1. Familien-Rad-Demo in Werne: "Platz da für die nächste Generation!"

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Werne -Die „Initiative Radverkehr“ kommt ins Rollen: mit einer "Demo", die nicht politisch sein darf, und einer echten Kundgebung. 

Mit einer regelmäßigen, der Form nach aber unpolitischen „Demonstration der Freude am Fahrradfahren“ soll Werne ab dem 6. März immer am ersten Freitag im Monat auf zwei Rädern mit Muskelmotor in Bewegung kommen. Mit einer „Critical Mass“ wollen die Radler auf der Straße Flagge zeigen. Auf diesem Prinzip beruht auch die „Kidical Mass“. Doch diese Radtour mit den Jüngsten am Sonntag, 22. März, ist ein erklärtermaßen politischer Beitrag zum Diskurs über den Straßenverkehr der Zukunft: „Platz da für die nächste Generation!“, ist das Motto.

Veranstaltung bei der Polizei angemeldet

Die Organisation dieser Veranstaltung beschäftigte die Mitstreiter am Dienstagabend im „Haus Havers“. Stephan Rengelink hat die Versammlung ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldet, das Kooperationsgespräch steht noch aus, wie Polizeisprecher Bernd Pentrop bestätigte. Nach dieser Absprache über Route und Verlauf ist der Weg aber frei für Wernes erste Fahrrad-Demo. Eine Genehmigung sieht das Gesetz nicht vor. Die Polizei muss den Tross aber absichern.

Sonntag, 22. März, um 15 Uht am Markt

Start der „Familien-Fahrrad-Demo“ ist um 15 Uhr auf dem Marktplatz, mit dem Familiennetz werde gerade geklärt, ob der dortige Spielplatz (und möglichst Sanitäranlagen) als Ziel für den Ausklang zur Verfügung stehen, hieß es. „Die genaue Route wollen wir noch nicht verraten, die Tour soll aber etwa eine Stunde dauern und es wird einen Zwischenstopp am Kreisverkehr am Solebad geben“, sagte Rengelink. Kinder, die schon mit dem Laufrad zurechtkommen, können dabei sein, Jungen und Mädchen bis zehn, elf oder zwölf Jahren seien die Obergrenze der ins Auge gefassten Zielgruppe, die mehr Beachtung vom Autoverkehr erfahren müsse, erläuterte IR-Sprecher Holger Bergemann.

"Lebendige Spielstraße" ist auch dabei

Die Familien der Initiative „Lebendige Spielstraße“ haben ihre Teilnahme zugesagt, wie Sprecher Thorsten Swat dem WA berichtete. In ihren Reihen beim RSC wollen die IR-Mitstreiter Monika Biermann und Peter Wenner die Jugendabteilung für die Aktion gewinnen. Die Klimabewegung „People for Future“ habe ebenfalls ihr Interesse bekundet. Sowieso ist jedermann willkommen. In der Summe werden sich an diesem Tag wohl Tausende auf den Weg machen. Denn Werne ist eine von mehr als 40 Städten bundesweit, in denen Menschen für eine bessere Förderung des umweltfreundlichen Verkehrsmittels Fahrrad demonstrieren wollen: „Schnell, sauber und leise am Stau vorbei“ ist ein Slogan dazu. Doch die Bedingungen auf Wernes Straßen könnten besser sein. „Für radelnde Eltern und Kinder bedeutet das oft Stress“, so Rengelink. Die bundesweite Botschaft an die Politik: „Wir fordern Städte, in denen sich Kinder sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können!“

Demonstration der Freude am Radeln

Sicher und selbstständig müssen auch alle unterwegs sein, die sich der „Critical Mass“ anschließen wollen. Denn diese „Demonstration“, die erstmals 1992 in San Francisco Gleichgesinnte auf die Straße brachte, ist keine nach dem Versammlungsrecht. „Wir treffen uns um 18 Uhr auf dem Markt, weil wir Freude am Fahrradfahren haben. Das ist eine reine Spaßveranstaltung“, betonte Rengelink. „Wer vorne fährt, bestimmt den Weg“, lautet die „Zufallsregel“ der formal unorganisierten Tour. Ansonsten ist Paragraf 27 der Straßenverkehrsordnung das Maß der Dinge. Der regelt, wie sich ein „geschlossener Verband“ auf der Straßen mit Sonderrechten bewegen darf. „Wir müssen mindestens 16 Teilnehmer haben, dann dürfen wir geschlossen in Zweierreihe auf der Straße fahren und auch Ampeln noch überqueren, wenn für die Letzten die Grünphase schon vorbei ist“, weiß Winfried Hoch vom ADFC. 

Politische Wirkung wird "in Kauf genommen"

Diese Aktionsform gibt es schon länger, in Lünen und Dortmund beispielsweise. Die Erfahrungen seien gut, „wir wollen auch keinen Streit“, betont Rengelink. Trotzdem wird den Autofahrern bewusst der Platz auf der Straße im Kolonnefahren streitig gemacht, um etwas zu bewirken. Die Frage nach der Botschaft wird hier augenzwinkernd beantwortet. „Es gibt kein politisches Statement. Leute fahren zusammen, weil die gerne zusammen fahren wollen“, so Rengelink. Dass sich die Stadt daran macht, ein Mobilitätskonzept zu erstellen, „werde billigend in Kauf genommen“. Und dass es bis Herbst weitergeht. Na ja, hier kann doch keiner etwas dafür, dass am 13. September der Stadtrat gewählt wird...

Mehr dazu im Netz:

https://kinderaufsrad.org

www.radverkehr-werne.de

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