Holocaust-Gedenken in Werne erreicht nur wenige

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Nach der Ansprache von Vize-Bürgermeisterin Gudrun Holtrup (l.) ging ihr der zweite Stellvertreter Ulrich Höltmann bei der Kranzniederlegung zur Hand.

Werne - Über den engsten Kreis hinaus hat die Veranstaltung der Stadt Werne zum Internationalen Holocaust-Gedenktag nur wenige bewegt.

Mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkstätte „Russischer Friedhof“ am Südring und einer Kulturveranstaltung im Bürgersaal des Alten Rathauses hat die Stadt Werne am Mittwoch anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags an das unermessliche Leid der NS-Opfer erinnert – aber damit über den engsten Teilnehmerkreis hinaus kaum jemanden erreicht.

2013 hatte die Stadt damit begonnen, neben der seit den 1980er Jahren etablierten Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 9. November 1938 auch am 27. Januar, Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, zur Mahnung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und das in Werne verübte Unrecht zu erinnern. Zum 70. Jahrestag der KZ-Befreiung durch die Rote Armee waren im vergangenen Jahr noch mehr als 100 Interessierte der Einladung zur Besichtigung des Jüdischen Friedhofs gefolgt.

Doch gestern blieb die Resonanz deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zur nunmehr vierten offiziellen Kranzniederlegung am Mahnmal für die 103 in Werne getöteten Zwangsarbeiter im NS-Regime fanden sich etwa 35 Teilnehmer ein – fast ausschließlich Vertreter von Rat und Verwaltung sowie Vereinen und Gruppen, denen es Anliegen und Verpflichtung ist, die Erinnerung wach zu halten, damit sich dieser kollektive Sündenfall nicht wiederholt.

„Das darf es in Europa nie wieder geben“, betonte die Stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Holtrup und forderte in ihrer Ansprache zur Kranzniederlegung auf, bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich dafür einzutreten.

Wie schwer auch diejenigen ein Leben lang an ihrem Schicksal zu tragen hatten, die der planmäßigen Vernichtung unter Strapazen entkommen konnten, machte die anschließende Lesung deutlich. Vor eher noch gesunkener Teilnehmerzahl (einige aus engagierten Kreisen hatten einen wichtigen Paralleltermin) las Ludger Burmann im Bürgersaal aus Jane Marks Buch „Die versteckten Kinder“. Darin schildern Holocaust-Überlebende, wie sie als Kinder der Judenverfolgung in Verstecken entgangen sind – sich dabei aber beispielsweise durch Trennung für immer von den eigenen Eltern entfremdet haben, zu niemandem mehr Vertrauen fassen konnten oder ihre Angst nicht mehr wich.

Dazu spielte Pianist Elmar Koch Werke von Komponisten, die von den Nazis verfolgt worden waren: Arnold Schönberg, in die USA emigrierter „Erfinder“ der 12-Ton-Musik, Ernst Toch, gleichfalls dorthin emigrierter Wegbereiter der Moderne, und Erwin Schulhoff. Ein Kommunist, der nach Flucht in die UdSSR von den Nazis gefasst und 1942 unter den Qualen der Internierung in Bayern starb. Auch hier gilt es, dem Vergessen durch Erinnerung zu begegnen. - bkr

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