Geheimrezept zum perfekten Kino-Erlebnis

Kleinstadtkino mit großem Charme: Was ist das Geheimnis des Werner Capitols?

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Kino 1 ist das Aushängeschild des Capitol Cinema Centers: Denn es bietet den berühmten Biedienservice auf Knopfdruck. Ab Mitte August wird hier renoviert.

Werne - Kino ist mehr als nur ein guter Blockbuster oder die ewige Frage nach Popcorn oder Nachos. Jutta und Wido Wagner, die Betreiber vom Capitol Cinema Center in Werne, wissen das. Sie machen seit 30 Jahren zusammen Kino – und verraten, was ihres so besonders macht.

Zugegeben: Besonders günstig liegt das Capitol Cinema Center mit Blick auf die Kino-Landschaft im nahen Umkreis nicht gerade. Trotzdem hält sich das Capitol Cinema Center (damals nur „Capitol“) seit seiner Eröffnung im Jahr 1958 an der Alten Münsterstraße, eigentlich sogar davor schon über 20 Jahre lang als Anhängsel einer kleinen Familienkneipe der Wagners. Warum? 

Die Betreiber 

Jutta und Wido Wagner (50 und 51 Jahre alt) sind ein echtes Dreamteam: seit 25 Jahren verheiratet, seit fast 30 Jahren gemeinsam im Werner Kino zuhause. Jeder hier kennt sie, jeder liebt sie. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. „Wir haben ein tolles Publikum, mit dem es sich super quatschen und herumalbern lässt“, lobt Jutta Wagner. 

Viele Gäste würden besonders jenes familiäre Flair zu schätzen wissen, das dem Werner Kleinstadtkino innewohnt. Dabei ist das Capitol Cinema Center seit seinem Bestehen bereits ordentlich gewachsen: zunächst im Jahr 1979 durch die Teilung von einem auf drei Kino-Säle, dann mit dem Anbau der Kinos 4 und 5 zur Jahrtausendwende. 

Jutta und Wido Wagner sitzen im Kino am liebsten in der ersten Reihe. Und als Leiter-Duo des Capitol Cinema Centers müssen sie ja schließlich wissen, wovon sie sprechen. Seit nunmehr 30 Jahren verleihen sie dem Werner Kleinstadtkino gemeinsam seinen ganz besonderen Zauber.

„Hier geht man trotzdem nicht so schnell verloren, das stimmt schon. Dafür nehmen wir es vielleicht auch ein bisschen persönlicher, wenn jemand auf unseren liebevoll ausgewählten Sitzen rumturnt“, so die Kinobetreiberin. 

Ihr Job mache sie und auch ihren Mann – dem Kino wahrhaft im Blut liegt – nach wie vor glücklich. „Auch, wenn wir mittlerweile froh über unseren Ruhetag sind und es selbst nie schaffen, einen Kinofilm in voller Länge zu schauen“, scherzt Wido Wagner. 

Dafür kümmern sich die beiden ständig darum, ihren Besuchern ein unvergessliches Kino-Erlebnis zu bereiten. „Ich glaube schon, dass die Leute genießen, hier so umsorgt zu werden. Und, dass uns das durchaus von größeren Kinos abhebt“, sind sich Jutta und Wido Wagner einig. 

Ihre treue Werner Kundschaft, aber auch der konstante Zulauf aus Bergkamen, Hamm, Kamen und Lünen, geben den beiden recht. Ihre rund 20 Mitarbeiter hätten ebenfalls noch nie gestreikt, sagt Wido Wagner. 

Der Service 

Das Aushängeschild des Capitol Cinema Centers ist sein Kinosaal 1. Aber nicht etwa wegen der bequemen Sessel oder der riesigen Leinwand. Rechts neben den Zuschauerreihen steht eine eigene Theke inklusive Popcorn, Nachos und Kaltgetränken. 

Das Beste: Wer während des Films Nachschub braucht, muss nicht einmal aufstehen. Ein gezielter Knopfdruck reicht und der Bedienservice kommt vorbei, um Bestellungen aufzunehmen. „Diese kleine Zusatzleistung macht uns meines Wissens nach einzigartig“, sagt Wido Wagner. 

Wer in seinem Kino einen Kaffee ordert, erhält außerdem ein kleines Schälchen Popcorn anstelle vomklassischen Keks dazu. „Popcorn schmeckt super zum Kaffee, aber man muss es wohl ausprobieren, um mir zu glauben“, verrät Jutta Wagner lachend. Den Bedienservice soll es übrigens auch nach der Renovierung von Kino 1 (Infokasten) geben. 

Das Flair 

Im Capitol Cinema Center gleicht kein Kinosaal dem anderen. Während Kino 2 (49 Plätze) mit braunen Flugzeug-Sesseln und jeder Menge Bergbau-Charme daherkommt, besticht Kino 3 (39 Plätze) als authentisch-gemütliche Hommage an die 1950er-Jahre. 

„Wir haben sogar einige Kinosessel aus dieser Zeit aufpolstern lassen“, sagt Jutta Wagner. Ebenso viel Detailverliebtheit strahlen die beiden Kinosäle im Neubau aus: Kino 4 mit seinen lila Sitzen und dem blau-glitzernden Vorhang, Kino 5 als Äquivalent in grün. 

Die Kulinarik 

Heimatverbunden, nachhaltig, experimentierfreudig: So steht es im Werner Kino hinter der Theke. Das Malzbier kommt aus Münster, die Brause aus Hamm und die Kola vielleicht ebenfalls schon bald aus der näheren Umgenung – aber immer in der Glasflasche. „Ein wenig auf die Umwelt zu achten, ist uns sehr wichtig. 

Deswegen haben unsere Eintrittskarten auch trotz Thermo-Papier die kleinstmögliche Größe“, sagt Jutta Wagner. Zudem könne man lokale Händler und Kleinunternehmer ruhig unterstützen, findet Wido Wagner. „Auf Nestlé-Produkte wollen wir weitestgehend verzichten.“ 

In puncto Snacks belassen es die Wagners allerdings bei der klassischen Kino-Dreieinigkeit: Popcorn, Nachos, Eiscreme. 

Das Gesamtpaket 

Am Ende ist das Geheimrezept für ein erfolgreiches Kleinstadtkino gar nicht so geheim: viel harte Arbeit. Und Freude an viel harter Arbeit. „Als Betreiber eines Kinos wird man nicht reich. Aber es ist auch ein ganz besonderer Ort, an dem ich seit meiner Kindheit gerne bin“, fasst es Wido Wagner zusammen.

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