzerkellern, weil da jemand anklopft, der weiß, was in den Fässern vor sich geht. 

"Wein hat etwas mit Emotionen zu tun"

Dieser Sparte der B & G Getränkelogistik GmbH, in Werne besser bekannt als die vormalige von Vater Bruno gegründete Firma Getränke Bispinghoff, hat Frank Bispinghoff sich mit Herzblut verschrieben. Zwillingsbruder Bruno junior kümmert sich bei Bispinghoff & Grundmann derweil ums Biergeschäft.

„Krevert Wein & Sekt“ in Selm gehört mittlerweile auch zur „Company“. „Beim Bier geht’s immer nur um den Preis, um den Preis und um den Preis“, erklärt der Werner seine Zuwendung zum Rebensaft, den er auch als Konsument zu schätzen weiß. „Ich habe mich bewusst für den Weg zum Sommelier entschieden. Weil der Wein etwas mit Emotionen zu tun hat. So ein Krombacher schmeckt immer gleich. Beim Bier kann man sich über die Produkte nicht absetzen, nur über den Preis. Aber beim Wein können wir uns über das Sortiment profilieren.“ 

Der Handel ist das eigentliche Standbein von Frank Bispinghoff als einer der Geschäftsführer der B & G Getränkelogistik an der Butenlandwehr. Dieser Wein kommt als Hausmarke vom eigenen Gut, „Weggefährten“ steht für die Firmenphilosophie.

Da spricht halt der Mann mit dem Riecher fürs Großhandelsgeschäft mit den Gastronomen. Dieser Aspekt hatte den Kaufmann schon vor 17 Jahren dazu gebracht, sich mit der Ausbildung zum IHK-Weinfachberater Expertise für den Handel anzueignen. 14 Jahre später lockte die Aussicht, die Weinkennerschaft mit dem Sommelier-Meister zu krönen und das in 20 Ländern etablierte Diplom dabei mitzunehmen. 

Liebhaberei spielt auch eine Rolle, da gehen Hobby und Beruf miteinander einher. Das klingt so unbeschwert, war aber harte Arbeit: „Den Fachberater habe ich bei der IHK Münster gemacht. Für den Sommelier-Meister musste ich aber zur IHK-Akademie in Koblenz und auf den Wein-Campus in Neustadt an der Weinstraße.“ 

Zehn Prüfungen und eine Projektarbeit zum „Sommelier-Meister“

Fünfmal eine Woche Präsenzstudium, etliche Einheiten online im „virtual classroom“, für zehn Prüfungen büffeln und eine Projektarbeit vorlegen und präsentieren – neben dem Beruf und der Familie mit drei Kindern, die öfter mal nachsichtig mit dem Vater sein musste. „2016 ist die Ausbildung neu aufgelegt worden, ich bin 2017 mit den ersten Absolventen gestartet, eineinhalb Jahre braucht man mindestens und ich war im November 2019 als einer der ersten aus meinem Kurs fertig.“ 

Da wurde die Anstrengung mit dem Titel belohnt, der dem Bachelor im Hochschulstudium entspricht. Dafür ging es viel um Betriebswirtschaft und -führung, weil der Meister dazu ja neben dem Handwerk befähigen soll. All das war dem Kaufmann geläufig. Dazu kamen aber die bisweilen trockenen Themen Weinrecht, Lebensmittelchemie und -hygiene, Kellertechnik, der Weinbau und Ähnliches. 

Aber eben auch „trinken, schlürfen, spucken“, wie man sich den Sommelier-Job gemeinhin vorstellt, war gefragt. Zur Prüfung gehörte die zweimalige Blindverkostung von je sechs Weinen in einer Stunde. Reben bestimmen, Lagen herausschmecken, frei formulierte Bewertungen zu Papier bringen. 

Bei den „Weggefährten“ eingekauft

Dabei ist Frank Bispinghoff so sehr auf den Geschmack gekommen, dass er sich mit Partnern aus der Sommelierschule in ein eigenes Weingut eingekauft hat. Im „Weinhaus am Wißberg“ werden im Rheinhessischen Grau- und Weißburgunder, Chardonnay und Riesling aus eigenen Lagen gekeltert. Unter dem Etikett „Weggefährten“ vertreibt die B & G Getränkelogistik die Tropfen als Hausmarke in der Gastronomie. 

Der Name steht für die Firmenphilosophie. „Wir haben in der Gastronomie zahlreiche Kunden, die wir seit Jahrzehnten betreuen“, erläutert der Händler. „Das geht oft über die normale Geschäftsbeziehung hinaus, da verstehen wir uns eher als Weggefährten. Das soll die Marke zum Ausdruck bringen.“ 

Da spricht wieder der Weinfreund mit dem „richtigen Riecher“. Mit der sprichwörtlichen Nase hat B & G es immerhin auf einen Jahresumsatz von gut 150 000 Flaschen Rebensaft gebracht.

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