Kinder- und Jugendhospizdienst

Kinder bis in den Tod begleiten: Eine Ehrenamtliche erzählt

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Mit dem kranken Kind Zeit verbringen, die Eltern entlasten und sich um Geschwister kümmern: Das sind die Aufgaben von Silke Lenkeit beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.

Werne – Seit fünf Monaten ist Silke Lenkeit als ehrenamtliche Kinderhospizbegleiterin tätig. Drei Stunden in der Woche begleitet sie eine Familie, die ein Kind mit einer lebensverkürzenden Krankheit hat. „Diese Aufgabe ist eine große Bereicherung für mein Leben“, sagt sie.

Anfang des Jahres nahm die dreifache Mutter, die Geschäftsführerin des Ortsverbandes der Grünen in Lünen ist, am sogenannten Befähigungskurs teil. Dabei wurden zehn Interessierte auf die Aufgaben beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen vorbereitet, der auch Familien in Werne betreut.

„Ich habe drei gesunde Töchter und das ist ein großes Geschenk. Dazu hatte ich schon länger geplant, mich ehrenamtlich zu engagieren. Da war die Entscheidung naheliegend, über den Kinder- und Jugendhospizdienst die Familien zu unterstützen, die nicht ein so großes Glück hatten wie ich“, erklärt Lenkeit ihre Entscheidung.

„Kein Ehrenamt, dass man mal so zwischendurch macht"

Über vier Monate lernte sie innerhalb des Kurses alle Möglichkeiten der Begleitung von unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen kennen. „Das ist kein Ehrenamt, das man mal so zwischendurch macht. Daher ist die Schulung auch nicht mit einem Wochenendseminar zu vergleichen“, stellt die dreifache Mutter fest. 

Meist stand in den Monaten ein Termin während der Woche und an den Wochenenden an. Neben Wissenswertem auf der theoretischen Ebene erfuhren die Teilnehmer ebenso durch Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern viel über mögliche Einsatzbereiche. „Man kann mit dem erkrankten Kind Zeit verbringen und die Eltern so etwas entlasten. Oder aber man kümmert sich um Geschwisterkinder, die sonst vielleicht etwas zu kurz kommen, weil sich alles um das erkrankte Kind dreht“, erklärt die 54-Jährige. 

Schließlich gibt es Einsatzbereiche bei der Öffentlichkeitsarbeit oder im Büro des Vereins. Lenkeit selbst ist in den drei Stunden in der Woche, die sie bei der Familie verbringt, mit dem Kind unterwegs, das mehrfach schwerstbehindert ist und weder laufen noch sprechen kann. „Wenn das Wetter gut ist, sind wir viel draußen unterwegs, besuchen einen Spielplatz oder legen uns einfach nur auf die Wiese. Es sind also keine therapeutischen Aufgaben, die wir erfüllen. Statt dessen geben wir etwas von unserer Zeit ab, um die Eltern zu entlasten.“ 

Unterstützung auch über Jahre

Die Dauer der Begleitung der jeweiligen Familie ist unterschiedlich lang und kann von der Diagnosestellung bis zur letzten Lebensphase dauern. „Viele haben beim Begriff Hospiz fälschlicherweise im Kopf, dass es sich dabei lediglich um eine Begleitung der letzten Wochen und Tage handelt.“ Einige Familien in Lünen, Werne, Selm und Bork werden schon seit mehreren Jahren unterstützt. 

Die Familien, in denen die vorbereiteten Ehrenamtlichen zum Einsatz kommen, werden alles nicht zufällig ausgesucht. So finden nach den Befähigungskursen individuelle Gespräche mit den Koordinatorinnen des Vereins statt, bei denen passgenaue Angebote für beide Seiten gesucht und gefunden werden. 

Auch die da getroffene Auswahl ist nicht verbindlich, so haben Familie und Ehrenamtler Zeit, sich kennenzulernen und zu sehen, ob alles passt. „Denn letztlich müssen beide Seiten sich damit wohl fühlen“, stellt die Ehrenamtliche klar. Sie selbst hat ihre Entscheidung noch nicht eine Sekunde bereut: „Ich persönlich bin herzlich und offen aufgenommen worden. Ich fühle mich total wohl. Ich gebe Zeit und bekomme ganz viel zurück. Dazu wächst man schon ein Stück weit zusammen.“ 

Silke Lenkeit unterstützt eine Familie, die ein Kind mit lebensverkürzender Krankheit hat.

Für Lenkeit ist es zudem ein beruhigendes Gefühl, auch im Falle des Falles einen Ansprechpartner zu haben. „Wenn ich mit einer Situation nicht zurechtkomme, oder mir über Dinge Gedanken mache, die mich belasten, dann ist immer jemand da, der begleitend zur Seite steht.“ Die Beschäftigung mit dem kranken Kind hat auch Auswirkungen auf ihre eigene Familie. So habe sie viel mit ihren drei Töchtern über ihre freiwillige Arbeit geredet und damit auch über das Thema „Tod“ gesprochen.

„Das ist ja sonst eher nicht Thema, obwohl eine Auseinandersetzung damit wichtig ist“, so Lenkeit. Aktuell sind 27 Ehrenamtliche im Einsatz, um sich um 13 Familien mit erkrankten Kindern zu kümmern. Drei dieser Familien wohnen in Werne. Lenkeit sagt: „Jedem der immer mal damit geliebäugelt hat, das zu tun, kann ich nur empfehlen, es auszuprobieren“.

Info-Abend am 30. Oktober

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen, der auch für Familien in Werne zuständig ist, lädt am 30. Oktober ab 19 Uhr zu einem Info-Abend ein. Interessierte, die gerne ehrenamtlich mitarbeiten möchten, um Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind zu begleiten, sind willkommen. Als Vorbereitung auf diese Aufgabe wird jeder Ehrenamtliche im Rahmen eines sogenannten Befähigungskurses qualifiziert. Der nächste Kurs findet vom 22. Januar bis 13. Mai 2020 statt. Im Rahmen des Info-Abends im Büro an der Cappenberger Straße 51b (Alte Kaffeerösterei) sollen alle wichtigen Fragen zu möglichen Einsatzbereichen und Tätigkeiten beantwortet werden.

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