Hof Schulze Blasum

Kartoffeln zum Selberernten in Stockum: Resonanz ist noch ausbaufähig

+
Johannes Laurenz baut in der Nähe des Hofes Schulze Blasum in Stockum die Sorte Allians, eine festkochende Kartoffel, an. Wie auch bei Erdbeeren, Mais und Bohnen, die der Hof saisonal anbietet, können Kunden hier in den nächsten rund drei Wochen noch selbst ernten.

Stockum – Erdbeeren zum Selberpflücken sind auf dem Hof Schulze Blasum beliebt. Auch Süßmais und Buschbohnen können von den Interessenten selbst geerntet werden. Seit 2018 gibt es diese Möglichkeit auch im Bereich der Kartoffeln – die Resonanz auf dieses Angebot ist allerdings noch ausbaufähig.

Regionale Lebensmittel sind politisch und medial betrachtet ein Trendthema. Doch so ganz kommt die scheinbar große Nachfrage offenbar nicht immer bei den Landwirten an. „Das Selberernten ist ein wichtiges Konzept des Hofes, daher haben wir die Kartoffeln auch in unser Portfolio aufgenommen“, erklärt Johannes Laurenz. 

Der Start im vergangenen Jahr war bescheiden, was auch mit der langen Trockenheit zusammenhing. „Die Kartoffeln waren sehr klein, sodass wir die Ernte am Ende fast verschenken mussten, um sie loszuwerden“, erinnert sich der Landwirt. In diesem Jahr ist die Ernte besser. Nicht etwa weil das Wetter bessere Bedingungen für das Wachstum der Nutzpflanze geboten hat, sondern weil auf der ein Hektar großen Fläche zusätzlich bewässert wurde. 

Da die kleine Anlage nur jeweils einen Umkreis von 15 Quadratmetern bewässern kann, musste sie auf dem Feld mehrfach neu positioniert werden. Eine zeit- und arbeitsintensive Prozedur. „Ich habe mich bisher gescheut, viel Geld für eine große Anlage zu investieren, aber bei den Wetterveränderungen werden wir uns so langsam mit dem Thema auseinandersetzen müssen“, sagt der 34-Jährige. Verwundert ist der Landwirt, dass die Nachfrage nach frischen Kartoffeln sich in den vergangenen Wochen in Grenzen gehalten hat. 

Mit Hilfe der „Wühlmaus“ kommen die Kartoffeln aus der Erde, bevor die Kunden die frische Ware einsammeln können.

„Die Leute wollen doch alle regionale Lebensmittel haben. Bei uns könnten sie sogar sehen, wo ihre Kartoffel her kommt und die sogar noch günstiger als im Supermarkt bekommen – trotzdem kommen sie nicht“, erklärt Laurenz. Zwar sei die Resonanz nicht richtig schlecht, aber im Vergleich zur politischen Stimmung doch zu gering. „Das passt nicht zusammen“, stellt er fest. 

Weil auf dem Hof das Kraut der Kartoffel nicht mit chemischen Mitteln bekämpft wird, kommt eine sogenannte Wühlmaus zum Einsatz, die der Bauer extra dafür gebraucht erworben hat. Die Kartoffeln werden ausgerodet, und fallen dann auf den weichen Sand und können aufgehoben werden. Der Kunde kauft sich einen oder mehrere Meter, die ihm zugewiesen werden, und kann dann alles an Kartoffeln mitnehmen, was darauf liegt. „Dazu haben wir ein Auge darauf, dass jeder Kunde seine Menge bekommt. Wenn dann an einer Stelle mal weniger Kartoffeln liegen, gibt es eben ein Stück dazu“, sagt Laurenz. 

Je mehr Kartoffeln die Kunde am Ende mit nach Hause nehmen, desto besser ist es auch für den Landwirt. „Das hat eine bodenhygienische Bewandtnis, denn die Kartoffel ist ziemlich Fruchtfolge anfällig, das bedeutet, dass man nach dem Kartoffelanbau lange warten muss, bis man wieder Kartoffeln auf dem gleichen Acker anbauen kann“, sagt Laurenz. Kartoffeln, die liegen bleiben, können im nächsten Jahr wieder auswachsen und dann mögliche Krankheiten multiplizieren. „Wenn die Kunden also auch die kleinen Kartoffeln aufsammeln, habe ich in der Folge eine höhere Pflanzengesundheit, wodurch ich weniger Pflanzenschutzmittel benötige“, sagt der Landwirt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare