Bereit für eine dritte Amtszeit

Bürgermeisterwahl 2020: Lothar Christ will erneut kandidieren

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Sieht Erfolge und sucht Herausforderungen: Bürgermeister Lothar Christ will sich 2020 ein drittes Mal zur Wahl stellen.

Werne - Lothar Christ, parteiloser Bürgermeister der Stadt Werne, will sich bei den Kommunalwahlen 2020 erneut um dieses Amt bewerben. Das kündigt der 51-Jährige im Interview an, um das der WA ihn gebeten hatte. Der Anlass: Christ ist seit zehn Jahren im Amt.

Im Fall einer Wiederwahl am 13. September 2020 würde Christ seine dritte Amtszeit antreten. 2009 war der Volljurist und frühere Erste Beigeordnete erstmals gewählt worden, 2014 folgte die Bestätigung im Amt. Als Grund für seine neuerliche Kandidatur führt Christ an, dass es in der aktuellen politischen Konstellation gelungen sei, die Stadt weiter voranzubringen und wichtige Zukunftsprojekte anzustoßen. Zudem stehe man neuen Herausforderungen etwa durch die Digitalisierung gegenüber.

Hier das Interview im Wortlaut:

Zehn Jahre im Amt: Macht der Job als Bürgermeister eigentlich Spaß?
Ein eindeutiges Ja. Das ist einer der Berufe, in dem man am meisten gestalten kann und diese Gestaltung auch vor Ort sieht. Und er macht in Werne besonders viel Spaß. Ich möchte nicht überall Bürgermeister sein. Werne ist eine tolle Stadt, eine schöne Stadt, und die Bürgerinnen und Bürger sind sehr motiviert.

Und die vielen offiziellen Termine wie Spatenstiche, Feste und Jubiläen ...
Auch die sind reizvoll. Früher hatten wir ja eine Zweiteilung, den Bürgermeister als Repräsentanten und den Stadtdirektor an der Spitze der Verwaltung. In Wahrheit verzahnen sich die Ämter. Wenn man beide Ämter zugleich ausführt, kann man am besten die Position der Stadt vertreten. Ein Bürgermeister, der auf einem Fest auf eine inhaltliche Sache angesprochen wird, kann nur sagen: Ich leite sie weiter. Ein Stadtdirektor, der eine gute Sache einstielt, hält am Schluss nicht die Rede. 

In den zehn Jahren: Was sind aus Ihrer Sicht Ihre größten Erfolge? 
Ich glaube, Werne hat sich insgesamt extrem gut entwickelt. Ich nehme mal das Schul-Thema, um das zu verdeutlichen. Da haben wir einen außergewöhnlichen Weg gewählt. Es war sicherlich mutig, bei fünf Schulen in kommunaler Trägerschaft zwei neu zu bauen. An den anderen drei gab’s Anbauten und Sanierungen. Wir haben in den zehn Jahren rund 30 Millionen Euro in Schulen investiert. Dass alle fünf heute gesund sind und stabile Anmeldezahlen haben, bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

Seit zehn Jahren ist Lothar Christ im Amt.

Mit dem Regionale-Projekt wird sich Werne auch in den nächsten Jahren stark verändern ...
Das kann man sich gar nicht vor Augen führen, wenn man mit einen Schlag die Zusage erhält, Fördergelder in achtstelliger Höhe für eine städtebauliche Maßnahme zu bekommen. Das ist ein Riesenerfolg. Wir werden den gesamten Hornezug von der Feuerwehr bis zum Stadtsee neu gestalten. Das wertet unsere Stadt erheblich auf. 

Und die Fußgängerbrücke über die Münsterstraße kann verschwinden ...
Wir haben im Zuge des Regionale-Projekts zwei gewaltig wichtige Straßenumwidmungen erreichen können. Die Münsterstraße im inneren Stadtgebiet ist jetzt Gemeindestraße, Ovelgönne/Penningrode Kreisstraße. Der Kreis hat bereits zugesagt, dass er diese Straße sanieren will. Sie ist zu laut und auch zu groß ausgelegt. Das bedarf eines neuen Konzepts. Dieses dürfen wir in den nächsten Jahren vom Kreis erwarten. 

Wo hakt’s denn aus Ihrer Sicht in Werne?
Ich würde nicht sagen, dass es hakt. Wenn es etwas gibt, wo ich sage, das ist dauerhaft nicht ausreichend, dann ist es die Finanzausstattung. Wir brauchen als Kommune eine solide Finanzierung. Da gibt es Anzeichen vom Bund, dass man Unterstützung bekommt, die wir auch gerne entgegennehmen. Das reicht aber bei weitem noch nicht aus. Insgesamt möchte ich sagen: Es hakt nicht, wir haben Herausforderungen. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum und wir haben in der Innenstadt eine Entwicklung, die uns durchaus Sorgen bereitet.

