Kein Neubaugebiet zwischen Loh- und Ackerstraße: Stadt arbeitet an Alternative

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Auf dieser Fläche zwischen Loh- und Ackerstraße sollte ein nächstes größeres Wohnquartier entstehen. Die Pläne sind gescheitert. Die Stadt fand keine Einigung mit dem Eigentümer. Nun will sie andernorts aktiv werden.

Werne - Die Stadt Werne hat die Planungen für ein Neubaugebiet im Karree Fürstenhof, Münsterstraße, Loh- und Ackerstraße gestoppt. Bei den Verhandlungen mit dem Eigentümer sei es zu keiner Einigung gekommen, heißt es. Und: Man arbeite an einem alternativen neuen Wohnquartier.

Schlechte Zeiten für Häuslebauer in Werne: Zurzeit kann die Stadt kein einziges Baugrundstück anbieten, und der freie Markt ist nahezu leer gefegt. Auf der anderen Seite sind durch die Errichtung von etlichen Mehrfamilienhäusern in integrierter Lage rund 150 neue Wohneinheiten entstanden oder werden in absehbarer Zeit bezugsfertig sein. 

Eigenheime für Familien werden derzeit fast nur noch im Bereich Bellingholz/Ost gebaut. Dass Bauland rar ist, sei auch für die Stadt eine „unbefriedigende Situation“, räumt Planungsdezernent Ralf Bülte ein. In Kürze aber könne man womöglich mit den Planungen für ein größeres Neubaugebiet an die Öffentlichkeit treten. 

Neues Wohnquartier

Ende 2016 hatte die Politik die Verwaltung beauftragt, ein neues Wohnquartier zu entwickeln. Das Problem: Die Stadt verfügt über kein eigenes Grundstück, um solch Großprojekt zu realisieren. Auf der Prioritätenliste stand zunächst das 5,8 Hektar große Areal im Karree Fürstenhof, Münsterstraße, Loh- und Ackerstraße. „Die Verkaufsverhandlungen mit dem Eigentümer sind aber gescheitert“, berichtet Bülte. Nun wende man sich einer anderen Fläche zu, wobei hier gleich mehrere Eigentümer Ansprechpartner seien. „Wir müssen liefern“, konstatiert Bülte grundsätzlich zum Thema Neubaugebiete.

Schürmanns Wiese

Entspannung auf dem Immobilienmarkt hätte bereits das Baugebiet „Schürmanns Wiese“ in Stockum mit rund 30 Wohneinheiten in Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern bringen sollen. Doch die vor vier Jahren begonnenen Planungen sind noch nicht beendet. Die Probleme mit dem Lärmschutz in Richtung Bürgerhaus sind zwar behoben, der Kreis Unna aber hatte jüngst eine Änderung bei der Umsiedlung der im Gebiet lebenden Steinkäuze eingefordert. „Wir sind jetzt auf der Zielgeraden, müssen die Pläne aber noch einmal auslegen“, kündigt Gabriele Stolbrink an, Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung/Stadtplanung. Man hoffe, dass der Projektträger Anfang 2020 mit den Erschließungsarbeiten beginnen könne.

Brevingstraße 

Hier entstehen durch den Bauträger „Wilczek Immobilien Management GmbH“ aus Hamm 24 öffentlich geförderte Miet-Reihenhäuser sowie vier Bungalows. Mit dem Projekt kommt die Stadt dem politischen Beschluss nach, pro Jahr 20 Wohnungen mit Sozialmiete zu schaffen.

Umnutzung 

Im September haben die Stadtplaner vom Baudezernat den Auftrag erhalten, Ideen für städtische Grundstücke mit Gebäuden zu entwickeln, die nicht mehr oder in absehbarer Zeit nicht mehr genutzt werden. Das betrifft die Standorte der Wiehagenschule, für die ein Neubau an der Stockumer Straße entsteht, die Standorte der ehemaligen Wienbredeschule, der früheren Barbaraschule, der Ex-Steintorschule und der Jahnturnhalle. Mitte des Jahres wollen Bülte und Stolbrink ein erstes Papier dazu vorlegen. Bis dahin werden unter anderem Wohntypen für die jeweiligen Grundstücke benannt, aber auch Erschließungs-, Entwässerungs- und Finanzierungsfragen geklärt. Ein Baugebiet, in dem klassische Einfamilienhäuser entstehen könnten, wäre laut der Planer wohl nur auf dem Gelände der Barbaraschule möglich. Die Ex-Steintorschule, so der Wunsch der Politik, soll mit dem angrenzenden Privat-Areal zusammen entwickelt werden. Hierzu laufen aktuell Gespräche.

Wohnen an den Linden 

Am Montag soll im Rat der Satzungsbeschluss fürs Mehrgenerationen-Projekt „Gemeinsam Wohnen an den Linden“ (Ecke Becklohhof/Fürstenhof) fallen. Dann besteht Baurecht für insgesamt 33 Eigentumswohnungen. Dass hier in energiebewusster Bauweise Wernes erste Klimaschutzsiedlung entsteht, freut den Stadtplaner Bülte: „Das ist langfristig eine super Sache.“

Mehrfamilienhäuser 

Neben dem Mehrgenerationen-Haus sind in bestehenden Wohngebieten zahlreiche Mehrfamilienhäuser entstanden oder werden gebaut – etwa an der Berliner Straße, am Heckhof, am Grafenweg oder an der Robert-Koch-Straße. Diese Nachverdichtung wird in den Nachbarschaften nicht immer gern gesehen. Bülte aber weist auf den geringen Flächenverbrauch hin: „Jedes Bauprojekt in integrierter Lage trägt dazu bei, den Außenbereich zu schützen“, sagt er. Überdies böten derlei Objekte älteren Menschen die Möglichkeit, in barrierefreie und zukunftsfähige (Eigentums)Wohnungen in Innenstadtnähe zu ziehen. Die frei werdenden Häuser in den Siedlungen könnten dann energetisch saniert und etwa von jungen Familien übernommen werden.

„Jung kauft Alt“ 

Mit diesem Programm unterstützt die Stadt Werne Menschen, die ältere Wohngebäude erwerben – mit dem Ziel, dass Siedlungen nicht irgendwann verwaisen. Das Programm läuft Ende des Jahres aus, falls es von der Politik nicht verlängert wird. Auch 2019 stehen 50.000 Euro zur Verfügung. Einzelpersonen können bis zu 3.000 Euro erhalten, Familien bis zu 5.000 Euro. „Uns liegen schon fünf Anträge vor“, sagt Stolbrink. Die 50.000 Euro von 2018 verteilen sich auf rund ein Dutzend Antragsteller.

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