Werner Apotheker beklagen zunehmende Lieferengpässe

Leere Fächer, lange Wartelisten: Medikamenten-Knappheit spitzt sich weiter zu

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Apotheker Friederich Schneider blickt schon lange in fast leere Medikamenten-Fächer. Die Lieferengpässe bereiten ihm und seinen Kollegen in Werne große Sorgen.

Werne – „Es fehlt an allen Enden“, sagt Apothekerin Nadine Markewitz. Gemeint sind damit Medikamente, die in einer Apotheke definitiv nicht fehlen sollten. Doch die bundesweite Medikamenten-Knappheit spitzt sich immer weiter zu. Die Apotheker sind alarmiert, auch in Werne.

Die Auswirkungen des Engpasses sind enorm. Erst kürzlich war es in der Gerstein-Apotheke in Stockum zu einem Fall gekommen, bei dem sich das Ausmaß deutlich zeigte. Ein kleiner Junge war am Wochenende beim ärztlichen Notdienst, brauchte zur Behandlung ein Antibiotikum – und zwar schnell. „Das war aber nicht problemlos zu bekommen. Wir mussten auf eine andere Packungsgröße ausweichen“, erklärt Markewitz. 

Was in diesem Fall doch noch für ein gutes Ende gesorgt hat, ist für die Apotheker aber nicht immer ein möglicher Plan B. „Manchmal müssen wir auch mit dem Arzt versuchen, Alternativen zu finden, beispielsweise bei Kombinations-Arzneimitteln“, so Markewitz. Dann muss der Patient mitunter verschiedene Medikamente statt nur einem einnehmen. 

Medikamenten-Knappheit verschlechtert sich

Solche Notfälle habe Friederich Schneider regelmäßig. Der Inhaber der Adler-Apotheke am Markt zählt insgesamt 300 leere Medikamenten-Fächer in seinen zwei Apotheken in Werne und Lünen. „In den letzten zwei Monaten hat sich die Knappheit noch einmal um 50 Prozent verschlechtert“, so der Apotheker.

Betroffenen seien vor allem Blutdruckmedikamente und zum Teil lebenswichtige Psychopharmaka. Aber auch die hoch dosierten Tabletten des Wirkstoffes Ibuprofen seien schwer zu bekommen, sagt Schneider. Die Konsequenz: hamstern. „Wenn ich morgens sehe, dass ein solches Medikament lieferbar ist, bestelle ich sofort“, sagt Schneider. 

Über 150 Medikamente sind am Freitag im System aufgelistet, auf die Schneider wartet. „Vier sind wieder verfügbar“, ruft der Apotheker freudig. Nach zwei Klicks dann die ernüchternde Feststellung: „Wir waren zu langsam.“ Das System zeigt „Nicht lieferbar“ an.

Kurzzeitig war ein Medikament verfügbar - als Friederich Schneider es bestellen wollte, war es wieder nicht lieferbar.

 „Das ist eigentlich nicht meine Aufgabe. Ich soll für die Kunden da sein“, sagt Schneider mit Blick auf den hohen zeitlichen Aufwand bei der Jagd nach Medikamenten. Mitte Dezember beklagte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte noch einmal öffentlich die Lieferengpässe bei Medikamenten. 

Hauptgrund seien Qualitätsprobleme in der Herstellung der Grundstoffe oder fertigen Arzneimittel, erklärte seinerzeit der Präsident des Instituts, Karl Broich. Auf dem Herstellermarkt gebe es „zu viele Monopole und Oligopole“. Wenn ein Produzent wegfalle, könne der Markt das nicht auffangen.

Schon im Mai vergangenen Jahres war die Lage dramatisch und viele wichtige Medikamente fehlten in Werne.

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