Mit Ausbildung Karriere machen

Krankenpfleger-Engpass ist auch im Werner Krankenhaus ein Thema

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Noch hat das Klinikum Lünen/Werne und damit auch das St. Christophorus-Krankenhaus genügend Bewerber um Ausbildungsplätze in der Pflege. Dennoch werden es immer weniger.

Werne – Das St. Christophorus-Krankenhaus ist mit rund 450 Angestellten Wernes zweitgrößter Arbeitgeber. Von diesen Stellen entfallen rund 200 – und damit fast die Hälfte – auf Pflegekräfte. Das zeigt: Der Bedarf an Fachpersonal(-Nachwuchs) ist gegeben. Doch auch in Werne ist der Engpass ein Thema.

Die Bewerberzahlen für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger sind in Werne – wie auch im gesamten Bundesgebiet – rückläufig, sagt Pflegedienstleiterin Melanie Schneider. „Ich glaube, das liegt hauptsächlich an den sinkenden Geburtenzahlen einerseits und dem steigenden Bedarf an Pflegern andererseits“, so die 55-Jährige. 

Ein stressiger Berufsalltag, Schicht- und Wochenenddienste oder eine unverhältnismäßig geringe Vergütung mache sie nicht für den Engpass verantwortlich – zumindest nicht am St. Christophorus-Krankenhaus. „Unsere Azubis zahlen grundsätzlich kein Schulgeld, was nicht selbstverständlich ist, und erhalten schon im ersten Ausbildungsjahr rund 700 Euro netto.“  Mit jedem weiteren Jahr kämen etwa 150 Euro obendrauf, fertig examinierte Pflegekräfte würden nach Tarif mit etwa 2 000 Euro brutto vergütet. „Das ist aber auch immer über Zulagen für Schicht- oder Nachtdienste erweiterbar“, so Schneider. 

Aufstiegschancen sind da

Ein Vorurteil, dessen Beseitigung ihr besonders am Herzen liege und das immer mehr junge Schulabsolventen zum Studium hinziehe, bestehe in den mangelnden Aufstiegschancen für Menschen mit Ausbildung. „Ich selbst bin quasi das Gegenargument“, betont Schneider. 

Das St. Christophorus-Krankenhaus steht seit 1974 an seinem jetzigen Standort direkt am See.

Als Gesundheits- und Krankenpflegerin habe sie jahrelang selbst im OP gestanden. „Heute habe ich einen Bachelor-Titel im Pflege- und Gesundheitsmanagement, mache gerade meinen Master in Pflegepädagogik und bin seit 2011 Pflegedienstleitung hier am Krankenhaus.“ 

Wer wolle, könne sich (nach seiner Examinierung) am Christophorus-Krankenhaus in alle möglichen Richtungen fort- oder weiterbilden, „sofern Bedarf besteht. Wir bilden nicht nach Gutdünken Leute aus.“ 

„Arbeitslosigkeit muss kein Pfleger fürchten“

Mit der Zusatzausbildung zum Praxisanleiter dürfe man etwa selbst Azubis betreuen, als Wundmanager Behandlungsstrategien entwickeln oder nach der Management-Weiterbildung einen Posten als Stationsleitung übernehmen. „Aber auch ,normale’ Pfleger kümmern sich nicht nur um alte Menschen. Man findet sie ebenso in Operationssälen, der Intensivstation oder in der Neurochirurgie.“ 

Ein weiterer Pluspunkt für die Ausbildung: Beinahe jedem der stetig 150 Azubis im Klinikum Lünen/Werne werde nach dem Examen eine Stelle angeboten. „Arbeitslosigkeit muss kein Pfleger fürchten.“ Noch können Schneider und ihr Team jährlich ausreichend Bewerber gewinnen – unter anderem über Jahrespraktika, Freiwilligendienste oder Girls- und Boys-Days. 

"Wir merken, dass die Bewerberzahlen für Pflegeberufe auch hier stark zurückgehen", sagt Melanie Schneider, Pflegedienstleiterin am Krankenhaus Werne.

„Das macht wohl vor allem die familiäre Atmosphäre hier. Und mittags gemütlich am See zu essen, übt sicher auch einen gewissen Reiz aus“, bilanziert Schneider. Trotzdem freue sie sich immer über neue Interessenten. „Wir spüren den drohenden Fachkräfte-Engpass. Das will ich gar nicht beschönigen.“ 

Private Unternehmen würden oft zu wenig zahlen

Die Bemühungen seitens der Politik, Pflegeberufe aufzuwerten, begrüße sie grundsätzlich sehr – inklusive dem jüngst vorgestellten Maßnahmenpaket von Arbeitsminister Hubertus Heil, Familienministerin Franziska Giffey und Gesundheitsminister Jens Spahn. „Es wurde höchste Zeit, das Schulgeld für alle Pflege-Azubis abzuschaffen und einen verbindlichen, branchendeckenden Tarifvertrag in der Pflege einzuführen.“ 

Speziell private Unternehmen würden momentan nämlich oft viel zu wenig zahlen. Etwas „auf Kriegsfuß“ stehe sie persönlich damit, Fachkräfte aus dem Ausland abzuwerben. „Dort werden ebenso Pflegekräfte gebraucht wie hier.“ Spannend werde es nun insbesondere noch einmal ab 2020, wenn Alten- und Krankenpflege zu einem Ausbildungsberuf zusammengefasst werden (Infokasten). 

„Altenpfleger haben im Gegensatz zu Krankenpflegern aktuell noch Schwierigkeiten, im europäischen Ausland als Fachkräfte anerkannt zu werden. Das wird sich bald ändern.“

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