Am Katharinenweg wächst der 160 Meter hohe Turm fürs Windrad

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Lars Schmidt betreut das Projekt als Bauleiter der BBWind.

Werne - Am Katharinenweg ist das erste Segment für das Windrad der „Olde Feld GmbH“ gesetzt. Bevor in 160 Metern Höhe der Rotor montiert werden kann, müssen noch über 30 Beton- und Stahlteile für die 4,2 Megawatt-Anlage zusammengesetzt werden. Im Oktober soll die Windmühle sich drehen und Strom liefern.

Das Prinzip kennt jeder seit dem Krabbelalter: Die Klötzchen der Größe und Farbe nach sortieren, ordentlich aufeinanderstapeln und mit Fingerspitzengefühl das letzte so obendrauf, dass bloß nichts wackelt. Doch wenn der Turm 160 Meter hoch wird, aus zig Tonnen schweren Beton- und Stahlteilen besteht und an der Spitze einen mächtigen Propeller tragen muss, dann ist es eben kein Kinderspiel, sondern ein Job für schwindelfreie Profis, wie sie am Katharinenweg tätig sind. 

Dort setzen Fachleute der Bauunternehmung Oehm und des Herstellers Enercon Stück für Stück das Windrad der „Olde Feld GmbH“ zusammen. Das erste Segment mit gut zehn Metern Durchmesser ist auf dem Fundament platziert. Zwei Wochen nach Anlieferung der ersten Teile per Schwertransport stehen die nächsten Ringe für die Montage bereit, wie Ingenieur Lars Schmidt erläutert. Er ist Bauleiter bei der „Bäuerliche Bürgerwind GmbH“ (BBWind), die als Partner der „Olde Feld GmbH“ vier örtlicher Landwirte das Projekt vom Genehmigungsverfahren bis zum Bau begleitet.

Ein Turm aus 29 Betonteilen

„Im Oktober wollen wir ans Netz“, sagt Schmidt. Das erscheint dem Laien ehrgeizig, weil auf der Baustelle neben der Autobahn gerade keine Eile erkennbar ist. Der 600-Tonnen-Kran rührt sich nicht, die nächsten Schwertransporte stehen in gebührendem Abstand auf dem mit Schotter und Stahlplatten für die außergewöhnlichen Lasten ertüchtigten Feldweg bereit, um am aufwändig abgesperrten Kranplatz die nächsten Teile abzuliefern. Stück für Stück geht es also voran. 

Windrad am Katharinenweg wächst 

„Die unteren Betonsegmente sind Halbschalen, die vor Ort zu einem Ring zusammengesetzt werden“, erläutert der Ingenieur. In voller Breite wären sie kaum transportierbar. 29 solcher Betonteile werden zusammengesetzt, dann ist der Turm laut Zeitplan Ende August 106 Meter hoch. „Darauf werden noch vier Stahlsektionen mit einer Gesamtlänge von 48 Metern montiert. An der obersten beträgt der Durchmesser noch vier Meter“, so Schmidt. Damit sind auch die Möglichkeiten des Krans mit 120 Metern Auslegerhöhe erschöpft. 

Um den Turm zu vollenden, wird das Gerät gegen einen großen Bruder ausgetauscht, dessen Arm bis zu 185 Meter in die Höhe reicht. Mit diesem Koloss wird auch die Gondel zuoberst auf das Bauwerk gesetzt. Darin befindet sich vormontiert der Generator mit 4,2 Megawatt Leistung samt allem, was zur Stromerzeugung benötigt wird. Zuletzt werden in luftiger Höhe die drei gut 70 Meter langen Rotorflügel montiert, die der Anlage Typ E 141 wegen des Rotordurchmessers von 141 Metern ihren Namen verleihen. 

Litzenverspannung hält Teile zusammen 

Bleibt noch die Frage, was getan werden muss, damit das Werk nicht einstürzt wie im Kinderzimmer: „Die Segmente werden von innen mit Litzen verspannt. Das sind kunststoffummantelte Stahlbänder, die man sich vorstellen muss, wie einen langen Spanngurt“, erläutert der Bauleiter. Sie werden von oben herabgelassen und im Spannkeller unter dem Turm festgezogen. Damit steht der wie die sprichwörtliche Eins. 

Schließlich muss von 160 Metern Nabenhöhe noch das Kabel vom Generator zum Transformator am Boden gezogen werden. Aber das ist noch das kurze Ende. „Der zugewiesene Netzeinspeisepunkt befindet sich am Kreisverkehr Nordlippestraße/B 54“, berichtet Schmidt. „Bis dahin müssen gut 4,5 Kilometer Erdkabel verlegt werden.“ In das Grün zwischen Kreisel und dem Anrainer Plaß wird eine Übergabestation gesetzt, um eine Verbindung zum Ortsnetz auf 10-Kilo-Volt-Ebene zu schaffen. 

Wenn sich dann die Flügel zur Windernte drehen, produziert die Bürgerenergiegesellschaft „Olde Feld“ abgasfrei pro Jahr soviel Strom, wie etwa 3 200 Drei-Personen-Haushalte benötigen. Dafür nehmen die Investoren laut Geschäftsführung fünf bis sechs Millionen Euro in die Hand. Ein konventionelles Kraftwerk würde dafür laut Hersteller 6 000 Tonnen CO2 in die Luft blasen.

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