Flüchtlingskinder wechseln in Regel-Kitas

„Löwenburg“ hat ausgedient: Stadt schließt Einrichtung Ende Juli

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Seit knapp vier Jahren werden in der „Löwenburg“ am Neutor Kinder aus Flüchtlingsfamilien betreut. Bald kann die Einrichtung ihre Arbeit beenden und wird nicht mehr gebraucht: Zum neuen Kindergartenjahr im August wechseln auch die letzten Mädchen und Jungen in reguläre Kindertagesstätten.

Werne –  Die „Löwenburg“ wird Ende Juli geschlossen. Die knapp 20 Flüchtlingskinder, die dort betreut werden, wechseln dann auf Wunsch der Familien in reguläre Kindertagesstätten. Derweil werden zum Kindergarten-Jahr 2020/21 in bestehenden Einrichtungen 46 weitere Betreuungsplätze geschaffen.

Die „Löwenburg“ am Neutor hatte die Stadt vor knapp vier Jahren eröffnet, um Kinder aus Flüchtlingsfamilien auf die Betreuung in einer klassischen Kita vorzubereiten. Das sei erfolgreich gelungen, sagt Jugenddezernent Alexander Ruhe auf Anfrage des WA. Und damit sei eingetreten, was sich alle zu Beginn erhofft hätten: dass die Einrichtung so nicht mehr benötigt wird.

Der Träger des Angebots, die Jugendhilfe Werne, sei bereits von der Schließungsabsicht informiert worden, so Ruhe. Gleiches gelte für das Land NRW, das das Angebot all die Jahre maßgeblich finanziert hat. Mit dem Wechsel der Löwenburg-Kinder in Regeleinrichtungen gebe es keine Grundlage mehr für eine weitere Förderung.

Für den Kita-Bau am Grote Dahlweg wird bereits die Rodung durchgeführt. Vier Eichen müssen weichen, im Herbst sollen dafür entlang der Straße zwölf neue Bäume gepflanzt werden.

Was mit den Räumen am Bült geschieht, die von der Jugendhilfe an die Stadt untervermietet sind, ist laut Ruhe noch nicht abschließend geklärt. Sie waren auch stark zur Feier privater Kindergeburtstage nachgefragt worden. Von der Möglichkeit, seinen Nachwuchs etwa während der Einkäufe in der Innenstadt betreuen zu lassen, machen demnach nur wenige Eltern Gebrauch.

Die Einrichtung der „Löwenburg“ hatte die frühere Dezernentin Elke Kappen initiiert. Das Projekt wurde von der Werner Bevölkerung und hiesigen Betrieben äußerst positiv begleitet, es gab viele Sponsoren. So steuerte etwa der Lions-Club Werne in Westfalen Sachspenden im Wert von rund 30 000 Euro bei. Mit den Unterstützern würden Gespräche etwa zur Weiternutzung von Spielgeräten geführt, sagt Ruhe.

311 Anmeldungen für das Kita-Jahr 2020/2021

Das Auslaufen der „Löwenburg“ ist einer von drei Faktoren, die zum erhöhten Bedarf an Kita-Plätzen führen. Weitere sind nach Auskunft Ruhes die nach wie vor wachsenden Anmeldezahlen von Kindern unter drei Jahren sowie die Absicht der Stadt, Überbelegungen von Gruppen zurückzufahren.

Insgesamt liegen für das kommende Kita-Jahr 311 Anmeldungen vor. Laut Dominik Klute, im Jugendamt für Kita-Fragen zuständig, konnte in 78 Prozent der Fälle der Erstwunsch der Eltern berücksichtigt werden. Mit der Quote, die erstmals errechnet worden sei, sei man zufrieden, betont er.

46 neue Plätze, vier neue Gruppen

Zur Deckung des Bedarfs werden in drei bestehenden Einrichtungen insgesamt 26 neue Kita-Plätze im U3-Bereich und 20 neue für Über-Dreijährige geschaffen, insgesamt vier neue Gruppen. Damit steigt die Gesamtzahl der Betreuungsplätze in der Stadt Werne ab August 2020 auf 1.083. Weitere Plätze werden in der Kindertagespflege vorgehalten und übergangsweise in einer halben Extra-Gruppe im Horster Dorfgemeinschaftshaus.

Kita „An der Schule“: Sie wird um eine vierte Gruppe aufgestockt. Die Einrichtung der Jugendhilfe Werne gGmbH nutzt zurzeit Räume in der früheren Barbaraschule. Für sie ist ein Neubau am Krankenhaus St. Christophorus geplant.

Kita „Biberburg“: Hier werden weitere zwei Gruppen eingerichtet, die zunächst in Räumen der ehemaligen Wienbredeschule betreut werden sollen. Parallel ist die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt weiterhin im Gebäude der Ex-Kita St. Konrad zu Hause, doch auch sie erhält bekanntlich einen Neubau. Dafür wurden jetzt am Grote Dahlweg erste Rodungsarbeiten vorgenommen.

Kita Maria Frieden: Sie erhält früher als geplant eine dritte Gruppe (zehn Plätze für U3-Kinder). Weil der dafür nötige Anbau nicht rechtzeitig fertig werden kann, denkt die katholische Gemeinde St. Christophorus als Trägerin über eine Interimsbetreuung in anderen kirchlichen Räumen nach. Noch sei nichts entschieden, so Ruhe.

Weiterhin hohe Geburtenzahlen

Die Stadt geht von anhaltend hohen Geburtenzahlen (260 pro Jahr) und weiteren Zuzügen aus. Laut dem Jugenddezernenten läuft daher parallel zu den Planungen für 2020/21 eine Abfrage bei den acht Kita-Trägern in Werne, ob und gegebenenfalls wo sie sich bauliche Erweiterungen vorstellen können.

„Dabei nehmen wir vor allem Stockum in den Fokus“, sagt Ruhe. Hier gebe es einen erhöhten Bedarf, der aber wohl nicht für eine dritte Kita im Ort ausreiche. Gleichzeitig müsse in Erwägung gezogen werden, ob die zu erwartende Nachfrage den Bau einer weiteren Einrichtung an anderer Stelle rechtfertige. Das wäre dann die 18. Einrichtung in Werne.

Barbaraschule könnte zunächst Kita bleiben

Kein Problem bei den Überlegungen für die Jahre 2021 und 2022 stellt Stand heute die Raumfrage dar. So sei mit der Kämmerei und dem Bürgermeister abgestimmt, dass die Ex-Barbaraschule bis dahin weiter für Kita-Zwecke genutzt werden könne, berichtet Ruhe. Die Kita „An der Schule“ dürfte dann ausgezogen sein, Gleiches gilt für die evangelische Einrichtung „Unter dem Regenbogen“. Sie hat in der früheren Förderschule nach einem Wasserschaden ein Ausweichquartier gefunden. Am Ostring wird neu gebaut.

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