Peta fordert: „Auf Jagd ganz verzichten“

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Der Rückgang von Fasan und Feldhase besorgt Jäger wie Tierschutzorganisationen gleichermaßen. Laut Kreis sank die Jagdstrecke bei diesen Tieren stark.

WERNE - Die Tierschutzorganisation Peta hat auf die WA-Berichterstattung zum Rückgang des Niederwilds reagiert und wirft dem hiesigen Hegering vor, diesen durch intensive Bejagung erst verursacht zu haben. Statt nur ein Drittel hätten zuletzt alle Jagden auf Hase, Wildkaninchen und Fasan abgesagt werden müssen, heißt es. Von der beim Kreis angesiedelten Unteren Jagdbehörde fordert Peta, ein komplettes Jagdverbot für die Region zu erlassen, damit sich die Populationen erholen könnten. Von dort allerdings kommt ein klares „Nein“.

Zwar sei es in den 150 Jagdbezirken in der Tat ein Bestandsrückgang von einzelnen Tierarten zu verzeichnen. „Es weiß aber noch niemand, woran das liegt“, sagt Constanze Rauert, Sprecherin der Kreisverwaltung. Ihren Worten nach sind zurzeit die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW in Bonn sowie der Landesjagdverband in Dortmund intensiv mit der Ursachenforschung beschäftigt. Möglicherweise begründe allein der letztjährige „ins Frühjahr verschobene Winter“ die Entwicklung.

Rauert verweist darauf, dass die Untere Jagdbehörde den Wildbestand nicht durch Zählung ermittelt, sondern indem sie Rückschlüsse aus den Jagdstrecken zieht. Ohne den Einsatz der Jäger würden Rückgänge in der Population gar nicht auffallen. Zudem seien über die Jahre hinweg teils immer wieder auch größere Schwankungen in den Beständen zu beobachten.

Der Peta Deutschland e.V. indes spricht sich grundsätzlich gegen die Jagd aus. Deren Kampagnenleiterin, die Zoologin Ines Hofer, sagt: „Die Jagd auf Niederwild ist völlig unnötig, da sich die Populationen von selbst regulieren. Wenn der Mensch endlich die Tiere in einem natürlichen Gleichgewicht leben lassen würde, hätten wir diese Probleme nicht.“

Der Erhalt eines natürlichen Gleichgewichts ist allerdings auch Anliegen der Jäger – und der Behörden. „Nicht umsonst gibt es für Wildtiere Schonzeiten“, betont Rauert; für Hase und Fasan etwa vom 16. Januar bis zum 30. September. Und bei den Rehen, die ebenfalls zum Niederwild zählten, würden darüber hinaus Drei-Jahres-Abschusspläne erarbeitet, und zwar in Abstimmung mit dem Jagdbeirat, dem unter anderem Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Naturschutzbundes angehörten. „Das ist also keine Solo-Entscheidung“, so Rauert.

Je höher die Zahl abgeschossener und etwa bei Unfällen getöteter Tiere, desto höher die Population. In dieser Logik ist der Bestand an Rehwild nicht gefährdet. 1 391 Tiere ließen in der Jagdsaison 2012/13 ihr Leben; davon starben 852 durch Jagdgeschosse, 468 bei Unfällen im Straßenverkehr und 71 anderweitig. Zum Vergleich: In der Vorsaison lag die Jagdstrecke im Kreis Unna beim Rehwild bei 1 214 Tieren, in den Jahren zuvor zum Teil deutlich darunter, aber noch über eintausend.

Bei andere Tierarten aber gab es zum Teil deutliche Einbrüche.

- Hase: Hier sank die Strecke von 1 932 (Saison 12/13) auf 1 464. Früher lag sie oft über 2 000.

- Wildkaninchen: Die Zahl ging von 1 399 auf 1 295 zurück, lag jedoch 2004/05 schon einmal bei 681.

- Fasan: 1 315 Exemplare wurden jüngst geschossen, nach 1 759 in der Vorsaison. Vor rund zehn Jahren lag die Zahl bei knapp 3 000. - am

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