Kampf gegen Keime

WERNE ▪ Mit einem letzten prüfenden Blick legt Andrea Daum die sauberen OP-Bestecke in das vorbereitete Sieb und hält ihre Arbeitsschritte auf einer Liste detailliert fest. Danach bereitet die technische Sterilisationsassistentin am Werner Krankenhaus weitere Instrumente für den Sterilisator vor.

Die Arbeitsschritte für diese Vorgänge sind in den Hygienestandards des Krankenhauses vorgeschrieben. Über mangelnde Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern wird immer wieder diskutiert. Fälle wie in Fulda, wo Mitte Januar die Sterilisation einer Klinik wegen Verunreinigungen geschlossen werden musste, sind ebenso Thema wie Keime, die im Krankenhaus übertragen werden. Die Landesregierung hat dazu am Mittwoch einen neuen Hygieneplan gegen multiresistente Keime vorgestellt, der in Werne auf Skepsis stößt. „Wir haben in NRW eine gute Regelung durch die Krankenhausverordnung. Was wir aber für die Umsetzung brauchen, ist genügend Personal“, sagt Pflegedirektor Ludger Risse. Ein gutes Konzept lebe nur mit geeigneten Mitarbeitern.

„Die Hygiene ist mit viel Aufwand verbunden“, erläutert Risse weiter. Sie werde aber schon durch das regelmäßige Händewaschen erleichtert. Daher hängen in den Fluren des Krankenhauses in geringen Abständen Händedesinfektionsgeräte für Personal, Patienten und Besucher.

Die Hygienevorgaben im St.-Christophorus-Krankenhaus werden durch die Hygienefachkraft Karin Esswein, die Hygienekommission und den Hygienebeauftragten erarbeitet und durchgesetzt. Externen Rat erhalten die Verantwortlichen durch einen Krankenhaushygieniker. Jede Station im Krankenhaus bespricht jährlich die eigenen Abläufe und optimiert problematische Stellen. Zudem wird einmal im Monat eine Station begangen, um eventuelle hygienische Mängel aufzudecken.

„Die Arbeitsabläufe sind für uns Routine“, erklärt Yvonne Vollrath, stellvertretende Leiterin der Abteilung Sterilisation. Angelieferte Instrumente werden zuerst von groben Verschmutzungen befreit, danach sortiert und in ein Reinigungsdesinfektionsgerät gegeben, um anschließend überprüft und bei 134 Grad für 35 bis 55 Minuten sterilisiert zu werden.

Die einzelnen Instrumente werden in Werne so erfasst, dass nachverfolgt werden kann, welcher Patient damit operiert wurde und wer für die Reinigung zuständig war. „Wir müssen eine große Dokumentationsarbeit leisten und die Unterlagen 30 Jahre aufbewahren“, so Vollrath. Sie bedauert, dass es für ihre Arbeit kein Berufsbild gibt: „Obwohl wir an einer wichtigen Stelle im Haus arbeiten.“ Zwei Lehrgänge von jeweils 14 Tagen würden als Qualifikation für die Arbeit in der Abteilung ausreichen. Vollrath ist der Meinung, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht.

Damit sich Keime im Krankenhaus erst gar nicht verbreiten können, entwickelt die Hygienebeauftragte Esswein Präventionspläne für die Eindämmung. „Bei dem leisesten Verdacht werden sie umgesetzt“, so Esswein. „Der Begriff Krankenhauskeim, ist eigentlich falsch. Die Erreger werden ja von außen ins Haus gebracht“, argumentiert Ludger Risse gegen den übliche Sprachgebrauch.

Auch der Mitarbeiterschutz spielt beim Hygienemanagement eine große Rolle. „Nicht nur unsere Patienten profitieren von einer guten Hygiene, sondern auch meine Kollegen“, erläutert Karin Esswein. Keime würden zu 80 Prozent durch Hände übertragen. Daher sei es wichtig diese regelmäßig zu reinigen, da sie bei jedem Patienten- oder auch Besucherkontakt wieder neue Erreger aufnehmen können. „Es ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, die wir im Auge haben müssen, um eine gute Hygiene zu gewährleisten“, resümiert sie. ▪ gök

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