Feuerwehr einst und jetzt

140 Jahre Löschzug Stadtmitte: Ein Blick auf Veränderungen und prägende Ereignisse

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Vor 140 Jahren gründete sich in Werne der Löschzug 1 Stadtmitte. Heute feiern die Kameraden zusammen mit dem Spielmannszug ein öffentliches Fest.

Werne - Die Katze auf dem Baum, der Unfall oder Brand: Die Einsätze der Feuerwehr sind heute dieselben wie vor 140 Jahren. Trotzdem ist die Arbeit wohl kaum zu vergleichen. Vor allem die Technik erleichtert den Einsatzkräften die Arbeit ungemein. Vor 140 Jahren bekam Werne den Löschzug 1 Stadtmitte – seitdem ist viel passiert. Ein Blick auf Veränderungen und prägende Ereignisse.

Die Anzahl der Einsätze steigt, sind sich Wehrführer Thomas Temmann und Dr. Bodo Bernsdorf, Führer des Löschzuges 1 Stadtmitte, sicher. Und die Statistik gibt ihnen Recht – zumindest mit Blick auf die vergangenen acht Jahre: Waren es im Jahr 2010 für den Löschzug nur 210 Einsätze, rückten die Wehrleute im Jahr 2018 zu 319 Einsätzen aus. 

Das Wachstum liege aber nicht unbedingt daran, dass es mehr Brände als früher gebe, so die Brandschützer. „Zweidrittel der Einsätze sind technische Hilfeleistung“, schätzt Bernsdorf mit Blick auf das gewachsene Aufgabenspektrum der Feuerwehr. Und tatsächlich: Die Statistik des Löschzuges 1 Stadtmitte zeigt, dass 54 Prozent der Einsätze eine Technische Hilfe der Wehrleute waren. Dazu zählen alle Einsätze, die sich nicht beziehungsweise nicht nur auf Brandbekämpfung mit Löschmittel beschränken. 

Großes Thema: Rauchmelder und Brandmeldeanlagen – und auch Fehlalarme

Dass die Anzahl der Einsätze wächst, liege mitunter auch am Mobiltelefon, vermutet Temmann. „Seitdem jeder ein Handy hat, ist es natürlich einfacher, uns zu alarmieren, wenn man Rauch sieht.“ Selbst dann, wenn es nur ein harmloses Gartenfeuer der Nachbarn sei. Doch der Wehrführer betont auch: „Wir können im Ernstfall viel schneller alarmiert werden. Früher musste man sich erst einmal eine Telefonzelle suchen.“ 

Spricht man über Veränderungen in der Arbeit der Wehrleute, kommt man an einem Thema nicht vorbei: Rauchmelder und Brandmeldeanlagen – und auch Fehlalarme. Erst am Dienstag rückte der Löschzug 1 Stadtmitte gleich dreimal zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage einer Firma aus. Zum Glück konnte bei keinem Einsatz ein Feuer festgestellt werden. 

Das Papierrollenlager der Firma Klingele brennt am 4. Dezember 1987 vollständig nieder. Heute alarmieren Brandmeldeanlagen der Firmen die Feuerwehr rechtzeitig – und ermöglichen ein frühes Eingreifen der Feuerwehr.

Trotzdem müssen die Einsatzkräfte jeden Alarm ernst nehmen – auch wenn sie erst eine halbe Stunde zuvor von genau der Stelle abgerückt waren. „Man fährt 20 Mal umsonst hin und beim 21. Mal brennt es dann wirklich und wir sind rechtzeitig da“, verdeutlicht Bernsdorf die Notwendigkeit dieser Anlagen. Und: „Die Fehlalarme stehen nicht im Verhältnis zu der Anzahl der Brandmelder.“ 

Wie wichtig Brandmeldeanlagen sind, zeigt ein Blick ins WA-Archiv: Am 4. Dezember 1987 brannte das Papierrollenlager der Firma Klingele bis auf die Grundmauern nieder. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 4 Millionen Mark. Rund 100 Feuerwehrleute aus Werne, Lünen, Hamm, Bergkamen und Kamen waren im Einsatz. Verändert haben sich vor allem auch Vorschriften. Unerlässlich bei der Technik, die heutzutage ein Löschfahrzeug mit sich bringe, wissen Temmann und Bernsdorf. 

Einsatzkräfte üben beim Feuerwehrverbandstag im Jahr 1925. Damals wie heute sind Übungen für die Wehrleute unerlässlich.

„Es gibt keine festen Aufgaben. Natürlich hat jeder sein Spezialgebiet und nicht jeder ist ein Atemschutzgeräteträger. Aber im Prinzip muss jeder erst einmal alles können“, beschreibt Bernsdorf den Reiz, den der Beruf Feuermann/frau mit sich bringe. 

Temmann und Bernsdorf können viele Geschichten erzählen. Temmann ist seit 1984 beim Löschzug, Bernsdorf seit 2004. Wenn es um prägende Einsätze in der Geschichte des Löschzuges geht, fallen ihnen in erster Linie Einsätze mit positivem Ende ein. „Die Kuh Lisa im Wassertank“, erinnert sich Temmann lachend. Damals steckte die Kuh mit dem Kopf in einem Wassertank fest. Die Feuerwehr schnitt den Metallring ab und befreite das Tier.

Einsätze, an die sich die Kameraden gerne erinnern: Eine Kuh steckt im Jahr 2001 mit dem Kopf in einem Wassertank fest. Der Einsatz ging glimpflich aus – das Bild werden die Einsatzkräfte wohl nie vergessen.


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