Sie sprechen die Leerstände an?
Genau. Die sind aber kein Werner Phänomen, sondern ein landesweites. Wir versuchen gegenzusteuern und haben schon vor Jahren ein Veranstaltungsfeuerwerk gezündet. Das Straßenfestival ist ein tolles Beispiel für etwas völlig Neues, das man in einer Kleinstadt realisieren kann. Daneben kommen weitere Formate, mit denen wir die Innenstadt füllen. Das Problem ist damit aber noch nicht gelöst. Wir haben eine Veränderung in der Struktur der Innenstadt und werden in zehn Jahren nicht die gleichen Geschäfte haben wie heute. 

Zum Thema „Finanzen“: Wird es der Stadt wie erhofft gelingen, für 2020 einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren?
Wir haben die letzten Zahlen noch nicht und wir sind in hohem Maße abhängig vom Kreis, und der wiederum vom Landschaftsverband. Ich gehe jetzt aber davon aus, dass wir im nächsten Jahr aus der Haushaltssicherung heraus sind. Damit kann ich jedoch nicht die Hoffnung verbinden, dass wir keine Finanznöte mehr haben. Wir werden nach wie vor jeden Euro zweimal umdrehen müssen. An der Strategie, Werne gut aufzustellen und im kommunalen Wettbewerb besser zu positionieren, halten wir aber fest. Wir wollen Werne nicht kaputtsparen, sondern eine qualitativ hochwertige Stadt haben. 

Wird’s wieder einen Doppelhaushalt geben?
In der Tat planen wir, der Politik einen Doppelhaushalt vorzulegen. Das letzte Wort hat der Stadtrat. 

Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Entwicklung Wernes?
Wir sind 2009, zugegeben in einer Wirtschaftskrise, bei rund 7 400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in der Stadt gestartet, heute sind es 11 300. Wir hatten also eine Zunahme von rund 50 Prozent. Das ist eine weitaus größere Steigerung als im gesamten Kreis oder auch NRW- und deutschlandweit. Wenn wir uns deutlich besser entwickeln als andere Kommunen, können wir nicht so viel falsch gemacht haben. Bei den Arbeitslosenzahlen ist es genauso. Wir sind mit 4,7 Prozent erstmals seit Langem unter dem Bundesdurchschnitt. Das ist fast Vollbeschäftigung. 

Ist das Mehr an Beschäftigung vor allem auf die Neuansiedlungen zurückzuführen?
Wir haben in der Tat sehr gute Ansiedlungserfolge erzielt. Wahrbrink-West ist da natürlich unser Vorzeige-Gewerbegebiet. Wir sind sehr stolz darauf, dass es gelungen ist, Amazon langfristig in Werne zu halten. Erst am Freitag war ich beim Spatenstich für Euroroll dabei. Aber es gibt auch zahlreiche mittelständische Unternehmen, die sich erweitert haben, wodurch neue Jobs entstanden und bestehende gesichert wurden. Klingele und Rollex sind gute Beispiele. 

Werne hat seit April ein neues Solebad. Der Weg dahin war mühsam ...
Wir haben kein Problem ausgelassen, aber am Ende ein Solebad, auf das wir stolz sein können. Die Zahlen können uns wirklich sehr zufrieden stellen. Das Solebad ist ein Leuchtturmprojekt für die ganze Region. 

Gefällt Ihnen eigentlich das politische Klima in der Stadt?
Das politische Klima hier ist gut. Ich habe in einigen anderen Städten gearbeitet, da sieht’s zum Teil ganz anders aus. Hier gibt es mehr Miteinander als Gegeneinander und in weiten Teilen eine gute Zusammenarbeit. 

Sie sind parteilos und wurden bei den beiden zurückliegenden Bürgermeisterwahlen zunächst von CDU, SPD und FDP und dann von CDU und SPD unterstützt. Ist es aus Ihrer Sicht von Vorteil oder von Nachteil, jedermanns Freund zu sein?
Es geht nicht darum, jedermanns Freund zu sein. Es geht darum, dass man die gleiche politische Ausrichtung hat und versucht, mit guten Argumenten eine gute Basis für die anstehenden Entscheidungen zu schaffen. Das gelingt in ganz, ganz vielen Fällen – und das nicht nur mit den Unterstützerparteien. Da haben wir eine gute Kultur miteinander. 

