Modellprojekt in Werne möglich

Die Umwelt im Blick: Werner Landwirte diskutieren mit Ministerin

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Ursula Heinen-Esser, Umwelt- und Landwirtschaftsministerin in NRW, hat sich in Werne ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Über ihren Besuch freuten sich Bürgermeister Lothar Christ (v.l.) Blühpaten-Initiatorin Anne Lohmann, Robert Schulze-Kalthoff (Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbands Werne) und Blühpaten-Initiator Michael Zurhorst.

Werne – Die Gewässerbelastung und Biodiversität standen im Mittelpunkt beim Besuch von NRW Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser beim landwirtschaftlichen Ortsverband Werne. Thematisch seien das die „zwei aktuellen Hotspots der Landwirtschaft“, befand Heinen-Esser.

Sie hatte viel Verständnis für den Ärger der Landwirte mitgebracht, die das Gefühl haben, von vielen den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen, wenn es um Umweltprobleme geht. „Sie fühlen sich in der Falle und wollen das nicht mehr, dafür habe ich vollstes Verständnis.“ 

Natürlich seien die in der Landwirtschaft genutzten Pflanzenschutzmittel ein Grund für die sinkende Artenvielfalt. „Aber sie sind nicht der einzige Grund.“ Immer wieder würden beispielsweise Flächen für Gewerbegebiete versiegelt. „Und die Politik traut sich nicht, Gründächer einzufordern.“ Der Bund schlage ein Verbot mancher Mittel in geschützten Gebieten vor. „Es kommt einer faktischen Enteignung gleich, wenn Sie Pflanzenschutzmittel nicht mehr anwenden dürfen, ohne dafür Entschädigungen oder Subventionen zu bekommen“, so Heinen-Esser. 

Ausgleich und Förderung statt Verbote

Sie betonte, dass ihr Ministerium in Berlin dafür plädiert habe, die Problematik über „Ausgleich und Förderung“ anzugehen, nicht über Verbote. „NRW wird darum im Bundesrat nicht für ein Verbot stimmen.“ Auch die geplante neue Düngemittelverordnung war Thema. 

Bekanntlich hat Deutschland das von der EU-Kommission eingeleitete Verfahren am Europäischen Gerichtshof wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verloren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat darum Vorschläge für weitere Einschränkungen erarbeitet, um den Einsatz von Dünger zu reduzieren. 

Phosphorwerte im Nordbach unbefriedigend

In Werne gebe es keine Probleme mit Nitraten. Die Phosphorwerte im Nordbach seien aber laut Messungen unbefriedigend, so Robert Schulze-Kalthoff, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins. „Grundlage für Werne sind allerdings Messungen an einer Stelle im Einzugsgebiet mit der letzten Beprobung im Jahr 2015“, kritisierte er. 

Vor der Messstelle gebe es zudem 95 Kleinkläranlagen im Einzugsgebiet des Nordbachs, von denen unbekannt sei, wie sie die Phosphat-Mengen veränderten. Die Landwirte regten daher kleinteiligere Messungen an. Die solle es durch 200 zusätzliche und dann insgesamt 1700 Messstellen in Nordrhein-Westfalen auch geben, so Heinen-Esser. 

Ministerin steht Modellprojekt in Werne offen gegenüber

Die Anregung, Kleinkläranlagen in den Blick zu nehmen, werde sie im Ministerium ansprechen, zudem stehe sie einem Modellprojekt in Werne aufgeschlossen gegenüber. „Überlegen Sie, wie so ein Modellprojekt aussehen kann, und schicken Sie es uns, dann schauen Experten es sich an.“ Eine Umsetzung können sie natürlich nicht versprechen.

Erfreulicher als die Düngemittelverordnung ist für die Landwirte das Projekt Blühstreifen, das sie der Politikerin ebenfalls vorstellten: Mit der von Anne Lohmann und Michael Zurhorst initiierten Aktion haben sie einen Nerv getroffen. „Rund 120 Bürger machen schon mit“, freute sich Zurhorst. 

Statt der geplanten 1,5 Hektar Blühstreifen, für die Werner die Patenschaft übernehmen, seien es jetzt schon 1,7 Hektar. „Die Landwirte haben aber die Flächen dafür schon zugesagt, sodass wir noch weitere Anfragen bedienen können.“

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