Im Kreis Unna arbeiten 90 angemeldete Prostituierte - Dunkelziffer höher

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Rund 90 Prostituierte sind offiziell angemeldet. Die Dunkelziffer liegt laut Kreis deutlich höher.

Werne – Im Zuge des seit Mitte 2017 geltenden Prostituiertenschutzgesetzes hat der Kreis Unna bereits sechs Bordellen den (Weiter-)Betrieb erlaubt. Überdies haben etwa 90 Personen, darunter eine geringe Anzahl von Männern, ihre Beschäftigung als Sex-Arbeiterinnen und Sex-Arbeiter angezeigt.

„Die Dunkelziffer ist aber vermutlich noch höher“, sagt Behördensprecher Max Rolke.

Mit dem neuen Gesetz soll die rechtliche Situation von Prostituierten gestärkt werden. Erstmals wurden auch umfassende Regeln für Prostitutionsbetriebe geschaffen. Insgesamt verzeichnete der Kreis Unna zwölf Erlaubnis-Anträge. Zwei wurden laut Rolke abgelehnt, zwei zurückgenommen, zwei seien noch in der Bearbeitung.

Bordelle „alle im Randbereich zu Dortmund“

Auf welche Kommunen sich die Sex-Betriebe verteilen, dazu wollte sich Rolke auf Anfrage nicht äußern. Sie befänden sich aber „alle im Randbereich zu Dortmund“, sagt er. Auf die Frage nach den Gründen für die beiden Ablehnungen antwortet der Behördensprecher allgemein. So seien Bordelle etwa nur in Gewerbegebieten erlaubt.

Im Zuge der Umsetzung des neuen Gesetzes hatte es eine Abfrage bei den Kommunen gegeben. Am Ende hätten sich weitgehend jene Betriebe gemeldet, von deren Existenz man dadurch erfahren habe, verdeutlicht Rolke. Die Zahl der Prostituierten, die im Kreis ihre Dienstleistungen anböten, sei aber vermutlich „deutlich höher“ als 90.

Misstrauen gegenüber Behörden

Bundesweit sei festzustellen, dass Prostituierte ihrer Pflicht zur Anzeigepflicht nicht nachkämen, so Rolke. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe angekündigt, hier nachzusteuern.

Auch im Kreis Unna ist das Misstrauen der Sex-Arbeiterinnen gegenüber Behörden offenbar stärker ausgeprägt. So nahmen laut Rolke „fast alle“ das Recht in Anspruch, sich unter einem Pseudonym anzumelden. Prostituierte, die ihrer Pflicht zur Anmeldung nach Aufforderung nicht nachkommen, müssen demnach mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Die Höhe der Bußgelder sei abhängig von der „Schwere der Tat“, so Rolke.

Neues Gesetz setzt auf Beratung

Die Prostitution ist in Deutschland seit vielen Jahrzehnten legal, wenn sie freiwillig und von volljährigen Personen ausgeübt wird. Mit Einführung des Prostitutionsgesetzes 2002 gilt sie auch nicht mehr als sittenwidrig. Im Zuge des neuen Prostituiertenschutzgesetzes sind Informations- und Beratungsgespräche sowie regelmäßige gesundheitliche Beratungen verpflichtend geworden.

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