Chippen ist eigentlich Pflicht

Katzen-Opa gefunden: Ohne Chip wenig Chancen aufs Zuhause

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Dieser Fundkater ist kastriert, aber nicht gechippt. Zurzeit wartet er im Unnaer Tierheim auf seinen Besitzer.

Allein über soziale Netzwerke suchen Haustierbesitzer täglich nach ihren vermissten Katzen. Einziges Hilfsmittel: Fotos oder ungenaue Beschreibungen von Fellfarbe und Maserung. Dabei könnte ein kleiner Mikrochip unterm Katzenfell die Wiedersehenschancen ungemein erhöhen - so auch bei dem Kater, der in Werne gefunden wurde und im Tierheim vergeblich auf seinen Besitzer wartet.

Werne - Es ist ein normaler Freitag, als Rafaela Schützner auf der B54 in Richtung Werne ein kleines Fellknäuel auf der Fahrbahn entdeckt. Schützner – selbst Katzenbesitzerin – hält an, um der orientierungslosen Katze zu helfen. „Sie war vollkommen verängstigt und offensichtlich komplett orientierungslos, also habe sich sie mir unter den Arm geklemmt und mitgenommen.“ 

Der Besuch beim Tierarzt zeigt: Schützner hat einen älteren Katzenherrn aufgegabelt, kastriert, verfloht, ohne Mikrochip. „Heißt: Der Besitzer ließ sich auf Anhieb leider nicht ermitteln. Deshalb muss der Kleine jetzt im Unnaer Tierheim darauf warten, abgeholt zu werden“, so Schützner. Bei ihr zuhause wohne nämlich bereits eine Findelkatze, für die sie Verantwortung und Tierarztkosten übernehme. Fälle wie dieser sind keine Ausnahme, bestätigt Tierärztin Karen Zurmühlen. 

Einsetzen des Mikrochips dauert wenige Minuten

„Für Katzen mit Freilauf ist es seit gut einem Jahr Pflicht, kastriert, gechippt und bei einem Haustierregister wie ,Tasso’ registriert zu sein. Trotzdem stößt insbesondere unser tierärztlicher Rat, die Tiere chippen zu lassen, leider nicht auf allzu fruchtbaren Boden.“ 

Sie selbst wundere sich darüber, insbesondere, weil die allermeisten Besitzer ihre Katzen allein aus Eigeninteresse kastrieren ließen. „Den winzigen Mikrochip einzusetzen, kostet mich wenige zusätzliche Minuten. Das Tier ist ja eh schon narkotisiert. Und schädlich ist das Chippen auch nicht.“ 

Ganz im Gegenteil: Der Transponder verwachse in der Regel sofort mit der Unterhaut und lasse sich anschließend von Tierärzten oder Institutionen mit entsprechendem Gerät auslesen. Trotzdem: „Ich glaube, dass uns über die Hälfte aller Freigängerkatzen durch geht. Viele sehen die Notwendigkeit einer Registrierung nicht ein“, so Zurmühlen. 

Verordnung schreibt vor: Kastrieren, chippen und registrieren

Konkret gilt seit dem 1. Januar 2018 im gesamten Kreis Unna eine sogenannte „Katzenschutzverordnung“, die vorschreibt, Katzen mit Auslauf – und sei es nur im heimischen Garten – kastrieren, chippen und registrieren zu lassen. Ebenso dürfen Tierschutzvereine frei herumlaufende oder streunende Katzen kastrieren und chippen. „Wie viele Privatpersonen ihr Tier chippen lassen, können wir leider nicht sagen, da es nicht meldepflichtig ist“, sagt die amtliche Tierärztin Dr. Schönfelder vom Kreis Unna. 

Lokale Tierschutzvereine hingegen hätten bis Mitte 2019 schon dutzende Katzen mit dem praktischen Mikrochip ausgestattet: „534 Kennzeichnungen und Kastrationen sind nicht enorm viel, aber auch nicht wenig“, bilanziert sie. Bußgelder infolge von Verstößen gegen die Katzenschutzverordnung seien bis heute nicht verhängt worden. 

„Verfahren sind derzeit aber anhängig“, so Schönfelder. Ein möglicher Grund für die mangelnde Bereitschaft zum Mikrochip seien sicherlich Bedenken zum Datenschutz. Unberechtigterweise, wie Zurmühlen erklärt: „Erst einmal hat gar nicht jeder ein Lesegerät. Und zweitens enthält der Mikrochip keinerlei persönliche Daten über den Besitzer, sondern lediglich einen individuellen Barcode samt entsprechender Nummer, die im Heimtierpass und etwa bei ,Tasso’ im Zuge der Registrierung hinterlegt werden.“ Verwechslungsgefahr ausgeschlossen. 

Eine weitere Intention fürs „Nein“ zum Chip: Besitzer, die ihre Katzen aussetzen, wollen nur selten, dass sie zu ihnen zurückkehren. Im Unnaer Kreistierheim fristen momentan 29 Katzen ein Halter-loses Dasein, davon 13 Fundtiere. „Die meisten müssen neu vermittelt werden. Dass sich jemand bei uns meldet und sein Tier wieder abholt, ist selten“, erzählt auch Schönfelder. 

Im Tierheim würden die Katzen dann auch regelmäßig vor der Weitervermittlung gechippt und kastriert. Eine gute Nachricht: In den laufenden Sommerferien seien nicht allzu viele Neuzugänge im Tierheim eingezogen. Für ihren kleinen Werner Fundkater hat Rafaela Schützner die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Trotz Flöhen schien er keine Angst vor Menschen zu haben. Im besten Fall vermisst ihn jemand und sucht fleißig nach ihm.“

Infos zum Fundkater 

Der oben genannte Kater ist schwarz-weiß gemustert, kastriert und nicht mehr der Jüngste. Sein Besitzer kann sich im Unnaer Tierheim unter Tel. 02303/69505 melden. Die Öffnungszeiten sind online unter www.kreis-unna.de (Suchwort: Tierheim) einsehbar.

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