Karina Lux ist Seniorenassistentin

Das offene Ohr, die Schulter zum Anlehnen: Stockumerin unterstützt Senioren im Alltag

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Dank Karina Lux (l.) hat Christa jetzt nicht nur einen Rollator, sondern auch eine Schulter zum Anlehnen.

Werne/Stockum – Karina Lux begleitet ältere Menschen durch den Alltag. Als Seniorenassistentin unterstützt sie ihre Kunden beim Arztbesuch, Einkauf oder bei bürokratischen Angelegenheiten. Für die Menschen da zu sein, das macht Lux glücklich und beschert ihr einen sehr abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Wir haben sie begleitet.

Die Schritte die Treppe herunter fallen Christa (Name geändert) nicht mehr so leicht wie früher – die Wernerin ist schließlich schon 85 Jahre alt. Das weiß Karina Lux und hält ihr beim Heruntergehen der Stufen sofort den Arm zum Einhaken hin, damit die Seniorin sicher im Erdgeschoss ankommt. 

Nichts Besonderes, könnte man meinen. Ist es aber: Denn was nach einem engen Mutter-Tochter-Verhältnis aussieht, ist in Wahrheit eine professionelle Dienstleistung. Die 40-jährige Lux ist Seniorenassistentin und betreut Christa erst seit wenigen Wochen. Mit einem Pflegedienst oder einer Haushaltshilfe hat ihr Beruf nichts zu tun. „Sie macht da weiter, wo andere aufhören“, sagt Christa während eines Spaziergangs mit Lux. 

Das offene Ohr, die Schulter zum Anlehnen

Was das konkret heißt? Karina Lux geht mit ihren Kunden spazieren und einkaufen, kümmert sich um bürokratische Angelegenheiten, begleitet sie zum Arzt, kocht mit ihnen, sorgt mit interessanten Gedächtnisübungen für etwas Abwechslung im Alltag und hört ihnen einfach auch mal zu. Sie ist das offene Ohr, die Schulter zum Anlehnen. „Das Problem ist, dass die Leute niemanden mehr haben“, sagt die Stockumerin, die ihre Kunden meist ein- bis zweimal die Woche besucht. 

Ihre Unterstützung soll es den Senioren ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben. Anders als bei manchem Pflegedienst gibt es bei Lux aber kein festes Muster bei den Besuchen. Stattdessen richtet sie alles an den Wünschen und Bedürfnissen der älteren Menschen aus. „Es ist kein Beruf, sondern eine Berufung“, betont die 40-jährige Mutter zweier Kinder. 

Lange Zeit arbeitete die Stockumerin als Automobilkauffrau, ehe sie eine Ausbildung zur Betreuungskraft machte und danach rund zweieinhalb Jahre in zwei Seniorenheimen in Werne arbeitete. „Man konnte den einzelnen Leuten dort nicht gerecht werden“, erklärt Lux und absolvierte deshalb eine Ausbildung zur Seniorenassistentin nach dem sogenannten Plöner Modell. 

Senioren fällt es oft schwer, Hilfe anzunehmen

Seit September des vergangenen Jahres bietet sie ihre Dienste nun in Werne an, hat dabei zurzeit acht Kunden und ist damit gut ausgefüllt. Eine davon ist Christa. Kennengelernt hat sie Lux, als sie sich und ihren Beruf vor einer Gruppe Senioren vorstellte. Was die 44-Jährige dort erzählte, imponierte der älteren Dame. 

Dabei sei es für viele Senioren gar nicht so einfach, Hilfe anzunehmen, weiß die Seniorenassistentin aus Erfahrung. Die gebürtige Dortmunderin Christa ging diesen Schritt trotzdem – und ist glücklich damit. Beim ersten Treffen – auch bei dem zwischen Christa und Lux – geht es um etwas ganz Entscheidendes: um die Frage, ob es zwischenmenschlich passt. „Der Mensch muss mich riechen können und ich ihn“, sagt Karina Lux. 

Bei Christa war das der Fall, sodass sie beim zweiten Treffen über deren persönlichen Bedarf an Unterstützung sprachen. Gesprächsthema war auch, dass die Seniorin bislang keinen Pflegegrad hatte. Lux änderte das, kümmerte sich um die gesamte Bürokratie und sorgte auch dafür, dass Christa unter anderem einen Rollator erhielt. 

Ob beim Einkaufen, beim Arztbesuch oder einfach nur bei einem Spaziergang: Seniorenassistentin Karina Lux (l.) begleitet Christa im Alltag.

Abgerechnet werden die Dienste übrigens durch die Pflegeversicherung – aber nur bei Menschen mit Pflegebedarf. Ansonsten müssen die älteren Menschen Lux privat bezahlen. Nach ihren ersten Begegnungen kam es zwischen Lux und Christa plötzlich anders als geplant. „Sie war sehr schwach“, erinnert sich Karina Lux daran, als Christa plötzlich ins Krankenhaus musste. 

Angehörige in der Nähe von Werne hat die 85-Jährige zwar nicht, bekam am Krankenbett aber dennoch Besuch: von Karina Lux. Die sorgte einerseits dafür, dass sich Christa nicht allein gelassen fühlte und führte andererseits die Gespräche mit den Ärzten. „Die Senioren verstehen das oftmals nicht mehr“, erklärt die Stockumerin. 

„Mir ist das Individuelle wichtig“

Apropos: Um ihre Klienten besser verstehen zu können, beschäftigt sich Lux immer mit deren Biografie. „Mir ist das Individuelle wichtig“, verrät die Seniorenassistentin. Genau das zeigt sich auch, als Lux mit der inzwischen wieder genesenen Christa einen Spaziergang zum Gradierwerk macht – einfach, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. 

Denn Christa erzählt dabei ein bisschen aus ihrem Leben. Etwa, dass sie vor vielen Jahren nach Werne gezogen ist, weil ihre Eltern dort im Pflegeheim lebten und sie somit näher bei ihnen sein konnte. Sie erzählt aber auch, dass es seit dem Tod ihres Mannes manchmal schwierig sei, alleine zu sein. Wie Karina Lux reagiert? Sie nimmt die 85-Jährige einfach in den Arm, als ihr die Tränen kommen. 

„Es ist ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, sagt die Seniorin und zeigt sich vor allem für die zwischenmenschliche und emotionale Unterstützung von Lux dankbar. „Manchmal ist sie auch einfach da“, sagt Christa und nennt ein Beispiel. Denn wenn sie ein Bad nehmen wolle, sei es schön zu wissen, dass – wenn etwas passieren sollte – jemand da ist. 

Shoppen im Allee-Center oder der Besuch des Weihnachtsmarktes

Für die Menschen da zu sein, das macht Karina Lux glücklich und beschert ihr einen sehr abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Denn kein Tag ist wie der andere. Mit Christa war sie etwa schon im Allee-Center in Hamm zum Shoppen – einfach, weil sich die Senioren das gewünscht hatte. Mit einer anderen Kundin besuchte die Stockumerin einen Weihnachtsmarkt. Besondere Momente wie diese sorgen dafür, dass die älteren Menschen wieder mehr am sozialen Leben teilhaben. 

Für Lux bedeutet das natürlich auch, spontan reagieren zu müssen – etwa, wenn kurzfristig ein Arzttermin ansteht und sie ihre Kunden begleiten muss. Oder wenn sie etwa mit Christa einkaufen geht. „Ich möchte nicht im Bett liegen und bedient werden“, sagt diese deutlich. Damit das nicht passiert, ist Karina Lux an ihrer Seite – eine Win-Win-Situation für beide.

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