Bei Abstimmungen im Rat – wie jüngst zum Stockumer Lehrschwimmbecken – legen Sie sich schon mal mit der größten Fraktion im Rat, der CDU, an. Sind die Christdemokraten dann nicht nachtragend?
Es kommt nicht darauf an und es ist auch nicht das Ziel, in allen politischen Fragestellungen exakt der gleichen Auffassung zu sein. Das erwartet auch keiner vom Bürgermeister. Es kommt vielmehr drauf an, eine Richtungsbestimmung vorzunehmen. Wenn wir in den Richtungen völlig unterschiedlich unterwegs wären, dann kann es zusammen kein gutes Werk ergeben. Das ist aber auch nicht der Fall. 

Sie sind Jurist: Hilft dieser Beruf dabei, Ihr Amt auszuüben?
Zweifelsohne ja. Natürlich mache ich keine juristischen Detailprüfungen mehr. Aber bei zwei Verwaltungsausbildungen und zwei Examina in Rechtswissenschaften macht mir keiner ein X für ein U vor.

Sie sind zunächst noch ein Jahr lang Bürgermeister: Haben Sie in dieser Zeit noch Besonderes vor?
Wir haben viele Projekte, die weiterentwickelt werden müssen, darunter „Werne neu verknüpft“. Und ich habe versprochen, der Wiehagen-Schulgemeinschaft eine gute Grundschule zu übergeben; das steht kurz bevor. Dann gibt’s noch zwei Themen, die ich auch persönlich voranbringen will: das zweite Gleis auf der Strecke Dortmund-Münster und die Strukturhilfe für den Wegfall der Kohleverstromung. Wir haben gute Chancen, in großer Höhe Fördermittel zu bekommen. Darum werden wir kämpfen. Ich möchte, dass man in Berlin erkennt, dass wir zwei Probleme haben: Wir gehören zu den Regionen, die Strukturhilfe dringend nötig haben, und wir brauchen unbedingt dieses zweite Gleis – auch mit Blick auf den Klimaschutz. 

Am 13.9.2020 sind die nächsten Kommunalwahlen: Werden Sie wieder antreten?
Ich habe gerade von den spannenden Herausforderungen gesprochen, zu denen natürlich auch der Klimaschutz, die Digitalisierung und die Förderung von Familien zählen, und davon, wie wir in der aktuellen Konstellation in den letzten Jahren gut vorangekommen sind. Wir sollten daher genau so weitermachen. Deshalb: Ja, ich werde mich auch für die kommende Wahlperiode für das Bürgermeisteramt bewerben. 

Können Sie wieder davon ausgehen, von den großen Parteien in Werne unterstützt zu werden?
Natürlich freue ich mich, wenn ich unterstützt werde. Aber da will ich nicht vorweggreifen. Die Parteien müssen sich erst aufstellen. Ich bin aber froh, dass wir in Werne noch nicht im Wahlmodus sind. 

Sie haben sich also noch keinen Rückhalt geholt?
Ich glaube, dass die Bürgerinnen und Bürger genau wissen, wie die Stadtspitze tickt und wie das Zusammenspiel zwischen Politik und Verwaltung aussieht. Und sie sehen, wie sich diese Stadt entwickelt hat. Das ist, glaube ich, eine gute Grundlage für eine Entscheidung. 

Rechnen Sie wieder mit einem Gegenkandidaten?
Das warte ich ab. Ich nehm’s, wie’s kommt. 

Im Vergleich zur Wahl 2009, als Sie 66,7 Prozent der Stimmen erhielten, stieg die Zustimmung 2014 auf 73,1 Prozent ...
Das stimmt einen zuversichtlich. Wenn man nach fünf Jahren eine Tendenz nach oben hat, kann’s so schlecht nicht gewesen sein. Wenn man es nicht schafft, die Mehrheit hinter sich zu haben, wäre man auch nicht zu Recht Bürgermeister.

Zur Person:

Lothar Christ ist verheiratet und hat drei Kinder zwischen 9 und 17 Jahren. Er wurde in Aurich geboren und wuchs in Emden auf. Bei der Stadt Emden absolvierte er Ausbildungen im mittleren und im gehobenen Verwaltungsdienst. Er studierte an der Fachhochschule für Verwaltung in Oldenburg und in Münster Rechtswissenschaften. Nach dem Jura-Studium und dem Referendariat in Münster arbeitete er als Rechtsrat und Fachbereichsleiter bei der Stadt Menden. 2003 wechselte er als Erster Beigeordneter zur Stadt Werne, in der er seit 2006 auch wohnt. Wenn sich der 51-Jährige in seiner Freizeit nicht der Familie widmet, spielt er gerne bei den Altherren des Werner SC Fußball. Bei den Bürgermeisterwahlen 2009 und 2014 hatte Christ jeweils mit Benedikt Striepens einen einzigen Gegenkandidaten. Der Grünen-Politiker war nach eigenem Bekunden auch deshalb zur Wahl angetreten, damit die Werner Bürger im demokratischen Sinne eine Auswahl haben.

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