21:14 Stimmen

Lehrschwimmbecken: CDU scheitert erneut mit Antrag – FDP eröffnet Perspektive

+
Das Stockumer Lehrschwimmbecken – im Bild noch mit Wasser gefüllt, aber seit Mitte Juli außer Betrieb – bot erneut Anlass zu einem Schlagabtausch im Rat.

Werne – Die CDU ist am Mittwoch im Stadtrat ein zweites Mal mit ihrem Versuch gescheitert, das Stockumer Lehrschwimmbecken mithilfe von Fördermitteln zu sanieren und so dauerhaft zu erhalten. Dies bedeutet aber nicht das Ende der Schwimmstätte.

So schlug die FDP vor, einen Förderantrag im kommenden Jahr für den Fall zu stellen, dass ein Dritter als Betreiber gefunden wird, etwa ein Verein. Ihre Idee wollen die Liberalen zur Sitzung des Badausschusses im Oktober genauer formulieren.

Die Entscheidung am Mittwoch fiel, abgesehen von zwei Enthaltungen, genauso aus wie im Dezember, als die CDU ihren ersten Antrag gestellt hatte. Es gab 14 Stimmen dafür, auch aus den Reihen der UWW, und 21 dagegen. SPD, Grüne, FDP und Linke argumentierten dabei nicht nur in der Sache, sondern kritisierten auch das Demokratieverständnis der Christdemokraten, die entgegen der Gepflogenheiten ein- und denselben Antrag zweimal stellen würden und damit wenig Respekt gegenüber dem Gremium und seinen Entscheidungen zeigten.

Rund 30 Bürger verfolgten die Ratssitzung am Mittwoch.

Rund 30 Bürger waren zur Sondersitzung gekommen. Sie war von der CDU beantragt worden, weil Förderanträge für dieses Jahr nur noch bis Monatsende gestellt werden können.

Zunächst appellierte CDU-Fraktionschef Wilhelm Jasperneite an die Ratsmitglieder, „über ihren Schatten zu springen“ und eine 90-Prozent-Förderung für die rund eine Million Euro teure Sanierung zu beantragen. Ein Erhalt des Beckens käme auch dem Solebad zugute, das dann weniger ausgelastet und attraktiver wäre, meinte er. Über Vereine von außerhalb, die im Lehrschwimmbecken Angebote machen, ließen sich die jährlichen Betriebskosten in Höhe von 110.000 bis 120.000 Euro für die Stadt senken. Das Interesse sei vorhanden.

„Demokratisch ignorant und schädlich für die Kultur des Stadtrats“

Die erste Gegenrede kam von Grünen-Vertreter Klaus Schlüter. Die Stadt könne kein Interesse daran haben, Sportstätten für Auswärtige vorzuhalten, meinte er. Auch gehe sie ein zu großes Risiko ein, wenn sie die Förderung beantrage. Würde das Becken nicht 20 Jahre lang betrieben, müsse sie Zuschüsse anteilig zurückzahlen. Im Übrigen vermisse er konkretere Finanzierungsvorschläge.

Ins gleiche Horn stieß Lars Hübchen, Vorsitzender der SPD-Fraktion. Er echauffierte sich aber vor allem darüber, dass die CDU den Antrag, über den schon abschließend entschieden worden sei, auf „Wiedervorlage“ gelegt habe. Das sei „demokratisch ignorant und schädlich für die Kultur des Stadtrats“. Zudem warf Hübchen der CDU vor, „Politik für die Galerie“ zu machen und schon eine Kampagne für den Kommunalwahlkampf 2020 zu starten.

FDP: Stadt als Betreiberin ausschließen

FDP-Ratsherr Artur Reichert war es, der einen Dritten als Betreiber ins Spiel brachte und damit den Ball nach Stockum zurückspielte, wo eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Schwimmstätte kämpft. Ein Antrag auf Sanierung könne auch noch im nächsten Jahr gestellt werden, verdeutlichte er. Vorab jedoch müsse es eine Risikoabwägung durch die Verwaltung geben. In jedem Fall sei mit Blick auf die finanziellen Belastungen auszuschließen, dass die Stadt das Becken weiter betreibe.

Für die UWW formulierte Ratsherr Theodor Stork, dass alles versucht werden sollte, das Becken zu erhalten. Martin Pausch („Die Linke“) betonte, er vertraue der Darstellung des städtischen Bäderbetriebs, wonach alle hiesigen Gruppen und Vereine im Solebad ausreichend Schwimmzeiten bekämen und das Stockumer Becken nicht mehr benötigt werde.

Auch der Bürgermeister sagt Nein

Dem schloss sich kurz vor der Abstimmung auch Bürgermeister Lothar Christ (parteilos) an, der sodann gegen den CDU-Antrag votierte. Das begründete er auch mit der „Achtung und Wertschätzung“ gegenüber dem Rat, der schon einmal in der Sache entschieden habe. Der Appell des Badausschussvorsitzenden Christian Schmid (CDU), dass sich die Welt weiterdrehe und man über eine Förderung zu mehr Handlungsfreiheit gelangen könne, war da schon verhallt.

Alle Nein-Sager betonten, großes Verständnis für die Stockumer und ihre Interessen zu haben. Man müsse aber zu einer Gesamtabwägung kommen, so Hübchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare