Räumungsklage

Im "Route 66" hängt der Haussegen schief: Pächter geht mit Vorwürfen gegen den Vermieter

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Im "Route 66" gibt's Küche nach Art us-amerikanischer Raststätten - und Streit zwischen Vermieter und Pächter. Inhaber Markus Bickmann wirft das Handtuch.

Werne – Im Diner "Route 66" verabschiedet sich Pächter Markus Bickmann via Facebook zu Ende März. Was er dabei als Gründe anführt, wirft kein gutes Licht auf Vermieter Alfons Böcker.

 „Ich habe erst überlegt, ob ich diesen Schritt machen soll“, erläuterte Bickmann, dass er wegen der unkalkulierbaren Reaktionen im Netz zunächst gescheut habe, sich per Social Media zu erklären. Am Ende überwog aber die Befürchtung, auf anderem Wege durch Gerüchte in ein schlechtes Licht zu geraten. „Aber ich muss ja meine Gäste informieren und ich habe in Werne einen Ruf, den ich bewahren will, zumal ich hier weiter tätig bin“, sagte Bickmann, den man mit mobiler Küche etwa vom CDU-Weinfest (Flammkuchen) oder den Lenklarer Reitertagen (Crêpes) kennt. „Wir sind nicht pleite“, beteuert er in dem Post, der zugleich als „Mitteilung“ im Lokal am Zechengelände aushängt.

"Uns fehlt die Kraft, weiter zu kämpfen"

Das Containergebäude hat Alfons Böcker dort mit seiner Projektbau GmbH errichtet, den Imbiss im Erdgeschoss zuvor an einen Döner-Bräter vermietet und Räume im Obergeschoss selbst genutzt. Bau und Technik hätten Mängel, die Böcker ignoriere, ihm aber den Betrieb des Schnellrestaurants schwer machten, klagt der Pächter. So sei es „sehr schwierig“ und mit hohem Aufwand verbunden, „die Vorschriften der Lebensmittelüberwachung einzuhalten.“ Dem WA zeigte er, wo erkennbar Wasser aus der Decke und der Elektroinstallation gelaufen war. Die Küchenabluft müsse umgebaut werden, um Probleme mit Fettaustritt im Sommer in den Griff zu bekommen. Aber all das kümmere den Verpächter nicht. „Uns fehlt einfach die Kraft, weiter zu kämpfen“, erklärt Bickmann seinen Rückzug. Er hatte das Geschäft im Herbst 2018 übernommen.

"Route 66" soll eine Diner-Kette werden

Das „Route 66“ am Zechengelände brachte Böcker Mitte 2016 über seine Diner & Co GmbH Mitte an den Markt, als sich der Döner-Imbiss verabschiedete. Standbein des mit Insolvenzverfahren behafteten Unternehmers war zuvor der Bau und Vertrieb von Containermodulen und Imbiss- bzw. Verkaufspavillons. Der Einstieg in die Gastronomie begann mit dem „Route 66“ in Hamm, Werne sollte das nächste Glied in einer Kette von Filialen sein. Nach Nr. 2 ließen die weiteren Diner aber auf sich warten. „Ich verhandle an 26 Standorten“, teilte der Unternehmer nun mit, weiter an der Expansion zu arbeiten. Werne sei die Zentrale dafür.

Vermieter kommentiert Vorwürfe nicht

Auf Bickmanns Vorwürfe wollte er erst gar nicht eingehen, verwahrte sich aber dagegen, via Facebook der Lüge bezichtigt zu werden. Da geht es, wie auch im Gütetermin der von Böcker angestrengten Räumungsklage im Januar, ums liebe Geld. Bickmann sagt selbst, dass er Pachtzahlungen wegen der Mängel gekürzt habe. „Ich will jetzt nur noch eines: in Ruhe und Frieden auseinandergehen“, zog Böcker sein Fazit aus der Angelegenheit. Dass sich die Wege trennen, sei Bestandteil des Vergleichs, bei dem auch aufgerechnet wurde, was an Forderungen zu begleichen ist. 

Böcker kündigt schnelle Wiedereröffnung an 

Freunde der Diner-Kultur sollen sich nicht lange gedulden müssen. „Ich habe wichtige Leute der ersten Mannschaft im Route 66 für den Betrieb neu begeistern können“, verkündete Böcker. Gut eine Woche nach dem Wechsel werde ein Nachfolger als Franchise-Nehmer das Konzept fortsetzen – und im Oberschoss auch gleich noch ein Café und eine Cocktailbar aufmachen. Das soll den Getränkeumsatz ankurbeln. Die Bauaufsicht muss ihr Okay dazu noch geben.

Bickmann sucht Standort für neues Burger-Lokal

 „Wenn ich hier meine Küchenausstattung und Inventar mitnehme, bleibt nicht mehr viel“, betont Bickmann indes, dass er selbst viel in den Laden gesteckt habe, auch bei der Neugestaltung der Terrasse. Der Gastronom möchte mit seinem Team ebenfalls in Werne weitermachen, ist aber noch auf der Suche nach einem Lokal. Dem Nachfolger an der Kamener Straße wünscht er „viel Erfolg und ,gute’ Zusammenarbeit mit unserem Vermieter“. Bickmann will beim Gastronomiekonzept rund um handgemachte Hamburger bleiben. Die Marke reklamiert Böcker aber für sich.

Außerdem aktuell auf wa.de: Die Feuerwehr kämpft am Sonntag gegen einen Brand in einem Baumarkt in Herten.

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