Klinikum Lünen/Werne wappnet sich für Ernstfälle

Klinikchef erbost über Gesetzesentwurf: „Wir sind immer noch in Schockstarre"

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Das St. Christophorus Krankenhaus in Werne ist ein Standort des Katholischen Klinikums Lünen/Werne. 

Werne/Lünen – Im Katholischen Klinikum Lünen/Werne herrschte Fassungslosigkeit, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am vergangenen Wochenende einen ersten Gesetzesentwurf zur finanziellen Entlastung der Krankenhäuser in der Corona-Krise vorlegte. Mittlerweile kann aber wieder aufgeatmet werden, das NRW-Gesundheitsministerium sichert Unterstützung zu. Derweil ist das Klinikum startklar für viele Coronafälle. 

„Wir sind immer noch in Schockstarre über ein solches Gesetz, das Kliniken im Regen stehen lässt“, sagte Geschäftsführer Axel Weinand im Gespräch mit der Redaktion. Auch die Mittel in der mittlerweile überarbeiteten Fassung würden nicht ansatzweise reichen, so Weinand. „Die Nachbesserung reicht bei Weitem nicht aus, um ein Krankenhaus wirtschaftlich zu fahren.“ 

So koste beispielsweise ein leer stehendes Bett, das für einen Intensivpatienten freigehalten wird, pro Tag laut grober Kalkulation rund 850 bis 950 Euro. Spahns Gesetzesentwurf sieht hier lediglich eine Tagespauschale von 560 Euro vor. „Die Krankenhäuser waren aufgefordert, ihren Betrieb runterzufahren und Platz zu schaffen. Wir haben sofort angefangen, im hohen Tempo umzubauen“, beschreibt Weinand das frühere Stadium, in dem sich die Kliniken auf Covid-19-Patienten vorbereitet hatten. Dann sei der „Schlag in die Magengrube“ gekommen.

Coronavirus: Tägliche Konferenzen in Werne und Lünen

Mittlerweile könne das Team des Klinikums mit Standorten in Werne und Lünen aber wieder aufatmen: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat in einem Schreiben zugesichert, kein Krankenhaus in NRW solle Sorgen um eine Insolvenz haben. „Das nehmen wir jetzt wörtlich und haben unseren Kopf ein wenig freier“, so Weinand, der für das Eingreifen von Laumann ein großes Lob aussprechen wolle.

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Einen freien Kopf benötigen die Klinikmitarbeiter auch. Täglich tagt laut Weinand der standortübergreifende Covid-Koordinationsstab per Videokonferenz. Im St.-Marien-Hospital Lünen mit eigenem Bereich für Infektionskrankheiten seien bereits Covid-Patienten in Behandlung, berichtet Weinand. „Das ist jetzt der Zeitpunkt, an dem wir sagen: Gut, dass es uns gibt. Wir haben auf die Patienten gewartet, jetzt kommen sie so langsam und wir sind gut darauf vorbereitet.“

Babys in Lünen erblicken weiter das Licht der Welt

Der Geschäftsführer betont auch noch einmal, dass ein Krankenhaus wohl der Corona-sicherste Ort sei, den es gebe – vor allem mit Blick auf werdende Mütter und Väter. Denn im Marien-Hospital in Lünen werden weiterhin Babys geboren.

„Das ist ein Lichtblick und das macht uns glücklich“, so Weinand. Werdende Mütter könnten für eine Entbindung ins Krankenhaus kommen und das generelle Besuchsverbot gelte beispielsweise nicht für die werdenden Väter. Die Ausnahmeregelung: eine der Mutter nahestehende Begleitperson pro Tag ist erlaubt. Dies gelte auch für die Entbindung.

Mit einem Augenzwinkern schiebt das Marien-Hospital auf ihrer Facebook-Seite noch hinterher: „Und weil das Leben derzeit eingeschränkt ist und es nur wenige Freizeitmöglichkeiten gibt, freuen wir uns jetzt schon auf ganz viele neue Babys in 9 Monaten.“

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